Als Oberstleutnant der Reserve wirkt Dr. Oliver Lind seit November 2020 bei der Koordination der zivil-militärischen Zusammenarbeit zwischen dem Kreis Recklinghausen und der Bundeswehr mit. Die Bundeswehr unterstützt den Kreis bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. © Privat
Amtsantritt

Anwalt, Oberstleutnant, Politik-Profi: Oliver Linds Start in Herten

Er ist Anwalt und Soldat und hat Lokalpolitik von der Pike auf gelernt: der langjährige Castrop-Rauxeler CDU-Politiker Oliver Lind verantwortet seit 1. Mai die Hertener Finanzen.

Etwa 250 Millionen Euro Schulden lasten auf der Stadt Herten – und die Folgen der Corona-Krise sind kaum absehbar. Da kann einem schon mal der Atem stocken. Wenn Dr. Oliver Lind kurz durchatmen und seine Gedanken sammeln muss, dann schaut er auf die Fotos, die bereits die Wände in seinem neuen Büro im Hertener Rathaus zieren. Sie sind bei Segeltörns entstanden.

„Ich segele gerne mal am Wochenende auf dem Ijsselmeer, aber auch in Schottland, Schweden oder auf dem Englischen Kanal“, berichtet der 48-jährige Castrop-Rauxeler.

Eine steife Brise spürt der neuen Kämmerer auch in Herten. Nicht etwa atmosphärisch, im Gegenteil: „Ich bin sehr gut aufgenommen worden und schätze die offene Gesprächskultur, die Bürgermeister Matthias Müller hier pflegt. Es ist viel wert, wenn man frei reden kann.“

Herausforderungen von Feuerwehr bis Kanalnetz

Als Kämmerer ist Oliver Lind nämlich nicht nur für die Finanzen zuständig, ähnlich wie sei Parteikollege Michael Eckhardt in Castrop-Rauxel. Er verantwortet beispielsweise auch die Feuerwehr und das Ordnungsamt. Das Geld bildet dennoch den Schwerpunkt der Arbeit.

Schulschließung weckt Interesse für Politik

Gewählt wurde Lind im März im Rat, für die Dauer von acht Jahren.

In Castrop-Rauxel geboren und aufgewachsen, besuchte Oliver Lind dort die Realschule. Deren Schließung habe damals sein politisches Interesse geweckt, blickt Lind zurück.

1994 zog er für die CDU in den Stadtrat ein, wurde mit 20 Jahren Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses und ist dies bis heute. In dieser Zeit begleitete er politisch die Umstellung der Stadt Castrop-Rauxel auf das Neue Kommunale Finanzmanagement.

Bei der Bürgermeisterwahl in Castrop-Rauxel unterlegen

Nach seiner Bundeswehrzeit in Dülmen studierte Oliver Lind in Bochum Jura, arbeitete danach als Fachanwalt für Verwaltungsrecht mit Schwerpunkt Bauen, zuletzt war er Vorstandsmitglied der Fakt Immobilien AG in Essen. „Aber es war immer mein Wunsch, eine Aufgabe mit lokalpolitischem Bezug zu übernehmen“, betont Lind. Bei der Bürgermeisterwahl 2020 kam er in Castrop-Rauxel zwar in die Stichwahl, unterlag dort aber klar gegen Amtsinhaber Rajko Kravanja (SPD).

Herten soll künftig auch Oliver Linds Lebensmittelpunkt sein. Eine Wohnung am Paschenberg werde zunächst der Zweitwohnsitz sein, später das neue Zuhause. „Meine neue Aufgabe ist so gewaltig, dass ich mich ganz auf Herten konzentrieren will“, sagt der 48-Jährige, der ledig ist, aber in einer Beziehung lebt.

An der Bewältigung einer anderen gewaltigen Aufgabe wirkt er ebenfalls mit. Seit November 2020 unterstützt die Bundeswehr den Kreis Recklinghausen bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Soldaten sind bei der Kontaktnachverfolgung eingebunden, im Impfzentrum und in mobilen Abstrich-Teams. Als Oberstleutnant der Reserve wirkt Dr. Oliver Lind dabei mit.

Apropos Zusammenarbeit: „Gerne suche ich bald den Kontakt zu den Ratsfraktionen und anderen Akteuren in Herten“, sagt Lind. „Aber erst muss ich mich einarbeiten und sprachfähig werden. Das dauert noch ein paar Tage.“

Über den Autor
Leiter Lokalredaktion Herten
Kind des Ruhrgebiets, aufgewachsen in Herten und Marl. Einst Herausgeber einer Schülerzeitung, heute Redaktionsleiter, Reporter, Moderator. Mit Leidenschaft für hintergründigen, kritischen Journalismus – mit Freude an klassischer Zeitung – mit Begeisterung für digitale Formate – mit Herz für Herten. Unterwegs mit Block und Kamera, Smartphone und Laptop in allen Themenfeldern, die die Menschen bewegen. Besonders gerne hier: Politik, Stadtentwicklung, öffentliche Daseinsvorsorge, Energiewirtschaft, Gesundheitswesen, Digitalisierung, Blaulicht.
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