Castrop-Rauxeler Händler sollen ihr eigenes Amazon bekommen

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Um dem Einzelhandel in Castrop-Rauxel zu helfen, will Bürgermeister Rajko Kravanja auf einen lokalen Online-Shop setzen. Wie kann das gehen? Die Nachbarstadt macht’s vor.

Castrop-Rauxel

, 20.02.2020, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Einkaufen im Internet ist bequem. Vom Sofa aus durch das Angebot klicken, bestellen, und ein paar Tage später werden Hose oder Schuhe bequem an die Haustür geliefert. Dass der Online-Handel den stationären Einzelhändlern Konkurrenz macht, ist kein alleiniges Castrop-Rauxeler Problem.

Kaufleute und Einzelhändler bemängelten aber zuletzt die Kundenflaute und die vielen Leerstände in der Altstadt. Bürgermeister Rajko Kravanja will mit einem neuen Projekt dem Einzelhandel unter die Arme greifen: Er möchte einen Online-Shop für Castrop-Rauxel auf die Beine stellen.

Vor Ort einkaufen mit Lieferung an die Haustür

„Das ist mein Lieblingsprojekt für die nächsten zwei, drei Jahre“, sagt Rajko Kravanja im Gespräch mit der Redaktion. Die Idee stammt nicht von ihm selbst. Es gebe Beispiele in anderen Städten und etwa die Initiative Buy Local (deutsch: Kaufe lokal). Kravanja möchte eine Plattform für alle Castrop-Rauxeler Einzelhändler schaffen. So könnten die Kunden vor Ort einkaufen, bekommen die Ware aber trotzdem nach Hause geliefert.

Viele Leute wollen sich heute eben nicht mehr in drei Geschäften umsehen, bis sie das Passende gefunden haben, so Kravanja. Er selbst shoppe hin und wieder online. Die Idee der neuen Plattform sei, die Angebote der lokalen Händler zu durchforsten. „Castrop-Rauxel-kauft-ein“ oder „Kauf-in-Castrop-Rauxel.de“ – so könnte die Seite heißen, sagt Kravanja.

In der Fußgängerzone in der Altstadt stehen einige Ladenlokale derzeit leer. Einige Händler beklagen die Kundenflaute.

In der Fußgängerzone in der Altstadt stehen einige Ladenlokale derzeit leer. Einige Händler beklagen die Kundenflaute. © Jessica Hauck

Voraussetzung ist ein digitales Warenwirtschaftssystem bei den Einzelhändlern. Das müsse dann so angeschlossen sein, dass es mit der Plattform „sprechen“ könne, sagt Kravanja, der von Haus aus Informatiker ist. Ein Warenwirtschaftssystem habe aber jeder Händler. „Sie müssen ja wissen, habe ich drei Jeans oder sieben Flaschen Wein“, sagt der Bürgermeister. „Das macht ja heute keiner mehr mit Stift und Buch.“

„Ich glaube, dann setzt der Lokalpatriotismus ein“, sagt Kravanja. Wenn man die Möglichkeit habe, Schuhe beim Händler vor Ort zu bestellen, dann sei es den Kunden auch egal, ob sie das gleiche Produkt eventuell woanders noch etwas günstiger bekommen könnten.

Bochumer Händler machen gute Erfahrungen

Ähnliche Projekte und Plattformen gibt es beispielsweise in Bochum oder Wuppertal. In Bochum heißt der Online-Shop „Bochumer Originale“ und sei ein Erfolg, sagt Deniz Türker, der das Projekt bei Bochum Marketing betreut. Im Oktober 2018 ging die Webseite online, 16 Einzelhändler mit 18 Geschäften in der Bochumer Innenstadt machen mit.

„Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit dem Marktplatz“, sagt Deniz Türker. Über die Plattform kämen sowohl Online-Bestellungen rein als auch mehr Kunden in die Geschäfte. Teilweise seien Kunden mit dem Smartphone in der Hand in den Laden gekommen und hätten Produkte sehen wollen, die sie online entdeckt haben. Ob und wie sich der Umsatz der Händler steigern ließ, dazu gebe es keine konkreten Zahlen oder Auswertungen. Allerdings seien die Wirkungen bei den Händlern spürbar gewesen, sagt Türker.

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Deniz Türker sagt aber auch: „Das ist kein Selbstläufer.“ Der Erfolg des Online-Marktplatzes hänge davon ab, „wie viel die Händler gewillt sind, daran zu arbeiten“. Sie müssten zum Beispiel eigene Produktfotos und Produktbeschreibungen anfertigen oder mit den Herstellern und Zulieferern kommunizieren, um diese Angaben für den Online-Shop zu bekommen.

Fördergeld vom Land benötigt

Castrop-Rauxel wäre wie Bochum auch auf ein Förderprojekt des Landes angewiesen, sagt Rajko Kravanja. Dann müsste die Plattform geschaffen werden. Und auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die die Stadt gründen will, soll erst mal an den Start gehen.

In diesem Jahre ließe sich seine Idee nicht mehr verwirklichen, sagt Kravanja. Bis die Castrop-Rauxeler lokal online shoppen können, will die Stadt auf ein gutes Veranstaltungsmanagement setzen, um die Altstadt attraktiver zu machen.

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