Barschließung wegen Coronavirus: Auswanderer Holger Bombien warnt vor der Ausgangssperre

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Erst Ice-Rolls, dann Burger, nun eine Bar: Die Castrop-Rauxeler Holger und Juliette Bombien leben ihren Traum auf Mallorca. Doch das Coronavirus bedroht ihre Existenz auf der Insel.

Castrop-Rauxel

, 22.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sollte die Erfüllung eines großen Traums auf Mallorca werden: Die Castrop-Rauxeler Holger (54) und Juliette Bombien (33/vormals Schliwa) planten die Eröffnung einer eigenen Bar auf der spanischen Insel - nachdem sie zuvor bereits erfolgreich einen Ice-Rolls-Laden und ein Burger-Geschäft geleitet hatten.

Bei Juliette & Holger“ heißt die Bar im Ort Paguera. „Wir zeigen Fußball, es gibt Getränke und kleine Snacks“, sagt Holger Bombien. Den ganzen Winter über renovierte das Paar die Bar. „Wir haben auch Werbung geschaltet. Insgesamt haben wir viel Geld und Zeit investiert“, so der 54-Jährige.

Bar öffnet für einen Tag, dann wird die Schließung angeordnet

Am Freitag, 13. März, folgte die Eröffnung, die laut Holger Bombien ein voller Erfolg war. Einen Tag später war alles vorbei: Die spanische Regierung schloss via Erlass alle Bars und Gastronomien, ab Sonntag, 15. März, trat eine Ausgangssperre in Kraft.

„Das ist für uns der Mega-Gau. Wir sind mit dem Laden All-in gegangen“, sagt Holger Bombien. Touristen mussten die Insel verlassen, er schloss sich vor Beginn der Ausgangssperre an. „In Deutschland kann ich arbeiten, auf Mallorca nicht. Für den Mai ist alles gut, aber wenn wir im Juni keine Einnahmen mit der Bar haben, wird es sehr schwierig“, so der Castrop-Rauxeler.

Fortan arbeitet Bombien bei seinem alten Arbeitgeber Gammatest in Ickern. „Ich habe das Glück, dass ich in meinen alten Job wieder einsteigen konnte“, sagt der 54-Jährige. Juliette Bombien blieb auf Mallorca, um sich um Angelegenheiten rund um die Bar zu kümmern.

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Während Bayern am Freitag als erstes Bundesland in Deutschland eine Ausgangssperre beschlossen hat, gibt es diese auf Mallorca seit dem 15. März - mit scharfen Maßnahmen, wie Holger Bombien berichtet.

„Man ist sehr froh über die paar Minuten, die man zum Supermarkt läuft und dort in der Warteschlange steht. Ansonsten muss man die Zeit in der eigenen Wohnung verbringen“, so Bombien.

So drastisch wird die Ausgangssperre auf Mallorca ausgelegt

Wege dürften nur zu Fuß erledigt werden, nur in Ausnahmefällen dürfte das Auto benutzt werden - und dann auch nur alleine. „Unsere Freunde auf Mallorca drehen in den eigenen vier Wänden durch. Wird man auf der Straße erwischt und hat dafür keine triftigen Grund, wird es richtig teuer“, sagt Holger Bombien, der von Strafen zwischen 600 und 3000 Euro spricht. Das liege im Ermessen der Polizei.

Das Lokal von Juliette und Holger Bombien in Paguera, hier noch mit der alten Beschriftung am Gebäude.

Das Lokal von Juliette und Holger Bombien in Paguera, hier noch mit der alten Beschriftung am Gebäude. © Holger Bombien

Spaziergänge seien nicht erlaubt, auch nicht mit dem Hund. Lediglich in einem Radius von 50 Metern vor der eigenen Haustür dürften sich Hundebesitzer mit dem Tier bewegen. „Die Polizei kontrolliert die ganze Insel mit Drohnen. Die Polizisten sind mit Motorrädern in zwei Minuten bei dir“, so Bombien.

Der Weg zum Supermarkt müsse auf direktem Wege erfolgen. „Wenn du an einem Ort angehalten wirst, der zu deinem direkten Weg zum Supermarkt nicht passt, zahlst du“, sagt Holger Bombien.

Holger Bombien setzt alle seine Hoffnungen auf die Sommerferien

Aktuell wohnt der 54-Jährige in der Wohnung seines Sohnes Florian. Wann er nach Mallorca zurückkehrt, hängt auch von der Länge der Ausgangssperre ab. Bislang gilt diese bis Anfang April, laut Holger Bombien solle sie aber wohl um zwei weitere Wochen verlängert werden.

„Ich hoffe, dass ab den Sommerferien wieder Touristen kommen dürfen und dass es im September und Oktober nochmal ordentlich boomt“, sagt Holger Bombien, der anfügt: „Ansonsten muss ich im Winter wieder zurückkommen und hier arbeiten. Was ich eigentlich ja nicht mehr will.“

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Denn die Bars auf Mallorca seien vom Tourismus abhängig, ohne gehe es nicht. Holger Bombien sagt: „Du arbeitet sechs bis acht Monate und im Winter lebst du vom Ersparten und von einer Sozialhilfe, die gibt es aber nur vier Monate lang. Viele bangen jetzt um ihre Existenz - wir auch.“

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