Anklage: 16-Jährige bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und sexuell missbraucht

rnLandgericht

Eine 16-Jährige wird bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann sexuell missbraucht. So steht es in der Anklage. Aber hat die Schülerin der gefährlichen Sexualpraxis vielleicht zugestimmt?

Castrop-Rauxel/Essen

, 07.02.2019, 17:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war der 9. Mai 2018, als sich der 24-jährige Angeklagte aus Castrop-Rauxel mit der Schülerin getroffen hat. Sie war 16, wohnte in Essen, kam gerade aus der Schule. Die beiden gingen zu einer Hütte in einem Waldstück im Essener Stadtteil Schonnebeck. Dort soll es dann passiert sein.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte die 16-Jährige mit einer Hand gewürgt und ihr mit der anderen Hand eine Plastiktüte vor Mund und Nase gehalten hat. So lange, bis sie bewusstlos wurde. Danach zog er ihr angeblich die Jeans aus und verging sich an ihr.

"Es bestand Lebensgefahr"

Die Ärzte hatten später zahlreiche punktartige Einblutungen im Gesicht der Schülerin entdeckt, dazu Kratzspuren. „Es bestand Lebensgefahr“, heißt es in der Anklage. Ob die 16-Jährige sterben würde, sei für den Angeklagten nicht mehr steuerbar gewesen. Zwei Tage lang hatte sie anschließend im Krankenhaus gelegen.

Hat die Schülerin ihr Okay gegeben?

Was den Fall jedoch so außergewöhnlich macht: Es könnte sein, dass die Schülerin zuvor sowohl in den Geschlechtsverkehr als auch in das Würgen eingewilligt hat. „Er fragte sie, ob sie einverstanden sei“, heißt es dazu in der Anklage der Staatsanwaltschaft. Das habe sie bejaht. Der 24-Jährige dürfe aber nicht so fest zudrücken. Damit man hinterher keine Würgemale sehe. Nach einer ersten Phase ohne Luft soll der Angeklagte sogar noch einmal kurz aufgehört und gefragt haben, ob alles okay sei. Erst dann habe er weitergemacht.

Übergriff in Umkleidekabine

Bereits zwei Wochen zuvor soll es in einem Essener Einkaufszentrum ebenfalls zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Der Angeklagte wollte der 16-Jährigen ein Kostüm kaufen, um sie für eine Messe in Dortmund in ein japanisches Anime-Girl zu verwandeln. Laut Anklage kam er dann jedoch immer wieder in die Umkleide, unter dem Vorwand, ihr helfen zu wollen. Dabei soll er sie mehrfach begrapscht haben, obwohl sie ihm klar zu verstehen gegeben habe, dass sie das nicht wolle.

Was der Angeklagte zu den Vorwürfen sagt, ist nicht bekannt. Seine Einlassung fand zum Schutz der Privat- und Intimsphäre komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Aussagen hinter verschlossenen Türen

Zum Prozessauftakt hatte er nur völlig teilnahmslos nach unten geblickt. "Ich sehe, dass das ein schwerer Gang für Sie ist", hatte auch Richterin Karin Meiberg dazu bemerkt. Auch die Vernehmung der 16-Jährigen, die psychisch sehr instabil sein soll, findet hinter verschlossenen Türen statt.

Der Angeklagte war nach Bekanntwerden der Vorwürfe festgenommen worden und hatte rund einen Monat in Untersuchungshaft gesessen. Erst danach war offenbar bekannt geworden, dass es sich möglicherweise um verabredete Sado-Maso-Praktiken handeln könnte. Mit einem Urteil ist voraussichtlich noch im Februar zu rechnen.

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