Kurz bevor ihr Auto brannte: Traf Michaela Böttcher drei Brandstifter?

rnKleingarten-Parkplatz

Wer tut so etwas? Als Michaela Böttcher ihr Auto von weitem sah, traute sie ihren Augen nicht: Es brannte. Kurz vor dem Feuer war sie nachts drei „Typen“ begegnet. Wurden sie zu Brandstiftern?

Merklinde, Bövinghausen

, 31.08.2020, 16:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Wetter am Wochenende war freundlicher als erwartet. Darum hielt sich Michaela Böttcher gern in ihrer Kleingarten-Parzelle auf dem Lohfeld in Merklinde auf. Sie war mit Nachbarn zum Gespräch verabredet. Es ging lange, es wurde getrunken, bis tief in die Nacht. Und dann das: Es war gegen 3 Uhr am Sonntag, als sie sahen, dass auf einer Nachbarparzelle eine Laube in Flammen stand. Sie wusste da noch nicht, dass das Drama sie selbst betreffen sollte.

Michaela Böttcher ist seit rund zehn Jahren in der Kleingartenanlage in Merklinde. Sie liebt ihren Garten dort und ist gern hier. Wenn sie allein ist, hat sie allerdings immer den Hund dabei.

Michaela Böttcher ist seit rund zehn Jahren in der Kleingartenanlage in Merklinde. Sie liebt ihren Garten dort und ist gern hier. Wenn sie allein ist, hat sie allerdings immer den Hund dabei. © Böttcher

Wenig später sah sie die Feuerwehr bei der Arbeit. Auch auf dem Parkplatz. Dort brannte ein Auto. Ihr Auto, ein drei Jahre alter Fiat Tipo, für den sie 20.000 Euro gespart hatte. „Es war das erste Mal, dass ich es geschafft hatte, mir ein neues Auto zu kaufen“, erzählt Michaela Böttcher später unserer Redaktion. „Die Versicherung sagte, dass der Restwert vor dem Brand bemessen werde...“

„Ich verstehe die Menschen nicht“, schrieb die Bövinghausenerin, die auf der Stadtgrenze zu Merklinde wohnt, am Sonntag bei Facebook. Sie lud in die Gruppe „Du bist Castroper, wenn...“ ein Foto ihres abgebrannten Autos hoch. Es ist ein Lenkrad zu erkennen, abgefackelt, so wie der ganze Rest des Innenraums. Nur Asche ist zu sehen, alles verkohlt. Totalschaden.

„Ich hoffe, dieses Pack wird hart bestraft“

„Warum vergreift man sich an fremden Eigentum?“, fragt sie in ihrem Posting. Auch die Gartenlaube sei angezündet worden. „Ich hoffe, dieses Pack wird gefunden und hart bestraft.“ Worte, die man von ihr sonst nicht gewohnt ist.

Für Michaela Böttcher ist am Wochenende ein bisschen eine Welt zusammengebrochen. Sie fand ihr Auto auf dem Parkplatz des Kleingartenvereins auf dem Lohfeld ausgebrannt vor.

Für Michaela Böttcher ist am Wochenende ein bisschen eine Welt zusammengebrochen. Sie fand ihr Auto auf dem Parkplatz des Kleingartenvereins auf dem Lohfeld ausgebrannt vor. © Böttcher

Sofort sind Kommentare der Solidarität zu lesen. Es gibt Ratschläge, was sie tun sollte, und Hilfsangebote. Einer bietet Michaela Böttcher an, ihr sein zweites Auto zu leihen. „Ich kenne dich zwar nicht, aber wenn Adil und du euch so gut kennt, habe ich kein Problem damit“, kommentiert Mesut Akiska mitten in den Diskussionsstrang hinein. Ein Bekannter eines Bekannten...

Am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion rekonstruierte Michaela Böttcher das Geschehen der Brand-Nacht genauer: Gegen 2 Uhr sei sie noch mal kurz zu ihrem Auto gegangen. Da habe sie drei Typen zwischen 20 und 25 Jahren gesehen. „Die wollten wohl in die Anlage, aber ich habe ihnen gesagt, sie sollten abhauen“, erzählt die Frau, die jahrelang im Vorstand des Kleingartenvereins mitarbeitete.

Als sie etwa eine Stunde später wieder raus kam, „da war der Himmel schon orange“.

Eine der kleinen Kleingarten-Anlagen

Die Anlage hat nur 23 Parzellen, ist eine der kleinsten in Castrop-Rauxel. Jedes Jahr gebe es hier Einbrüche, eingeschlagene Türen und Fenster. „Ich habe mich dort aber nie unsicher gefühlt“, so Böttcher, die immer ihren Hund dabei habe, auch wenn sie in der Laube schlafe. Seit zehn Jahren gehe sie ein und aus.

Nicht mehr zu gebrauchen, der Wagen. Die Versicherung habe angekündigt, den Restwert des Autos vor dem Brand zu bemessen.

Nicht mehr zu gebrauchen, der Wagen. Die Versicherung habe angekündigt, den Restwert des Autos vor dem Brand zu bemessen. © Böttcher

Noch in der Nacht gab sie alle Infos an die Polizei, die den Einsatz für 3.18 Uhr vermerkt hat. Eine Laube, ein Roller, ein Pkw abgebrannt. Sachschaden 30.000 Euro. Zeugenhinweise, so Sprecherin Ramona Hörst am Montagnachmittag, lägen noch keine vor. Aber Strafanzeige wegen Sachbeschädigung oder Brandstiftung sei gestellt. Den Rest müssten die weiteren Ermittlungen zeigen. Immerhin: Verletzte gab es nicht. Auch nicht in der ausgebrannten Laube.

Am Sonntagabend postete Michaela Böttcher bei Facebook. „Ich war so sauer. Ich wollte schauen, ob irgendjemand etwas gesehen hat.“ Sie selbst sei hilfsbereit. Und freut sich nun über Hilfsangebote: „Da sieht man, dass das, was man selbst getan hat, dazu führt, dass auch andere Leute helfen. Die Kommentare haben mich wieder aufgebaut.“

„Da macht mich so eine Tat nur noch mehr fertig“

Sie sei „der festen Überzeugung, dass die Menschen lernen müssen, dass man zusammenhalten muss – gerade in solchen Zeiten“. Den Menschen gehe es schlecht genug, „da macht mich so eine Tat nur noch mehr fertig!“ Sie selbst habe noch nie jemandem etwas zuleide getan. „Und dann sowas. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht.“

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