Rechtsanwalt Matthias Delvo berät die FDP im Stadtrat juristisch. Er hat sich nun aufgemacht, sich um einen Geschäftsführerposten zu bewerben, der schon vergeben zu sein scheint. © Tobias Weckenbrock
Wirtschaftsförderung

Anwalt will sich nun für Chefposten bewerben, der schon vergeben scheint

Der Fall wird offenbar noch spannend: Ein Castrop-Rauxeler Rechtsanwalt möchte sich um einen wichtigen Posten bewerben, der eigentlich schon vergeben sein sollte.

Dass Jens Langensiepen, Geschäftsführer der Stadtwerke Castrop-Rauxel, nun noch einen zweiten Geschäftsführer-Posten übernehmen soll, sorgt in der städtischen Politik-Szene aktuell für Aufruhr. Vor allem, wie die Besetzung zustande kam, erregt die Gemüter.

Ein juristischer Berater und Sachkundiger Bürger der FDP-Fraktion, Rechtsanwalt Dr. Matthias Delvo, hat nun angekündigt, sich um den Job zu bewerben. Damit will er zeigen, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen sei.

Es ging los mit der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Dienstag (16.11.), den Josef Berkel (CDU) leitet: Am Ende der Tagesordnung stand ein Punkt „Gründung der Wirtschaftsförderungs- und Stadtteilmanagement GmbH hier: Aktueller Sachstand“. Doch niemand im Raum konnte einen Sachstandsbericht abgeben.

Nicht Thomas Ratte, der bei der Stadtverwaltung den Posten des Wirtschaftsförderers besetzt, noch der Ausschuss-Vorsitzende noch Ulrich Werkle (Grüne), der vor wenigen Wochen in die Gesellschafterversammlung der neuen GmbH entsandt worden war.

Den Ausschussmitgliedern war aber aufgefallen, dass im Haupt- und Finanzausschuss eine Woche später (Di, 23.11., 16 Uhr, Ratssaal) der Punkt mitsamt einer ausführlichen Anlage dargelegt ist. Darin tauchte nun der Name Jens Langensiepen auf, den EUV und Stadtverwaltung offenbar auserkoren haben, die Geschäftsführung zu übernehmen – neben seinem anderen Posten bei den Stadtwerken.

„Diesen Weg hat Kravanja nun verlassen“

Das kritisieren CDU, FWI und FDP. Die drei Parteien hätten der Gründung der Gesellschaft 2019 zugestimmt, auch wenn FWI und FDP dafür keine eigene GmbH wollten. Das habe Bürgermeister Kravanja durchgesetzt. „Dabei hat er stets versucht, den Eindruck zu vermitteln, alle Entscheidungen auf eine breite Basis stellen zu wollen“, so die Fraktionen nun in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Und: „Diesen Weg hat er nun verlassen“, sagt CDU-Fraktionschef Michael Breilmann. Vorwurf: Die Gründung sei nicht transparent erfolgt, die Besetzung des Postens schon gar nicht. In Paragraf 7 des Gesellschaftervertrages steht laut HFA-Vorlage, dass die Gesellschafter Stadt Castrop-Rauxel sowie EUV Stadtbetrieb – AöR ein Vorschlagsrecht für die Bestellung und Abberufung des Geschäftsführers haben. Und: „Die Belange der Bestellung von Geschäftsführern unterliegen der Beschlussfassung der Gesellschafterversammlung.“

FDP-Chef Nils Bettinger spricht von „im stillen Kämmerlein ausgehandelt“. Annette Korte von der FWI bezeichnet das als „Fehlstart der Wirtschaftsförderungs GmbH“. Man wolle schon wissen, wie es zu dieser Personalentscheidung gekommen sei.

Wurde die Stelle überhaupt ausgeschrieben?

Darum will sich nun Delvo bewerben. Er fragte bei der Stadtverwaltung an, welche Bewerbungsunterlagen er wo einreichen müsse. Eine Anspielung darauf, dass ihm und – wie er sagt – auch sonst niemandem eine Ausschreibung der Stelle je bekannt gewesen sei. Die Opposition will wissen: Welches Anforderungsprofil liegt der Stelle zugrunde liegt? Wurde sie ausgeschrieben? Wie lief das Auswahlverfahren?

Bemerkenswert sei auch die Tatsache, dass Langensiepen die Geschäftsführerposition „im Nebenamt“ ausüben soll: „Ob das den Ansprüchen genügt, die wir im Vorfeld an die neue Gesellschaft formuliert haben, hätten wir gerne vorab besprochen“, so Bettinger. „Auch mit Herrn Langensiepen persönlich.“

Einig seien sich die Fraktionen darin, dass Jens Langensiepen bei den Stadtwerken sehr gute Arbeit leiste. Aber diese Umstände wolle man geklärt haben. Seit Tagen steht diese Kritik öffentlich im Raum, doch von der Stadt kam dazu bisher keine öffentliche Regung. Vielleicht ja am Dienstag bei der Sitzung des HFA oder Donnerstag (25.11., 17 Uhr) in der Ratssitzung. Dort steht das Thema wieder auf den umfänglichen Tagesordnungen. Es wird Fragen geben…

Zur Sache

  • Die Wirtschaftsförderung und Statteilmanagement GmbH soll verschiedene verwandte Bereiche unter einem Dach bündeln: das Stadtmarketing, die Veranstaltungen, die Stadtteilarbeit, die Wirtschaftsförderung.
  • Alles wird als wichtige Standortfaktoren angesehen, um heute Unternehmen in einer Stadt anzusiedeln. Eine attraktive und lebendige Stadt sei vielen Investoren heute viel wichtiger als die Höhe des Gewerbesteuersatzes, so die Hypothese.
  • Der Posten von Wirtschaftsförderer Thomas Ratte und weitere Stellen in der Stadtverwaltung sollen ausgegliedert werden. Der Geschäftsführerposten allerdings ist neu.
Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen der Medienwelt seit der Jahrtausendwende.
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Tobias Weckenbrock

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