Bio-Fleisch: Rinder leben völlig naturbelassen auf einem riesigen Areal

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Der Waltroper Bio-Landwirt Jan Dickhöfer hat in Castrop-Rauxel idealen Lebensraum für seine Rinder gefunden. Das Rote Höhenvieh soll hier bestes Fleisch liefern und vor Ort geschlachtet werden.

von Michael Fritsch

Castrop-Rauxel

, 15.07.2020, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klopsie, der erst Ende Juni geborene Benjamin unter Jan Dickhöfers Rindern, hat gerade keine Lust auf einen Fotoshooting und hat sich irgendwo versteckt, was auch nicht schwer ist.

Denn immerhin ist sein Zuhause eine außergewöhnlich große Weide im Westzipfel Castrop-Rauxels an der Grenze zu Holthausen nördlich und südlich des Emscherschnellweges A 42. Sie ist zudem durch einen Tunnel zweigeteilt und mit 21 Hektar so weit und unübersichtlich, dass ein Überblick über das gesamte Gelände schier unmöglich ist.

Eine der ältesten deutschen Rinderrassen

Das Ganze ist allerdings kein Zufall, sondern hat System. Die Weite, die Naturbelassenheit und dazu ein absoluter Hightech-Standard bei der Wasser- und Stromversorgung sind Teil eines Gesamtkonzeptes, das uraltes Know-how in der Landwirtschaft mit der Moderne versöhnen will.

Jan Dickhöfer, in Waltrop ansässiger Biolandwirt im Nebenerwerb, setzt seine Vorstellungen von moderner Rinderzucht seit April in Castrop-Rauxel quasi idealtypisch um. „Das Rote Höhenvieh ist einer der ältesten deutschen Rinderrassen. Sie war vor Jahrzehnten fast ausgestorben“, erklärt der 40-Jährige.

Der große Vorteil der Rasse: Sie lebt quasi autark, ohne Stall und zusätzliches Futter, die Jungtiere werden allein auf der Weide zur Welt gebracht und die Kühe werden nicht gemolken. „Meine Tiere dienen ausschließlich der Versorgung mit gesundem Fleisch“, so Dickhöfer.

Geschlachtet werden soll bald auch selbst

Die ersten Exemplare hat er aus dem märkischen Sauerland geholt, mittlerweile ist die eigene Zucht erfolgreich angelaufen. „Nach zweieinhalb bis drei Jahren haben die Tiere ihr Schlachtgewicht von ungefähr 900 Kilogramm erreicht“, so der Familienvater zweier Kinder.

Bio-Landwirt Jan Dickhöfer und seine Tochter Frieda begutachten die Herde, die jetzt in Castrop-Rauxel steht. Sie soll bestes Bio-Rindfleisch liefern.

Bio-Landwirt Jan Dickhöfer und seine Tochter Frieda begutachten die Herde, die jetzt in Castrop-Rauxel steht. Sie soll bestes Bio-Rindfleisch liefern. © Helmut Orwat

Schlachten will Dickhöfer demnächst auch auf dem Gelände, um den Kühen den Stress des Transports zu ersparen. Doch dazu bedarf es noch behördlicher Genehmigungen.

Die Emschergenossenschaft und der Landesbetrieb Straßen NRW begleiten das Pilotprojekt und nehmen auch Einfluss auf die Aussaat der Gräser und Kräuter, damit das Rindvieh auch eine ausgewogene und ausreichende Ernährung das ganze Jahr über hat.

Vorsicht: Die Bullen sind unberechenbar

„Ob wir dann tatsächlich über den Winter ohne Zufüttern kommen, muss sich noch zeigen“, sagt Dickhöfer. Getrunken wird aus einer Anlage, das Grundwasser mit einer Pumpe 20 Meter hoch an die Oberfläche befördert, und gesichert ist die weitläufige Anlage mit einem Stromzaun, der seine Energie aus Solarzellen auf der Anlage bezieht.

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Zwar grasen die Kühe meist mit großem Abstand zum Zaun sehr friedlich vor sich hin, doch sollten zu neugierige Besucher keine falschen Schlüsse daraus ziehen, wie Dickhöfer meint. „Beim Schutz ihrer Herde sind die Bullen unberechenbar“, weiß der Landwirt.

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