Berufskolleg: So war der 7. Infotag Gesundheitsberufe

Fotos und Audios

Etwa 1000 Schüler und 30 Aussteller: Beim 7. Infotag Gesundheitsberufe am Berufskolleg in Habinghorst trafen sich am Montag zukünftige Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus der Branche der Gesundheitsberufe. Wir haben für Sie Fotos von der Veranstaltung gemacht und geben tiefere Einblicke mit Audio-Interviews.

HABINGHORST

, 20.02.2017, 17:56 Uhr / Lesedauer: 3 min
Berufskolleg: So war der 7. Infotag Gesundheitsberufe

Viel Betrieb beim Infotag für Gesundheitsberufe am Berufskolleg Castrop-Rauxel.

Ralf Sprave hatte vor acht Jahren eine Idee. Er wollte Menschen zusammenzubringen, die ein gemeinsames Ziel haben: nämlich anderen Menschen über ihre eigenen Berufe zu helfen. Er selbst tut das beruflich mit der Ambulanten Pflege Sprave an der Stahlbaustraße, einem Unternehmen mit 50 Mitarbeitern. „Was Sie hören“, sagt er, „stimmt sicherlich – aber nicht für meinen Betrieb!“ Damit meint er die Perspektive im und die Lukrativität zum Beispiel des Pflegeberufs – und einen möglichen oder realen Fachkräftemangel.

 

Im Interview: Carolin Reger: Lehrerin am Berufskolleg

 

„Ich habe schon immer ausgebildet“, sagt Sprave im Foyer von Gebäude 6 am Berufskolleg Castrop-Rauxel. Dort gab es am Montag den 7. Infotag Gesundheitsberufe. Etwa 1000 Schüler kamen, um sich schlau zu machen, und trafen auf rund 30 Aussteller. Das Evangelische Krankenhaus und das Rochus-Hospital zum Beispiel, die private Krankenversicherung Debeka, die Diakonie, die Agentur für Arbeit, viele andere – und die Ambulante Pflege Sprave.

Die Kollegschüler hatten zum Infotag ein Stationenlernen selbst organisiert und mit Inhalten bestückt: ein Tisch, an dem man kleine Experimente machen konnte, dann ein weiterer Tisch, an dem man als Besucher sagen sollte, ob das Müsli oder das Knäckebrot die gesündere Art der Ernährung bedeute: „Wir haben das Stationenlernen eingerichtet, um zu zeigen, welche verschiedenen Facetten die Berufe haben“, sagt Fred Nierhauve, Leiter des Berufskollegs.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So war der 7. Infotag Gesundheitsberufe im Berufskolleg

Gesundheitsberufe gibt es viele – weit mehr als Ärzte, Arzthelferin, Krankenschwester und Altenpfleger. Über die Bandbreite konnten sich am Montag im Berufskolleg beim 7. Infotag Gesundheitsberufe Schüler vieler Schulen aus Waltrop, Datteln und Castrop-Rauxel informieren. Wir haben einen Rundgang mit Landrat, Bürgermeister, einem Pflegedienst-Unternehmer, der Arbeitsagentur und dem Schulleiter gemacht.
20.02.2017
/
Ralf Sprave, Inhaber und Geschäftsfürrer des Ambulanten Pflege Service von der Stahlbaustraße in Castrop-Rauxel. Er ist Initiator des Infotages für die Gesundheitsberufe, der am Montag zum 7. Mal stattfand und mit rund 40 Ausstellern im Berufskolleg an der Wartburgstraße über die Bühne ging.© Foto: Tobias Weckenbrock
Gemeinsam für Gesundheitsberufe: Fred Nierhauve (v.l.), Leiter des Berufskollegs Castrop-Rauxel, mit Lehrerin und Organisatorin Carolin Reger, Initiator Ralf Sprave, Matthias Erfmann von der Bundesagentur für Arbeit, Burkhard Tiessen von der Wirtschaftsförderung der Stadt Waltrop, Landrat Cay Süberkrüb und Bürgermeister Rajko Kravanja.© Foto: Tobias Weckenbrock
Kravanja und Süberkrüb mit Kolleg-Leiter Fred Nierhauve: Sie nahmen sich eine Stunde Zeit, um durch die Räume im Schulgebäude zu ziehen. Überall begegneten sie Schülern und Auszubildenden, die in Gesundheitsberufe streben.© Foto: Tobias Weckenbrock
Viel Betrieb beim Infotag für Gesundheitsberufe am Berufskolleg Castrop-Rauxel.© Foto: Tobias Weckenbrock
Ralf Sprave, Inhaber und Geschäftsführer des Ambulanten Pflege Service von der Stahlbaustraße in Castrop-Rauxel. Er ist Initiator des Infotages für die Gesundheitsberufe, der am Montag zum 7. Mal stattfand und mit rund 40 Ausstellern im Berufskolleg an der Wartburgstraße über die Bühne ging.© Foto: Tobias Weckenbrock
Bürgermeister Rajk Kravanja und Landrat Cay Süberkrüb beim Besuch des Infotages beim Berufskolleg Castrop-Rauxel: Hier kann man sich in vielen Pflegeberufen dual ausbilden lassen. Auch das Abitur mit dem Schwerpunkt Gesundheit ist inzwischen möglich.© Foto: Tobias Weckenbrock
Viel Betrieb beim Infotag für Gesundheitsberufe am BKCR.© Foto: Tobias Weckenbrock
Kravanja und Süberkrüb mit Kolleg-Leiter Fred Nierhauve: Sie nahmen sich eine Stunde Zeit, um durch die Räume im Schulgebäude zu ziehen. Überall begegneten sie Schülern und Auszubildenden, die in Gesundheitsberufe streben.© Foto: Tobias Weckenbrock
Matthias Erfmann von der Agentur für Arbeit beobachtet mit Landrat Cay Süberkrüb ein Experiment, das die Schüler und Auszubildenden anderen Interessenten für ihr Berufsbild vorführten.© Foto: Tobias Weckenbrock
Matthias Erfmann (r.) von der Agentur für Arbeit beobachtet mit Landrat Cay Süberkrüb und Bürgermeister Rajko Kravanja ein Experiment, das die Schüler und Auszubildenden anderen Interessenten für ihr Berufsbild vorführten.© Foto: Tobias Weckenbrock
Rajko Kravanja, Bürgermeister der Stadt Castrop-Rauxel, beim Infotag Gesundheitsberufe am Berufskolleg.© Foto: Tobias Weckenbrock
Matthias Erfmann ist einer der Haupt-Organisatoren des Infotages Gesundheitsberufe. Er arbeitet bei der Agentur für Arbeit in Castrop-Rauxel.© Foto: Tobias Weckenbrock
Fred Nierhauve, Leiter des Berufskollegs Castrop-Rauxel, der größten Bildungseinrichtung in Castrop-Rauxel mit etwa 2500 Schülern.© Foto: Tobias Weckenbrock
Landrat Cay Süberkrüb beim Besuch des Berufskollegs mit (r.) Schulleiter Fred Nierhauve und (l.) Matthias Erfmann von der Agentur für Arbeit: Die Schule ist in Kreisträgerschaft, darum war der Landrat beim Infotag Gesundheitsberufe zu Gast.© Foto: Tobias Weckenbrock
Kravanja und Süberkrüb: Sie nahmen sich eine Stunde Zeit, um durch die Räume im Schulgebäude zu ziehen. Überall begegneten sie Schülern und Auszubildenden, die in Gesundheitsberufe streben.© Foto: Tobias Weckenbrock
Lehrerin Carolin Reger war vonseiten des Berufskollegs Haupt-Organisatorin des Infotages Gesundheitsberufe. Hier ist sie mit einem Schüler im Gespräch. Mit den Schülern zusammen gestaltete sie in den Arbeitsräumen des Kollegs die Stände, an denen sich interessierte Schüler informieren konnten.© Foto: Tobias Weckenbrock
Lehrerin Carolin Reger war vonseiten des Berufskollegs Haupt-Organisatorin des Infotages Gesundheitsberufe. Hier ist sie mit einem Schüler im Gespräch. Mit den Schülern zusammen gestaltete sie in den Arbeitsräumen des Kollegs die Stände, an denen sich interessierte Schüler informieren konnten.© Foto: Tobias Weckenbrock
Ralf Sprave, Inhaber und Geschäftsführer des Ambulanten Pflege Service von der Stahlbaustraße in Castrop-Rauxel. Er ist Initiator des Infotages für die Gesundheitsberufe, der am Montag zum 7. Mal stattfand und mit rund 40 Ausstellern im Berufskolleg an der Wartburgstraße über die Bühne ging.© Foto: Tobias Weckenbrock
Schlagworte Castrop-Rauxel

Konkreter: „Wir haben an 21 Stationen Unterrichtsthemen an unsere Schülergruppen delegiert“, erklärt Lehrerin Caroline Reger. „Nun ist das hier eine interaktive Art, Infos zu vermitteln.“ Und die Schüler selbst haben viel gelernt: Denn wer etwas vermitteln möchte, muss sich umso besser mit dem Thema auskennen, über das er andere informiert. 

Zwei Auszubildende und eine Praxisanleiterin stehen hinter dem Stand Ambulante Pflege Sprave: „Wir investieren in diesen Tag voll für diesen Impuls“, sagt Sprave. „Ein Impuls für junge Menschen, der ihnen zeigt, wie viele Kräfte in der eigenen Stadt vorhanden sind, die sich um die Gesundheit bemühen. Ob das ein Sanitätshaus ist mit einem Orthopädie-Mechanikermeister oder ambulante Pflege, die Krankenhäuser mit ihren Ausbildungsgängen oder andere.“

Er habe die Zeichen der Zeit erkannt – anders als andere Pflegedienste, wie er sagt: „Ich bin Repräsentant für 20 Pflegedienste, aber die sind nicht vertreten. Sie haben offensichtlich nicht erkannt, wie wichtig so ein Tag ist.“ Sprave schon. Darum machten er und Matthias Erfmann damals, vor acht Jahren, gemeinsame Sache. Man fand sich, man baute die Idee aus und veranstaltete den ersten Infotag dieser Art in Castrop-Rauxel. „Dann schaukelte sich das immer mehr auf, es kamen immer mehr Firmen dazu.“

 

Im Interview: Matthias Erfmann,  Agentur für Arbeit

 

Für das Berufskolleg, sagt Schulleiter Fred Nierhauve, eine gute Gelegenheit: „Für uns ist wichtig, dass wir die Schüler optimal auf ihre zukünftigen Möglichkeiten vorbereiten.“ Lehrerin Caroline Reger, Chef-Koordinatorin dieses Infotages nennt das „Schüler und Ausbilder in Kontakt zu bringen.“ Am Ende sei es „ein Prozess“, so Nierhauve, „in dem man sich einem Berufsbild nähert oder sich entscheidet: Das ist nicht meins.“

Jetzt lesen

Man schaffe es sicher nicht an einem einzigen Tag, junge Menschen für einen der vielen Jobs zu begeistern: „Dieser Tag ist ein Mosaikstein in einem gesamten Berufswahlprozess“, so Nierhauve.

 

Im Interview: Fred Nierhauve, Leiter des Berufskollegs Castrop-Rauxel

 

Die Tragweite aus wirtschaftlicher Sicht vor Ort ist aber groß: „Jeder vierte sozialversicherungspflichtige Job in unserem Agenturbezirk“, sagt Matthias Erfmann von der Agentur für Arbeit, sei in der Gesundheitsbranche. „Die Branche ist die wichtigste im Agenturbezirk des Kreises Recklinghausen.“

Und sie wird wachsen: „In sieben bis acht Jahren sind 30 Prozent der Menschen älter als 65 Jahre“, sagt Erfmann. „Die Werbung, die wir hier machen, insbesondere für Pflegeberufe, kann gar nicht groß genug sein.“

Aufstiegschancen gelten als begrenzt

Aber sind die Jobs lukrativ? In der Altenpflege Beschäftigte zum Beispiel demonstrierten in den vergangenen Jahren häufiger wegen geringer Löhne trotz körperlich harter Arbeit; über zu wenig Zeit mit den Patienten. Und neben den Verdienstmöglichkeiten gelten auch die Aufstiegschancen als eher begrenzt.

 

Im Interview: Ralf Sprave, Ambulante Pflege Sprave

 

„Nein, sind sie nicht“, sagt Ralf Sprave. „Willst du Praxisanleiter werden? Pflegedienstleiterin? Oder willst du in den kaufmännischen Bereich?“ Fragen, so der Geschäftsführer, die er mit seinen Mitarbeitern auslote – und zwar schon während der Ausbildung. „Ich lasse gerade unsere Pflegedienstleitung zur Kauffrau im Gesundheitswesen fortbilden.

Sie kommt aus der Pflege und lernt das Kaufmännische hinzu.“ Mitarbeiter bekämen den Impuls, Bachelor oder Master zu werden oder zu promovieren. „Das meine ich ernst! Wir unterstützen die Interessenten in dieser Zeit auch finanziell. Bei uns kann man entsprechend auch sehr viel Geld verdienen“, so Sprave. „Was Sie hören, stimmt sicherlich – aber nicht für meinen Betrieb.“

Allgemeine Hochschulreife im Fach Gesundheit
Das Angebot, seine Allgemeine Hochschulreife im Fach Gesundheit abzuschließen, ist neu in Castrop-Rauxel. Und es ist in NRW ziemlich einmalig. Aber es ist offenbar gefragt: Die Anmeldung fürs neue Schuljahr laufen noch, Fred Nierhauve verkündete am Montag am Rande des Infotages, das es schon rund 50 Anmeldungen gebe. Im Fokus stehen dabei die Leistungskurse Gesundheit und Biologie. Studieren kann man nach dem Abi auch Jura – es zählt wie das „normale“ Abitur auch.

Lesen Sie jetzt