Angeklagter möchte am liebsten im Knast bleiben

rnDiebstahl-Prozess

Mit Angeklagten, die um eine Haftstrafe bitten, haben Richter eher selten zu tun. Ein 34-Jähriger, der mehrere Diebstähle in Castrop-Rauxel und Umgebung begangen hat, wollte aber genau das.

von Gabriele Regener

Castrop-Rauxel

, 19.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das erlebt auch ein erfahrener Richter nicht häufig: ein Angeklagter, der auf eine Haftstrafe ohne Bewährung hofft, sogar darum bittet. Ein 34-Jähriger hat genau das am Mittwoch im Amtsgericht Castrop-Rauxel getan. Ende Februar hatte sich der Mann schon freiwillig in Untersuchungshaft begeben. Dort wartete er auf die Verhandlung, die trotz der Corona bedingten Beschränkungen unter Sicherheitsauflagen stattgefunden hat.

Dass der Angeklagte, dem in dieser Verhandlung fünf Diebstähle vorgeworfen wurden, nicht mit einer Geldstrafe davonkommen konnte, war allen klar. Es handelte sich bei allen Delikten um Beschaffungskriminalität, denn der Mann ist bereits seit frühester Jugend drogensüchtig. Auch den drei noch offenen Bewährungsstrafen liegen ähnliche Delikte zugrunde.

Diebstähle, um Kokain zu bezahlen

Diesmal wollte er Fernsehgeräte und Laptops in Bares umsetzen. Zwischen August und November 2019 stahl er in Geschäften in Castrop-Rauxel und Umgebung hochwertige Geräte, um Kokain und Heroin bezahlen zu können. Obwohl er in dieser Zeit in einer therapeutischen Einrichtung lebte.

Nicht zum ersten Mal. „Ich war in acht verschiedenen Einrichtungen“, bilanzierte der Angeklagte. Das habe nichts gebracht. „Stundenlanges Reden“ und „Langeweile“ hätten den Alltag ausgemacht. Clean könne er nur freiwillig und aus eigenem Antrieb werden. Das habe er ja auch schon einmal drei Jahre geschafft. Er wolle arbeiten und eine eigene Wohnung haben, sagte er.

Wohnadressen hatte der 34-Jährige schon viele. Als Kind bei einer drogenabhängigen Mutter, dann in einem Heim, danach in einem zweiten, er lebte in verschiedenen Städten und in betreuten Einrichtungen – zwischendurch auch im Gefängnis wie derzeit in der JVA Dortmund, wo er auch arbeiten kann.

Der Angeklagte will im Gefängnis bleiben

Da möchte er bleiben und aus freien Stücken ohne Therapeuten clean werden. Doch der sachverständige Arzt, die Staatsanwältin und der Richter sahen das anders. Sie hielten den Maßregelvollzug für das bessere Mittel, also die Unterbringung in einer forensischen Klinik.

„Damit wird meinem Mandanten etwas übergestülpt, das nicht erfolgreich sein wird“, befürchtete der Verteidiger. Im Urteil über 18 Monate Freiheitsstrafe wurde dennoch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt festgeschrieben. „Ich glaube, Sie schaffen es nicht ohne Hilfe“, begründete der Richter.

Im Gegensatz zur Haftstrafe soll mit einem Maßregelvollzug nicht die Tat bestraft, sondern die Sucht des Straffälligen bekämpft werden. So empfiehlt es Paragraph 64 des Strafgesetzbuches. Ob sich der Angeklagte fügt oder das Urteil anfechten wird, zeigt sich in den kommenden Tagen. Er hat eine Woche Zeit, um in Berufung zu gehen.

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