Geld per Brief versendet: Beim Empfänger kam nur ein falscher Fünfhunderter an

rnGerichtsverhandlung

Der Fall gab bis zum Schluss Rätsel auf. Abgesandt wurden angeblich per Einschreiben drei 100-Euro-Scheine. Der Empfänger will aber nur einen falschen 500-Euro-Schein erhalten haben.

Castrop-Rauxel

, 10.12.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Autofahrer in Norddeutschland brauchte einen neuen Motor für sein Auto. Am besten einen guten Gebrauchten. Den fand er online in Castrop-Rauxel.

Was sich bis hierhin nach einem üblichen Deal anhört, verlief jedoch alles andere als glatt. Die Geschichte endete mit einem falschen Fünfhunderter, der nun den Strafrichter im Castrop-Rauxeler Amtsgericht beschäftigte.

Händler hat eine Kaution verlangt

Die Geschichte begann im Februar. Weil der Kunde bei der Abholung des gekauften Motors in der Europastadt keinen anderen Gebrauchten im Tausch dalassen konnte, verlangte der hiesige Händler eine Kaution von 300 Euro. Das sei üblich in der Branche, wie es hieß.

Diese Summe sollte, so war es vereinbart, zurückgezahlt werden, wenn der alte Motor abgeliefert würde. Das bestätigte auch die angeklagte Händlerin.

Doch als der Kunde aus dem Norden eines Tages mit dem ausgebauten Motor vor der Tür stand und seine Kaution zurückhaben wollte, war die Kasse leider gerade leer.

Kaution per Brief zugesendet

Man habe ihm die Kaution nicht bar zurückzahlen können, eine Überweisung auf sein Geschäftskonto habe der Käufer abgelehnt, erklärte es die Angeklagte.

Vorschlag des Kunden: Man möge ihm die 300 Euro Kaution doch bitte per Brief zusenden. Ein Anliegen, dass der Angeklagten, wie sie sagte, merkwürdig vorkam, dem sie jedoch nachkam.

Und hier beginnt die Geschichte der wundersamen Verwandlung. „Ich habe drei 100-Euro-Scheine mit einem Begleitbrief per Einschreiben an den Kunden gesandt“, sagte die Angeklagte aus.

Handschrift erkannt, aber falscher Inhalt

Sie erkannte auf dem betreffenden Briefumschlag, der dem Richter vorlag, auch ihre Handschrift. Einzig der Inhalt war ein anderer. Ein 500-Euro-Schein, unübersehbar Spielgeld, ein Ausdruck aus dem Internet.

Ein 35-Jähriger, der zufällig anwesend war, als der Empfänger in Norddeutschland diese Post öffnete, bestätigte als Zeuge den wertlosen Inhalt.

Die Angeklagte hatte aber ebenfalls einen Zeugen benannt. Sie war damals gemeinsam mit ihrem Steuerberater, dem sie den Inhalt des Briefes gezeigt hatte, zur Poststelle gegangen, wo die Sendung als Einschreiben abgeliefert wurde.

Zeugenaussage per Telefon

Diese Zeugenaussage gab es ausnahmsweise per Telefon, da der 62-Jährige derzeit in einer Reha-Maßnahme steckt. Eine Anreise zum Gericht sei derzeit nicht möglich, so die Einschätzung des Arztes. „Drei grüne Scheine zu je 100 Euro, da bin ich ganz sicher“, bestätigte der Mann, dessen Identität zuvor überprüft worden war, am Telefon.

Das Rätsel war nicht zu knacken. Wer wann und wo den falschen Schein in den Umschlag gab, nicht zu ergründen. So blieb dem Richter nur eins: Freispruch für die Angeklagte.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt