Augen auf - direkt beim Supermarkt-Einkauf

Interview mit Ernährungsberaterin

Am Wochenende wieder kräftig zugelangt? Kein Sorge! Gesunde Ernährung ist wichtig, kleine Ausnahmen aber erlaubt, sagt Gabriele Graf, Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale NRW. In unserer Fotostrecke gibt sie Tipps für den Einkauf und klärt im Interview über Diät-Trends und kleine Snacks zwischendurch auf.

Castrop-Rauxel

, 20.04.2016, 05:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht alles, was auf unserem Teller landet, ist auch gesund. Ernährungsexpertin Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale hat sich mit uns im Supermarkt viele Produkte angesehen, und erklärt, worauf es bei einer ausgewogenen Ernährung ankommt.

Zu gutem Essen gehören aber durchaus mehr Aspekte, als der Zuckergehalt, die Kalorienzahl und die Zusatzstoffe. Es geht auch um Verpackungen, Umweltschutz und Preise. 

In unserer Fotostrecke gibt Gabriele Graf Tipps für den Einkauf.

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Das rät Ernährungsexpertin Gabriele Graf

Nicht alles, was auf unserem Teller landet, ist auch gesund. Ernährungsexpertin Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale hat sich mit uns im Supermarkt viele Produkte angesehen, und erklärt, worauf es bei einer ausgewogenen Ernährung ankommt. Zu gutem Essen gehören aber durchaus mehr Aspekte, als der Zuckergehalt, die Kalorienanzahl und die Zusatzstoffe. Es geht auch um Verpackungen, Umweltschutz und Preise. Und bei all den Regeln sei betont: Essen ist Teil unserer Kultur und soll vor allem eins – schmecken. Kleine Sünden sind daher laut Ernährungsexpertin unbedingt erlaubt.
19.04.2016
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Ernährungsexpertin Gabriele Graf von der Verbraucherzentrale NRW weiß, was gesund ist. Trotzdem sagt sie: Man darf sich auch mal was gönnen!© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Obst und Gemüse finden Kunden heute oft direkt im Eingangsbereich des Supermarkts. Gesunde Lebensmittel sollen so direkt zum Kauf verführen. "Wenn man Kinder dabei hat, kann man sie auch dort etwas aussuchen lassen. Besser als etwas aus dem Süßigkeitenregal".© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Verpackten Salat sollte man sich immer genau anschauen. Dazu ruhig auch die Verpackung umdrehen. "Auf frischen Salaten steht kein Haltbarkeitsdatum. Wenn der sich im Supermarkt nicht gut verkauft, kann er schon ein paar Tage dort liegen." Der optische Eindruck muss entscheiden, ob der Salat noch gut ist.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Auch bei Avocados ist es nicht immer einfach, auf den ersten Blick zu sehen, wie gut sie ist. Die meisten werden genussreif verkauft. "Kunden sollten aber auch sensibel sein, und nur sanft fühlen und nicht total darauf rumdrücken."© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Bei Mandarinen in Netzen ist es da schon schwieriger. Die muss man sich sehr genau ansehen, denn manchmal kann auch eine schlechte dabei sein. "Wenn Kunden zu Hause feststellen, dass das Obst oder Gemüse verdorben ist, sollten sie die Ware im Supermarkt reklamieren. Das ist in der Regel auch kein Problem."© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Erdbeeren gibt es momentan nicht aus Deutschland. "Bei Erdbeeren sollte man lieber auf die Deutschen warten, auch wenn man nicht weiß, wie teuer sie dieses Jahr werden. Die sind aromatischer und auch nicht so fest von der Konsistenz." Die spanischen Erdbeeren wie hier für 1,99 Euro sind auf jeden Fall eingeflogen, da es sich um sensibles Obst handelt.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Kolhrabi ist super, wenn die Blätter noch frisch sind, kann man die auch mit zubereiten.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Viele Äpfel stammen nicht aus Deutschland, sondern beispielsweise aus Belgien und den Niederlanden. Welcher Apfel der beste ist, ist Geschmackssache.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Bei Paprika ist auch der optische Eindruck entscheidend für den Kauf.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Brot aus dem Supermarkt ist nicht unbedingt schlechter als das vom Bäcker. Die Unterschiede sind rein geschmacklicher Natur, Qualität und Inhaltsstoffe sind gleich. Der Unterschied ist also häufig nur ein gefühlter. "Auch hier gilt es, auf die Nährwertangaben zu achten. Je mehr Ballaststoffe ein Brot enthält, desto gesünder ist es. Denn wir essen häufig zu wenig davon. Vorteile bei abgepacktem Brot: erkennbares Mindesthaltbarkeitsdatum und gute Kennzeichnung für Allergiker.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Beim verpackten Brot können Verbraucher an den Nährwertangaben genau erkennen, wie gesund das Brot ist. Dabei gilt: Je mehr Ballaststoffe, desto besser. Und Vollkornmehl ist auch immer die bessere Alternative zum Weizenmehl.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Dosenobst sollte nur für "Notfälle" im Vorratsschrank stehen. Da es zusätzlich zum Fruchtzucker noch ordentlich gezuckert ist, ist es eine echte Kalorienbombe. Besser: Frisches Obst essen.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Auch Ketchup ist eine echte Zuckerbombe. "Natürlich kann man sich zur Bratwurst aber auch mal ein bisschen davon gönnen. Die Wurst muss ja nicht in der Sauce schwimmen und den täglichen Konsum von Ketchup empfehle ich aber auch nicht."© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Die Ernährungsberaterin rät bei Eiern in jedem Fall zu Bio-Eiern. "Eine große Auswahl wäre da wünschenswert. Denn die Haltung von Hühnern ist ja schon lange problematisch."© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Das Angebot ist groß, doch die meisten Fix-Tütchen ähneln sich in Zusammensetzung und Geschmack doch sehr. Da Glutamat mittlerweile verpönt ist, nutzen viele Hersteller Hefeextrakt, das ist aber im Grunde das Gleiche. Wenn man selbst mit Gewürzen experimentiert, kann man auf die Fertigprodukte verzichten. Das ist viek günstiger und hat nicht den standardisierten Geschmack.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Verbraucher können genauere Preisangaben dem Grundpreis entnehmen. Der muss immer mit angegeben sein. So lassen sich Preise leichter vergleichen. Den Grundpreis der einen Kaffeesorte pro 1 Kilogramm und den der anderen Sorte pro 100 Gramm anzugeben, sei aber erlaubt. Dann muss der Kunde etwas rechnen.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Auch bei Trinkschokolade ist Vorsicht geboten. Die besteht zum Großteil aus Zucker. Besonders verwirrend: Maltodextrin schmeckt zwar weniger süß, enthält aber die gleiche Kalorienmenge wie gewöhnlicher Zucker. Beim Blick auf die Nährwertangaben ist dann vielleicht weniger Zucker angegeben, gesünder ist das Produkt jedoch nicht.© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
"Pulver für Pfannkuchenteig, das noch mit Milch versetzt werden muss, halte ich für ziemlich überflüssig. Der besteht eh nur aus den üblichen Zutaten, die man zu Hause hat, wie Mehl, Eier und Milch. Wenn man das selbst zusammenrührt, ist das günstiger und spart die Plastikverpackung."© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
Gegen Tiefkühlgemüse ist grundsätzlich nichts einzuwenden. "Man sollte nur nicht auf Rahmgemüse zurückgreifen. Die haben oft viele Kalorien und wenn man das Gemüse selbst zubereitet, hat man mehr Einfluss auf Geschmack und Kalorien."© Foto: Ann-Kathrin Gumpert
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"Am Wochenende habe ich ordentlich zugeschlagen. Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben?

Wenn man mal einen Tag sündigt, ist das nicht schlimm. Wenn ich bei meiner Ernährung sonst darauf achte, viel frisches Obst und Gemüse zu mir zu nehmen, ist ein Ausreißer kein Problem. Davon nimmt man auch nicht zu. Und man soll die Feiertage ja auch genießen.

Wovon nimmt man denn zu?

Das Problem sind vor allem die Snacks zwischendurch. Die sollte man nicht unterschätzen. Denn häufig kann man nicht abschätzen, wie viel Energie darin steckt und somit wie viele Kalorien.

Welche Produkte können das sein?

Wenn ich viel unterwegs bin, sind das zum Beispiel Kaffeezubereitungen. Die sind häufig mit Sirup oder Milch zubereitet und sind dadurch kleine Sünden zwischendurch. Das verbuchen die meisten aber nicht unter Kalorienzufuhr. Auch bei Salaten, die es unterwegs zu kaufen gibt, muss ich aufpassen, was ich zu mir nehme. Da denkt man häufig, man nimmt etwas Gesundes zu sich, das ist aber nicht immer der Fall. Denn häufig ist das fertige Dressing sehr reichhaltig.

Also lieber unterwegs auf Snacks verzichten?

Ich muss mir das zunächst bewusst machen und mich fragen, ob ich ständig zwischendurch snacken muss oder ob ich eine feste Nahrungsstruktur habe, die gesünder ist. Zwischen den Mahlzeiten sollte ja auch ein gewisser Abstand liegen, damit ich die Energie, die ich zu mir genommen habe, auch verbrauchen kann.

Was halten Sie von Ernährungstrends und Diäten wie Paleo, Low Carb und Co.?

In vielen Trends stecken richtige Ansätze. Wenn eine Diät aber als Glaubensrichtung genutzt wird, sehe ich das kritisch. Letztendlich geht es immer darum, reichlich frisches Obst und Gemüse und möglichst naturbelassene Produkte zu essen. Und zu einer gesunden Ernährung gehört auch immer ausreichend Bewegung. Es ist nicht falsch, wenn man sich einem dieser Trends anschließt, er sollte nur möglichst alltagstauglich sein.

Apropos Alltag: Häufig fehlt ja die Zeit, um frisch und gesund zu kochen.

Keine Zeit lasse ich nicht gelten. Man sollte dem Thema Ernährung schon eine gewisse Zeit und Relevanz einräumen. Wenn ich morgens nicht frühstücke und nur einen Kaffee mitnehme geht das schnell, aber wie ist der Start in den Tag dann? Zehn Minuten eher aufstehen und vielleicht ein bisschen Gemüse schnippeln sollten bei jedem drin sein. Gute Ernährung ist eine wichtige Grundlage, um auf der Arbeit leistungsfähig zu sein.

Also muss ich mir auch nicht immer alles verkneifen?

Nein, man kann sich auch mal was gönnen. Vor allem wenn man in Gesellschaft ist. Denn Essen ist ein Teil unserer Kultur. Da sollte man sich nicht kasteien und ausschließen. Und an allen Ecken und Enden an Fett zu sparen, ist auch nicht sinnvoll. Es ist wie bei vielen Sachen: Die Menge macht‘s.

Was sind denn besonders ungesunde Dinge, die man leicht vermeiden kann?

Fertiggerichte sollte man so gut es geht vermeiden oder beim Kauf unbedingt auf die Nährwertangaben achten. Beim Tiefkühlgemüse sollte man nicht die Rahmgemüsemischung nehmen, sondern nur das reine Gemüse. Denn das fertige Rahmgemüse enthält häufig zu viel Fett und zu viel Zucker. Und wenn ich etwas mit Käse überbacken will, muss es ja nicht immer so viel Käse sein. Ich kann auch weniger nehmen, als im Rezept angegeben.

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