So wollen Apotheken in Castrop-Rauxel gefährliche Resistenzen mit neuem Pass verhindern

rnAntibiotika

Antibiotika können Leben retten. Doch Patienten entwickeln zunehmend Resistenzen gegen die Mittel. Um unnötige Medikamenten-Einnahmen zu verhindern, hoffen Apotheker auf einen neuen Service.

Castrop-Rauxel

, 01.12.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Doch wovon ist eine Erkrankung ausgelöst? Manchmal verordnen Ärzte vorsichtshalber ein Antibiotikum. Doch wenn die Mittel häufiger als nötig oder nicht richtig eingenommen werden, begünstigt dies die Bildung von Antibiotika-Resistenzen: Es entwickeln sich Bakterien, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken. Und dann kann es gefährlich werden.

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe habe nun einen so genannten Antibiotika-Pass entwickelt. Was das ist und wie er wirken kann, klären wir hier.

? Was genau ist der Antibiotika-Pass? „Das handliche Dokument passt in jedes Portemonnaie, aber hat es in sich“, sagt Claus Ehrensberger, Sprecher der Apothekerschaft in Castrop-Rauxel. Wer ein Antibiotikum verordnet bekommen hat, trägt gemeinsam mit dem Apotheker die Bezeichnung, Dosierung und wichtige Hinweise zur Einnahme in den Pass ein. „Auf diese Art und Weise trägt jeder dazu bei, dass Antibiotika auch in Zukunft wirksam bleiben“, so Ehrensberger.

? Was wird genau eingetragen? Das Datum der Verordnung, der Verordnungszeitraum (drei, fünf, sieben oder mehr Tage), wann das Antibiotikum eingenommen wird (morgens, tagsüber, abends), ob es zu den Mahlzeiten eingenommen wird oder mit Wasser, welcher Wirkstoff beziehungsweise welches Medikament verordnet wurde, welche Erkrankung vorliegt, welcher Arzt es verordnet hat und ob es Unverträglichkeiten und Allergien gibt. Wer diesen Pass pflegt, kann so auch Fachärzte darüber informieren, welche Antibiotika zu welchen Gelegenheiten er bekommen hat und wie sie gewirkt haben.

So wollen Apotheken in Castrop-Rauxel gefährliche Resistenzen mit neuem Pass verhindern

Der Antibiotika enthält alle wichtigen Angaben zur Verordnung eines Antibiotikums. © Arndt Brede

? Wie wichtig ist es, zu wissen, was es mit Antibiotika auf sich hat? „Gerade jetzt in der Erkältungszeit ist es wichtig darauf hinzuweisen: Antibiotika helfen nur gegen bakterielle Infektionen. Bei viralen Infektionen, zum Beispiel Erkältung oder Grippe, helfen sie weder schneller gesund zu werden, noch lindern sie die Symptome“, so Ehrensberger. Dann könne es stattdessen sinnvoll sein, andere Medikamente einzunehmen, zum Beispiel schmerz- und fiebersenkende Mittel oder Nasensprays.

? Kann ich mich dann quasi selbst behandeln? „In den Apotheken erfahren die Patientinnen und Patienten, ob sie ihre Beschwerden mit frei verkäuflichen Medikamenten selbst behandeln können“, erklärt Apotheker Ehrensberger. Andernfalls werde der Apotheker zu einem Arztbesuch raten. Ganz wichtig sei: „Antibiotika sollten ausschließlich nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden, und zwar so lange und in der Dosierung, wie vom Arzt vorgesehen. Dies hängt sowohl von der Art der Erkrankung als auch vom eingesetzten Antibiotikum ab.“

? Was ist, wenn ich noch Antibiotika von der letzten Erkrankung habe? Kann ich die wieder einnehmen? „Reste von Antibiotika sollten nicht aufgehoben oder von Patienten bei der nächsten Infektion auf eigene Faust eingenommen werden. Ebenso sollte niemals ein Antibiotikum genommen werden, das einer anderen Person verordnet wurde – auch nicht, wenn die Symptome ähnlich erscheinen“, betont Ehrensberger.

Lesen Sie jetzt