Im vergangenen Jahr schlugen einige angehende Abiturienten über die Stränge, sodass sogar die Polizei eingreifen musste. Deshalb gibt es dieses Jahr Regeln - und trotzdem viel Vorfreude.

Castrop-Rauxel

, 10.04.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schmierereien an der Europahalle, Unrat in Blumenkübeln und Pyrotechnik am Kreisverkehr. Im vergangenen Jahr sorgte der letzte Schultag der damals angehenden Abiturienten für Wirbel, weil sich einige der Jugendlichen nicht richtig benahmen. Sogar die Polizei musste ausrücken und begleitete die randalierenden Schüler zurück zu ihrer Schule.

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Am Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG) war Schulleiter Dr. Friedrich Mayer damals empört. „Ich habe alle auf dem Schulhof versammelt, dann den ursprünglichen Plan einer gemeinsamen Zulassungsveranstaltung zu den Abiturprüfungen abgesagt“, sagte Mayer.

Wasserpistolen sind am Ernst-Barlach Gymnasium verboten

Aufgrund dieser Vorkommnisse müssen die 105 Schüler des EBGs in diesem Jahr einige Einschränkungen in Kauf nehmen. Denn solche Vorfälle könnten sich auch auf das Image der Schule auswirken, sagt Mayer. Bis zum Freitag, wenn sie unter dem Motto „Abicetamol - der Schmerz hat ein Ende“ ihre Zulassung erhalten, ist das Betreten des unteren Teils der Aula zum Beispiel nicht erlaubt, die Sporthalle komplett tabu.

Spielzeugwaffen, Baseballschläger und auch Wasserpistolen sind strikt verboten - wie auch der Konsum von Alkohol, Drogen oder Zigaretten auf dem Schulgelände. Straßenblockaden sind freilich ebenfalls verboten, ansonsten wird die Polizei gerufen. Zudem müssen Aufräumgruppen organisiert werden, die am Ende jedes Tages einmal die Schule durchfegen.

Bevor am Freitag der letzte Schultag kräftig gefeiert wird, steht auch noch die Mottowoche an. Bei all dem Spaß ist bei den Kostümen zu beachten, dass keine Masken erlaubt sind. „Es besteht Vermummungsverbot. Wir wollen die Gesichter sehen und wissen, wer wer ist“, sagt Schulleiter Mayer.

Eine Kostümierung als einer der Bankräuber wie in der beliebten Netflix-Serie „Haus des Geldes“, ist somit zum Beispiel nicht möglich.

Schminken hingegen ist okay - solange die Personen noch zu erkennen sind. Als Mottos hat sich der Abiturjahrgang überlegt: Nationalitäten-Klischees, Zeitreise, Kindheitshelden/Filme/Serien, „Wir in 20 Jahren“ und einen Asi-Tag. Den wollte Mayer den Schülern zwar eigentlich ausreden, weil „wir es nicht so gut finden, wenn man sich über die Bedürftigen lustig macht“, aber es wäre nun trotzdem erlaubt. Klar macht er aber auch: „Die Unterrichtspflicht besteht uneingeschränkt“.

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Nach der Zulassung am Freitag, zu der die Schüler nicht en bloc sondern in Gruppen von 20 bis 25 Personen nacheinander kommen, soll das Schulgelände recht zügig verlassen werden.

In einer Nachricht an die Stufe heißt es: „Die Lehrer sagten, wir sollen darauf achten und daran denken, dass wir uns feiern“. Darauf sollen sich die Abiturienten auch konzentrieren und nicht den anderen Schülern den Tag schwer machen. Auch wird in dieser Nachricht darauf hingewiesen, dass etwaige Verfehlungen nicht nur auf Kosten des jetzigen Abiturjahrgangs gehen könnten, sondern auch auf die kommenden.

Einbindung der „Kleinen“ am Adalbert-Stifter-Gymnasium

Am Adalbert-Stifter Gymnasium (ASG) beweisen die 92 Schüler beim nahenden Ende ihrer Schulzeit Selbstironie. Unter dem Motto: „Abinauten, keine Überflieger aber trotzdem durchgestartet“ genießen sie ihre letzten Tage.

Dabei darf die Mottowoche mit Verkleidungen natürlich auch dort nicht fehlen. Am Montag wurde erst einmal mit Stolz der Abipulli präsentiert, es folgen die Mottos Zeit- und Kulturreise, Ladys and Gentleman, Horror und Fantum/Kindheitserinnerungen.

Angehende Abiturienten aller drei Schulen feiern in ihrer Mottowoche - mit Einschränkungen

Paula Niedermowe und Lara Staschewski vom Adalbert-Stifter Gymnasium (v.l.) freuen sich auf ihre letzte Schulwoche. © Patrick Radtke

An allen Tagen sollen die „Großen“ die „Kleinen“ mit einbinden, „damit die Woche für alle Schüler des ASG etwas besonderes ist“, sagen Lara Staschewski und Paula Niedermowe (beide 17) aus dem Abiturjahrgang. Am Montag wurde deswegen schon ein Fotoshooting angeboten, wofür ein leerer Bilderrahmen, Hüte, Brille und noch vieles mehr besorgt wurde. Es folgen Angebote von kulturellen Spezialitäten und Tänzen oder auch ein Sportparcours mit Bobbycars.

Streng geheime Willy-Brand Gesamtschule

An der Willy-Brandt-Gesamtschule (WBG) gehen die Feierlichkeiten erst am Mittwoch so richtig los. „Wir haben uns mit allen drei gymnasialen Oberstufen abgesprochen“, sagt Heinz-Hermann Tophoven, Beratungslehrer des Abiturjahrgangs am WBG.

Ansonsten dürfen die 54 angehenden Schulabgänger ihrer Kreativität fast freien Lauf lassen. „Es gibt nur ein paar Dinge, bei denen wir gesagt haben, dass wir das nicht so gerne sehen, wie einen Asi-Tag“.

Am Freitag werden die Schüler zur Mittagszeit dann ein Programm für die Jüngeren und die Lehrer auf die Beine stellen. „Aber darüber weiß ich natürlich auch noch nichts“, so Tophoven.

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