Beim Notruf mehr als die W-Fragen beantworten: Einsatzkräfte sollen top vorbereitet sein

112

Wer einen Notruf über die 112 absetzt, soll durch eine neue Software zielgerichteter durch den Anruf geleitet werden. Das Telefonat könnte allerdings länger dauern als bisher.

Castrop-Rauxel

, 06.10.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Beim Notruf mehr als die W-Fragen beantworten: Einsatzkräfte sollen top vorbereitet sein

Dr. Nicolaus Schuback, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, und Sven Wehrhagen, Leiter der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst des Kreises Recklinghausen, schauen sich mit Disponent Dennis Metzner die strukturierte Notrufannahme am Arbeitsplatz an. © Kreis RE

Der Kreis Recklinghausen führt die strukturierte Notrufabfrage ein. „Wer einen Notruf absetzt, sollte sich von dem Disponenten in der Leitstelle durch das Telefonat führen lassen. Je nach Notfall kann das einige Sekunden länger dauern als in der Vergangenheit, dafür aber das Eintreffen der richtigen Rettungsmittel deutlich beschleunigen“, erklärt Sven Wehrhagen, Leiter der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst des Kreises Recklinghausen.

Weiterführende Fragen

Zunächst wird nach der Adresse gefragt und was vorgefallen ist. Die Software leitet den Disponenten dann anhand der Antworten zu den weiterführenden Fragen.

  • Was ist passiert?
  • Ist nur eine Person betroffen oder mehrere?
  • Ist die Person bei Bewusstsein? Atmet sie?

Die Antworten gehen aus dem System heraus direkt an die alarmierten Mitarbeiter vom Rettungsdienst, so dass sie schon auf der Anfahrt ein Bild von der Situation vor Ort bekommen. „Das ist für die Rettungssanitäter und Notärzte sehr hilfreich, weil sie in Gedanken die nächsten Schritte vorbereiten können. Das kann viel Zeit sparen“, sagt Dr. Nicolaus Schuback, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst.

„Die Hilfe ist schon unterwegs“

Die Anrufer müssen keine Sorge haben, dass es wegen der zusätzlichen Fragen zu lange dauert, bis Rettungskräfte sich auf den Weg machen: „Die Hilfe ist schon unterwegs, auch wenn das Telefonat noch nicht beendet ist“, erläutert Sven Wehrhagen.

Die Disponenten werden dabei durch das standardisierte Notrufabfrageprotokoll digital unterstützt. „Alle wichtigen Fragen sind sehr strukturiert, so dass selbst in der stressigsten Phase keine Frage vergessen werden kann“, sagt Wehrhagen. Darüber hinaus gibt es zusätzliche „Unterstützungsfenster“ für besondere Lagen.

Geburt, Verbrennung, Schlaganfall

Wenn telefonisch eine Reanimation angeleitet wird, gibt das System beispielsweise den Druck-Rhythmus vor, den der Disponent so an den Anrufer weitergeben kann. Ähnliche Ergänzungen gibt es für Geburten, Verbrennungen, bei Verdacht auf einen Schlaganfall oder für den Einsatz eines Defibrillators.

Außerdem geben die Disponenten dem Anrufer nach der Klärung des Sachverhaltes und der Alarmierung der Einsatzkräfte Verhaltenshinweise, damit der Anrufer im Notfall schon selbst helfen kann. Nach der aktuell laufenden Testphase ist die Notrufabfrage ab November fester Bestandteil bei allen Rettungsdienst-Einsätzen.

Für Krankentransport-Anrufe und Brandschutz-Einsätze wird diese Art der Abfrage in den nächsten Monaten erarbeitet.

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