Die Extended GmbH im Erin-Park ist eine Tochtergesellschaft der BlueBox GmbH. Sie programmiert und entwickelt Anwendungen und Darstellung in Virtual, Augmented und Extended Reality. © Tobias Weckenbrock
Im Erinpark entwickelt

Aus Castrop-Rauxel: Eisbär und Elefant für Roncalli millionenfach geklickt

Aus Castrop-Rauxel kommen ein Eisbär und ein Zirkus-Elefant, die die ganze Welt erobert haben. Programmiert wurden sie im Erin-Park. Programmiert? Ja: Es handelt sich um virtuelle Tiere im Circus Roncalli.

Wer im Internet nach „Elefant Roncalli“ sucht, der findet Dutzende Medienberichte über dieses Tier, das nur digital existiert. Man stößt auf Videos, die millionenfach gesehen wurden. Erst recht, wenn man in englischer Sprache verschiedene Suchbegriffe eingibt.

Der Elefant aus dem Circus Roncalli, der in der Nachbarstadt Recklinghausen seinen Stammsitz hat, stammt aus der Schmiede der Extended GmbH, einer Firma aus dem Mutterhaus BlueBox im Erin-Park.

Das Hologramm des Tieres ist Teil einer etwa fünfminütigen Show, die im Zirkus über eine Netzleinwand und viele Beamer in die Manege projiziert wird. Eltern, Kinder, Großeltern: Sie alle staunen, wenn sie die Magie dieser Darstellung erleben.

Bei all dem weltweiten Medienecho: Welche Firma und welche Technik dahinter steckt, weiß kaum jemand. Die Extended GmbH ist selbst den Menschen in Castrop-Rauxel kein Name. Sie entwickelt digitale Anwendungen für Kunden, die vor allem an Lösungen im Bereich „Augmented Reality“, „Virtual Reality“ und „Extended Reality“ interessiert sind. 3D-Darstellungen, die im Computer entwickelt und dann in zum Teil atemberaubender Größe und Liebe zum Detail gezeigt werden, sind Teil des Portfolios.

Bekannt als BlueBox und BlackBox ist dieser Unternehmensstandort im Erin-Park in Castrop, der heute Sitz der Firma Extended ist, die Teil der Gesellschaft BlueBox ist.
Bekannt als BlueBox und BlackBox ist dieser Unternehmensstandort im Erin-Park in Castrop, der heute Sitz der Firma Extended ist, die Teil der Gesellschaft BlueBox ist. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Geschäftsführer ist Jan-Hendrik Berger (39), der täglich von Meerbusch etwas über eine Stunde Fahrzeit in Kauf nimmt, um in der BlackBox, dem großen Studio der Firma BlueBox, mit den Kunden und für die Kunden zu arbeiten. „Was kann man anders machen als andere Medienagenturen?“, erklärt er die Philosophie der Firma, die er seit etwa einem Jahr führt.

BlueBox-Gründer Birger Wunderlich hatte sie ins Leben gerufen, wohnt aber inzwischen als Gesellschafter nicht mehr in Castrop-Rauxel, sondern in einer Blockhütte in Schweden und hat sich aus dem laufenden Geschäftsbetrieb zurückgezogen.

Die Pandemie schrumpfte die Firma

Die Extended hat derzeit zehn Mitarbeiter. Sie schrumpfte durch ein deutlich geringeres Auftragsvolumen in der Pandemie im Umsatz und im Personalbesatz. „Aber wir haben es anders als andere Event- und Medienagenturen geschafft“, sagt Berger. Die Kunden hätten inzwischen Ideen für 2022, auch wenn sie sich zurzeit noch nicht alle wieder richtig trauen würden, viel Geld für gute Kampagnen auszugeben. „Wir hatten mit mehreren Standbeinen eine etwas bessere Situation.“

Das Unternehmen ist Teil eines Netzwerks, das sich „Smart Region Emscher-Lippe“ nennt: Die zehn Städte des Kreises Recklinghausen, Gelsenkirchen und Bottrop sind hier zusammengeschlossen, um für den Standort für besondere Unternehmen gerade im Bereich Digitalisierung zu werben.

Natalie Schulz, Mitarbeiterin des Netzwerks, sagt: „Es braucht einen zentralen Player, der einen Überblick hat: Wenn in der Nachbarschaft eine Firma 3D-Drucker hat, kann eine andere auf diese Dienstleistung zurückgreifen – besser, als wenn sie sie irgendwo anders in der Welt bestellt.“

Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja unterstreicht das: „An einem Stand auf der ExpoReal oder bei anderen Auftritten, wo wir uns mit Leuten unterhalten, die Gewerbeflächen suchen, hat mich noch nie jemand danach gefragt, wie hoch der Gewerbesteuersatz ist oder ob es freie Flächen gibt, sondern nach den Netzwerken in der Stadt.“ Das sei einer der wichtigsten Standortfaktoren.

Jan-Hendrik Berger leitet die Extended GmbH, die Techniken wie Gestensteuerung und digitale 3D-Darstellungen miteinander mixen kann.
Jan-Hendrik Berger leitet die Extended GmbH, die Techniken wie Gestensteuerung und digitale 3D-Darstellungen miteinander mixen kann. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Auch für Extended, bestätigt Geschäftsführer Berger: Zwar arbeite man für Kunden in aller Welt, aber mit der Firma Stage Kinetik aus dem Mittelstandspark Ost / Deininghauser Weg habe man zusammen ein noch größeres Projekt gestemmt als den Elefanten für Circus Roncalli. Inzwischen gibt es in einem Zoo in Frankreich, dem Zoo d’Amneville, eine Holografie-Show, die 25 Minuten dauert. Extended baute die digitalen Bestandteile, Stage Kinetik die greifbaren.

25-Minuten-Weltreise in 3D

Gemeinsam ist daraus eine 25-minütige Weltreise geworden, projiziert von 34 Beamern auf eine 30 mal 10 Meter große Fläche. Zu sehen sind die Raumstation ISS, Astronauten, Tiger in Indien, Luchs und Schnecke in ihren Lebensräumen in Europa, die Arktis mit dem Eisbären und dem Wal in lebensgroß, der den Betrachtern praktisch aus dem Wasser heraus ins Gesicht springt. Atemberaubend. Und aus Castrop-Rauxel.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen der Medienwelt seit der Jahrtausendwende.
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Tobias Weckenbrock

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