Bäckerei-Filiale schließt und hinterlässt große Lücke im Stadtteil

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Die Bäckerei Sondermann schließt ihre Filiale in Castrop-Rauxel, zu der auch ein Café gehört. Anders als in anderen Stadtteilen gibt es hier für Kunden keine guten Alternativen.

Habinghorst

, 11.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tische und Stühle sind schon seit Anfang November zur Seite geräumt. Das Café der Bäckereifiliale Sondermann musste wegen der Corona-Bestimmungen schließen. Am Monatsende ist endgültig Schluss. Dann gehen auch keine Brötchen, keine Tortenstückchen mehr über die Theke. Daran ist allerdings nicht die Coronakrise schuld.

Die Stammkunden wissen bereits über die Schließung Bescheid. Sie sind traurig und sauer. Denn mit der Bäckerei, der dem Penny-Markt an der Langen Straße angegliedert ist, geht Habinghorst eine weitere wichtige Anlaufstelle verloren.

Während im benachbarten Ickern gleich mehrere Bäcker ihre Waren anbieten, ist Habinghorst nicht so gut aufgestellt. „Da müssen wir wohl zum Real oder nach Ickern“, diskutieren Kunden, während sie warten. Und das ist ihnen eigentlich zu weit.

Günter Steinhaus ist einer der Stammkunden, die fast täglich vorbeischauen. „Was willst du?“, fragt ihn Verkäuferin Gabi Wüstefeld. „Nichts“, antwortet er, „ich wollte nur mal Hallo sagen.“ Die gelernte Lebensmittelverkäuferin, die seit sieben Jahren in der Bäckerei hinter der Theke steht, lacht. „In den Jahren sind auch Freundschaften entstanden.“ Normalerweise, so erzählen Gabi Wüstefeld und Günter Steinhaus, säßen sie jetzt an einem der Tische und würden einen Kaffee trinken.

Auch die Geldinstitute haben ihr Angebot in Habinghorst begrenzt

Seit 20 Jahren kommt er fast täglich. Und jetzt? „Da muss ich mir wohl ein anderes Hobby suchen“, sagt er und lacht. Dann wird er noch mal ernst. „Mit uns kann man es machen. Mit den Banken hier ist es ganz dasselbe. Denen ist es egal, was mit den alten Menschen passiert.“ In Habinghorst gibt es seit Ende September keine Volksbank mehr und nur noch eine Sparkassen-SB-Station.

„Morgens sitzen hier immer sechs bis acht Rentner bei ihrem Stammtisch“, erzählt Gabi Wüstefeld. Dann kommen die Kinder auf dem Weg zur Schule vorbei. Und wer seine Einkäufe im Penny erledigt hat, kauft auch schnell bei ihr ein. „90 Prozent der Kunden kenne ich“, sagt sie.

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Auch Sonja Heinemann kommt immer wieder zu Fuß von Henrichenburg zur Langen Straße. „Ich sitze hier gerne, trinke ein Käffchen und sehe die Leute vorbeigehen, quatsche mit anderen“, sagt die Seniorin. „Das werde ich vermissen.“ Sie kauft diesmal zwei Stücke Zitronenrolle – leider nur zum Mitnehmen.

„Schließung ist ganz normales operatives Geschäft“

Wo anderswo Bäckereifilialen fast in Sichtweite sind, ist die Bäckerei Sondermann an der Langen Straße allein. Der Konkurrenzdruck kann es also eigentlich nicht sein, der die Bäckerei Sondermann zu dem Entschluss brachte. Und die Corona-Situation auch nicht. „Das ist ganz normales operatives Geschäft“, informiert Thomas Schulz als Sprecher von Sondermann Brot, das in Drolshagen ansässig ist.

Das Geschäft sei schon im Januar gekündigt worden. Das Unternehmen schaue regelmäßig auf seine Filialen, das betreffe im Jahr etwa 20, so Schulz weiter. Wenn Mietverträge auslaufen oder der Umsatz nicht stimme, könne es beispielsweise zur Aufgabe von Filialen kommen.

Sondermann Brot hat Hälfte von 100 Filialen aufgegeben

Generell hat sich Sondermann Brot neu aufgestellt. Schon 2018 wurde für die Hälfte der Tochtergesellschaften Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren gestellt, heißt es in einer Pressemitteilung vom September 2020. Da wurden die Folgen dieser Insolvenz sichtbar. Seit Oktober 2020 betreibt Sondermann Brot noch gut 50 von 100 Filialen. Die Castrop-Rauxeler stand da noch auf der Liste der geöffneten Filialen.

Doch jetzt ist Schluss. Bis Ende des Monats ist die Bäckerei schon nur bis 14 Uhr geöffnet. Für Gabi Wüstefeld geht es weiter. Wie ihre Kollegin, die bereits gewechselt hat, kann sie in einer anderen Filiale arbeiten. Am liebsten bliebe sie. „Wenn hier ein neuer Bäcker reinkäme, das wäre das Beste für Habinghorst“, sagt Günter Steinhaus. Das sieht Gabi Wüstefeld genauso.

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