Bauern-Demo in Bonn: Castrop-Rauxeler Landwirt war mit seinem Trecker dabei

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Überall in Deutschland streiken die Landwirte - gegen das Agrarpaket und „Bauern-Bashing“. Auch Schweriner Bauer Jan Kremerskothen ärgern die Vorwürfe und „Knebelauflagen“ - er wehrt sich.

Schwerin

, 22.10.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit der Nacht zu Dienstag sind überall in Deutschland Trecker unterwegs. Tausende Landwirte demonstrieren in 17 Städten gegen zu harte Düngeregeln und das Agrarpaket der Bundesregierung. Auch gegen „Bauern-Bashing“ wehren sie sich: Demnach wird gerade Landwirtschaftsbetrieben der schwarze Peter in Sachen Umweltverschmutzung und Tiersterben zugeschoben. Initiator der Proteste ist das Netzwerk „Land schafft Verbindung“, ein privater und verbandsneutralen Zusammenschluss von über 40.000 Landwirten.

Die größte Demo fand in Bonn auf dem Münsterplatz statt. Auch der Schweriner Landwirt Jan Kremerskothen war mit dabei. Losgefahren ist er um 4 Uhr morgens mit anderen Landwirten aus Waltrop und Bochum. Startpunkt war Castrop-Rauxel.

Bauern-Demo in Bonn: Castrop-Rauxeler Landwirt war mit seinem Trecker dabei

Jan Kremerskothen (4. von l. hinten) mit seinem Konvoi. © Jan Kremerskothen

Daumen hoch für die Trecker

„Über Land haben wir uns nach Bonn aufgemacht, und waren etwa um 8 Uhr da“, erklärt Kremerskothen. Denn über die Autobahn durften die Schwergewichte nicht. Stattdessen sperrten die Trecker in dem Konvoi abwechselnd Kreuzungen und Kreisverkehre, um die Trecker-Gruppe nicht auseinanderzureißen.

„Das hat mich sehr verwundert: Sicher 90 Prozent der Autofahrer waren verständnisvoll, haben gewunken und den Daumen hochgestreckt“, freut sich Kremerskothen. Und auf diese Unterstützung setzen die Landwirte in ihrem Protest gegen das Agrarpaket der Bundesregierung.

Bauern-Demo in Bonn: Castrop-Rauxeler Landwirt war mit seinem Trecker dabei

In Bonn legten die Schwergewichte die Straßen lahm. © Jan Kremerskothen

Der Buhmann der Nation

Dieses beinhaltet ein Aktionsprogramm für den besseren Schutz von Insekten, dem staatlichen Tierwohllabel und einer stärkeren Umschichtung von EU-Geldern. Umweltmaßnahmen zum Insektenschutz gehen Hand in Hand mit dem eingeschränkten Einsatz von Pestiziden und dem Verbot des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das bis zum 31. Dezember 2023 verboten sein soll.

„Wir sind der Buhmann der Nation“, ärgert sich Kremerskothen. „Die Politik versucht, uns zu knebeln und überhäuft uns mit immer mehr Auflagen, die wir nicht erfüllen können.“ Das eigentliche Ziel, kleine Familienbetriebe zu unterstützen, habe die Politik dabei vollkommen aus den Augen verloren. „Sie erreichen mit ihrer Politik das absolute Gegenteil“, sagt Kremerskothen.

Bauern-Demo in Bonn: Castrop-Rauxeler Landwirt war mit seinem Trecker dabei

Zum Münsterplatz in Bonn kamen nur ein Teil der wütenden Landwirte - viele steckten um Bonn herum im Verkehr fest. © Jan Kremerskothen

Insektensterben und Nitratbelastung

Daher gehört Kremerskothen zu den vielen Landwirten, die am Dienstag den Verkehr rund um Bonn mit ihren Treckern komplett lahmgelegt haben. Seinen Trecker ließ der Landwirt auf der Rheinbrücke zurück, um sich zu Fuß bis zum Münsterplatz weiterzuschlagen – und schätzt, dass mit ihm bis zu 2.000 andere Bauern in Bonn streikten.

„Uns wird das Insektensterben vorgeworfen“, erklärt Kremerskothen weiter. „Und klar, wir tragen sicher eine Teilschuld. Aber überall werden Grünflächen zugepflastert, auch hier finden Insekten und Vögel keine Nahrung mehr.“ Weiterhin würde den Landwirten vorgeworfen, Schuld an dem hohen pH-Wert des Abwassers zu haben. „Aber die Nitratbelastung kommt hauptsächlich aus der Bevölkerung, und liegt an veralteten Kanalisationen und daran, dass Abwasser in die Bäche und das Meer gelangen“, verteidigt Kremerskothen seinen Berufszweig auch gegen diesen Vorwurf.

Bauern-Demo in Bonn: Castrop-Rauxeler Landwirt war mit seinem Trecker dabei

Überall in Nordrhein-Westfalen sorgten die Trecker für Verkehrsstau. © Jan Kremerskothen

130 Kilometer in vier Stunden

Worüber er sich ebenfalls ärgert, ist das enge Zeitfenster, dass Bauern für das Düngen ihrer Felder gegeben wird. „Wenn wir die Nährstoffe nicht rechtzeitig auf die Äcker bringen können, können sich auch hier keine Maden und Insekten bilden, und dadurch sterben die Vögel.“

Gegen all diese Regelungen wehrt sich Kremerskothen mit den anderen Landwirten. „Wir sind nicht an allem schuld, doch wir werden an den Pranger gestellt.“ Und deswegen hat er auch kein Problem damit, nach dem Ende der Kundgebung am Nachmittag mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 40 km/h die 130 Kilometer zwischen Bonn und seinem Hof zurückzufahren.

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