Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll in Zukunft nur noch digital an die Krankenkassen übermittelt werden. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Krankschreibung

Aufregung um digitale Krankschreibung: „Es ist der Wahnsinn“

Gesetzlich Versicherte müssen ihre Krankschreibung seit 1. Oktober nicht mehr an ihre Krankenkasse schicken. Wie funktioniert das bisher und was sagen Castrop-Rauxeler Ärzte dazu?

Wenn gesetzlich Krankenversicherte krank wurden, mussten sie bislang ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) an ihre Krankenkasse schicken und ihrem Arbeitgeber vorlegen. Das ist seit dem 1. Oktober anders. Seit diesem Tag übermitteln die Ärzte die AU elektronisch an die Krankenkasse.

Doch die Regelung ist nur ein Zwischenschritt. Ziel ist es, dass die AU komplett digital werden soll. Heißt: Ab dem 1. Juli 2022 soll der „gelbe Schein“ auch an den Arbeitgeber digital übermittelt werden. Dann haben Patienten mit dem Vorlegen ihrer Krankschreibung gar nichts mehr zu tun. Ärzte aber schon. Doch wie läuft dort die Umstellung?

Probleme bei einigen Krankenkassen

In der Hausarztpraxis von Dr. Dirk Feller in Castrop-Rauxel wird der digitale AU-Schein noch nicht benutzt. Bei einigen Krankenkassen gebe es technische Schwierigkeiten, sagt Praxishelferin Angela Beckmann auf Anfrage unserer Redaktion. An den technischen Voraussetzungen der Praxis scheitere es aber nicht.

Ähnliches hört man aus der Praxis von Dr. Frank Siejek. Man selbst sieht sich gut vorbereitet, bemängelt aber, die Nutzung sei noch nicht möglich, da noch nicht alle Krankenkassen ihre Computer eingerichtet hätten.

System funktioniert nicht

Dr. Edeltraud Kühle ist von der Umstellung auf den digitalen AU-Schein generell nicht überzeugt. Die Übermittlung an die Krankenkassen sei mühsam für ihre Praxis, man müsse dafür viel anklicken. Außerdem seien die Arztpraxen dafür verantwortlich, dass das System funktioniert, und müssten überprüfen, ob die Übertragung an die Krankenkassen tatsächlich geklappt hat.

Laut Dr. Kühle funktioniert das System momentan nicht, da Updates noch nicht möglich waren und diese dann auch nicht unbedingt fehlerfrei seien. „Es ist der Wahnsinn. Die Erklärungen sind in Computer-Deutsch, die kein Mensch versteht ohne weitere Erklärungen“, bemängelt sie.

Übergangsfrist bis zum 31. Dezember

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) schätzt, dass aktuell wenige Praxen in der Lage sind, elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auszustellen. Die KVWL vermutet die Ursache bei den Arztpraxen selbst und nicht bei den Krankenkassen. Ein Problem könne fehlende Soft- oder Hardware sein.

Allerdings können Arztpraxen „die vom Gesetzgeber festgelegte Übergangsfrist bis zum 31. Dezember nutzen, um die nötigen Voraussetzungen zu schaffen und das Ausstellen der elektronischen AU zu testen“, sagt KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo.

Techniker Krankenkasse ist startklar

Wie sieht es bei den Krankenkassen aus? Die Techniker Krankenkasse (TK) sei am 1. Oktober startklar gewesen, um die AU-Daten der Arztpraxen zu empfangen, erklärt ihre Sprecherin Andrea Hilberath.

Bereits Mitte August habe die TK eine E-Mail-Adresse freigeschaltet, „an die Arztpraxen die Krankmeldungen für Patienten sicher und verschlüsselt schicken können“, so Hilberath. Bei der Übermittlung der Daten soll es bei der TK keine Probleme geben, „sofern die Ärzte schon an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen sind“, ergänzt sie.

„Zentraler Baustein der Digitalisierung des Gesundheitswesens“

Auch bei der Barmer Krankenversicherung soll alles funktionieren: „Mit Blick auf die am vergangenen Freitag gestartete elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist die Barmer bestens aufgestellt. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und freuen uns, unseren Versicherten die digitale Krankmeldung anzubieten. Sie ist ein zentraler Baustein der Digitalisierung des Gesundheitswesens“, so Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer in NRW.

Bei der Barmer soll der digitale AU-Schein pro Jahr rund sieben Millionen Krankschreibungen auf Papier ersetzen.

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Freier Mitarbeiter
2002 in Bochum geboren, aufgewachsen in Dortmund, BVB-Fan. Seit dem Abitur 2020 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Immer auf der Suche nach guten Geschichten am Puls der Stadt.
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