Ist das umweltschonend? 8000 Quadratmeter Wald roden für klimaneutrales Quartier in Dingen

rnBaugebiet Dingen

8000 Quadratmeter Wald müssten für die geplante Bebauung in Dingen gerodet werden. Das schätzen die Anwohner – und fragen sich, ob das wirklich sein muss.

Dingen, Castrop-Rauxel

, 14.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das geplante Baugebiet in Dingen hat schon für viel Aufruhr bei den Anwohnern gesorgt – und das, obwohl voraussichtlich erst 2022 gebaut wird.

So sorgt sich Anwohner André Schuster unter anderem um die Grünfläche. Die Brache sei mittlerweile komplett zugewachsen und werde von allen Möglichen Tieren, Insekten, Igeln, Spitzmäusen bis hin zu Rehen bevölkert. „Das sind paradiesische Zustände für die Kleintierwelt“, so der 44-Jährige.

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Anwohner wollen nicht, dass so viel Wald gerodet wird

Für einen gemeinsamen Austausch zu diesem Thema gab es deshalb ein erstes Anwohnertreffen. Bei der Diskussion der Anwohner wurde ein großer Kritikpunkt an der Planung deutlich.

Circa die Hälfte der Fläche, die für die Bebauung vorgesehen ist, sei komplett bewaldet. „Geschätzt 8000 Quadratmeter Wald müssen gerodet werden. Dies ist für die Anwohner, vor allem angesichts der aktuellen Klimadiskussion, nicht nachvollziehbar“, schreibt Schuster.

Investor will mit Anwohnern in Kontakt treten

Der Investor betont, dass er gerne mit den Anwohnern in Kontakt treten und über den Entwurf für das geplante Baugebiet sprechen möchte. „Wir werden auch bei der Bürgerbegehung Ende Oktober dabei sein“, sagt Lothar Müller, Projektmanager von der Gepa Projektgesellschafft.

Er lege selbst großen Wert auf die Natur: „Ich selbst möchte so umweltschonend bauen, wie es nur geht.“ Statt neue grüne Wiesen zu bebauen, setze er auf Flächen, die schon mal bebaut waren. So wie bei dem Baugebiet in Dingen.

Ökoplaner soll auf die Natur und Artenvielfalt achten

Und auch dort möchte der Investor Rücksicht nehmen auf die Natur und die Artenvielfalt schützen. „Dafür haben wir extra einen Ökoplaner an Bord geholt“, sagt Müller. Ein Eingiff in die Natur sei dennoch notwendig: „Wir wollen ja Neues schaffen, da geht das nicht anders.“

Doch mit dem Konzept möchte man versuchen, möglichst viele Aspekte zum Schutz der globalen und lokalen Umwelt umzusetzen – und unter anderem auf Solarenergie und Geothermie setzen. So soll ein klimaneutrales Quartier mit energieeffizienten Wohnhäusern entstehen.

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Investor bestimmt nicht über Größe und Abstände

Gepa-Pressesprecher Markus Frank erklärt zudem, dass gar nicht der Investor über die Größe der Fläche entscheidet: „Die Stadt muss zunächst einmal einen neuen Bebauungsplan erstellen“, sagt Frank. In diesem Bebauungsplan setze die Genehmigungsbehörde die Größe der Fläche, die Abstände etc. fest.

„Dies bestimmt also nich der Investor, sondern das Heft des Handelns liegt im Rathaus“, erklärt Frank. „Ebenfalls durch den Bebauungsplan bestimmt werden die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, die bei solchen Wohngebietentwicklungen immer vorzunehmen sind, weil ja beispielsweise durch Verkehrsflächen wie Straßen und Bürgersteige Land dauerhaft versiegelt wird. Auch das liegt in der Hand der Stadtplaner.“

Der Investor erhielte schließlich von der Stadt den Bebauungsplan, an dem er sein Projekt auszurichten hat.

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