Autokratzer durch verdeckte Ermittlung gestellt

Gericht

Im vergangenen Jahr wurde in der Stadt an zahlreichen Autos der Lack zerkratzt. Bei einer verdeckten Ermittlung wurde ein Mann erwischt, der musste sich jetzt vor Gericht verantworten.

Castrop-Rauxel

, 27.12.2019, 19:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein verdeckter Ermittler kam einem Autokratzer in Castrop-Rauxel auf die Spur.

Ein verdeckter Ermittler kam einem Autokratzer in Castrop-Rauxel auf die Spur. © picture alliance/dpa

Im vergangenen Jahr hatten viele Castrop-Rauxeler Autobesitzer Angst um ihre Fahrzeuge. Einige Dutzend waren beschädigt worden, hatten dicke Kratzer im Lack. Vom Täter keine Spur.

Grund für eine verdeckte Ermittlung am Altstadtring und Umgebung im Oktober 2018. In einem der Zivilfahrzeuge, die unauffällig geparkt waren, saß ein 57-jährige Kriminalhauptkommissar aus Recklinghausen.

Kripo in Zivil

„Ich hörte plötzlich Kratzgeräusche, sah einen Mann mit einem Schlüssel in der Hand“, erinnert sich der Zeuge. Ein weiteres Fahrzeug wurde ebenso beschädigt, danach sei der Täter von einem seiner Kollegen aufgehalten worden. In der linken Hand noch immer das Tatwerkzeug, den Schlüssel. Die rechte Hand in der Hosentasche, nach einem Messer greifend.

Wenn sich die Männer nicht als Polizei ausgewiesen hätten, hätte er sie angegriffen, soll der 38-Jährige später gesagt haben. Auf der Anklagebank schwieg er jetzt. Weil er sich an gar nichts erinnern könne.

Sein Verteidiger gab einige kurze Einblicke in die Situation seines Mandanten. Ein stetes Auf und Ab im Leben, immense Schulden und – vor allem – psychische Probleme.

So bescheinigen ärztliche Atteste eine paranoide Schizophrenie und halluzinatorische Psychosen, ausgelöst vermutlich durch Kokain, konsumiert über rund zehn Jahre.

Mehrfach in Psychiatrie

Erst zwei Wochen, bevor er erwischt wurde, hatte sich der Angeklagte selbst aus einem Psychiatrischen Krankenhaus entlassen. Im Evk, wohin er nach der Festnahme gebracht wurde, blieb er gerade mal einen Tag. Kam aber zwei Wochen später zurück und blieb einige Wochen. Weil die Familie befürchtete, er könne sich und anderen etwas antun.

Dieses Krankheitsbild gab den Ausschlag: Der Angeklagte wurde als vermindert schuldfähig eingestuft, was für die Urteilsfindung entscheidend ist.

Derzeit scheint der Zustand des 38-Jährigen stabil. Er hat seit kurzem einen Job als Lagerarbeiter und damit einen geregelten Tagesablauf. So bat der verteidigende Anwalt auch um eine milde Strafe.

Milde Strafe

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe über 60 Tagessätze zu je 10 Euro gefordert. Der Richter griff die Summe in seinem Urteil auf, verhängte die Geldstrafe jedoch zur Bewährung. Das heißt, dass der 38-Jährige den Betrag nicht zahlen muss, wenn er sich innerhalb von zwei Jahren nichts zu schulden kommen lässt.

Ob der Angeklagte im vergangenen Jahr auch weitere der zahlreichen festgestellten Lackbeschädigungen begangen hat, konnte nicht nachgewiesen werden. Daher nur die beiden Anklagepunkte aus der verdeckten Ermittlung.

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