Bulldogge beißt kleines Mädchen (7) – Warum das Verfahren jetzt eingestellt wurde

rnHundebiss vor Gericht

Im Sommer biss eine französische Bulldogge in Castrop-Rauxel ein Mädchen (7). Der Vater des Mädchens erstattete Anzeige. Im Nachhinein stellte sich heraus: Hier spielten andere Interessen eine Rolle.

Castrop-Rauxel

, 01.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Aufregung war groß am 1. August in Castrop-Rauxel. An diesem Sommertag waren viele Kinder draußen, auch der 35-jährige Angeklagte mit seinen beiden Sprösslingen und seinen Hunden: eine französische Bulldogge, drei Jahre alt, und ein Welpe. Beide Hunde waren mit Leinen am Kellerfenster festgebunden.

Plötzlich schnappte der Hund zu

Dennoch passierte das, was den Mann nun vor den Richter brachte: Als das siebenjährige Nachbarsmädchen darum bat, mit dem Welpen ein wenig herumspazieren zu dürfen und sich dem jungen Hund zuwandte, schnappte die dreijährige Bulldogge zu.

Der Hund erwischte das kleine Mädchen im Brustbereich. Fotos zeigen deutliche Quetschspuren. Einen Arzt suchten sie allerdings nicht auf.

Am Telefon berichtete das Mädchen dem Vater, der getrennt von Frau und Tochter lebt, unter Tränen von dem Ereignis. Der Vater war in Sorge. Und die schürte wohl seine Ex-Frau mit Geschichten über den Nachbarshund. Demnach solle der Hund angriffslustig und mehrfach auffällig geworden sein. Sie soll sich auch darüber beschwert haben, dass der Nachbar sich nichts anmerken ließe.

„Ich habe sofort mit der Nachbarin geredet“

Dem widersprach der Angeklagte entschieden. „Ich habe sofort mit der Nachbarin geredet. Ich habe von ihr auch die Telefonnummer des Vaters erhalten und mit ihm gesprochen“, sagte er nun vor dem Castrop-Rauxeler Amtsrichter.

Der 40-jährige Vater, als Zeuge geladen, bestätigte das. Er berichtete, dass er nach dem Telefonat mit seiner Ex sehr aufgewühlt gewesen sei und direkt zur Polizei ging, um Anzeige zu erstatten. „Jetzt weiß ich es besser“, sagte er nun. Seine Ex-Frau habe gewusst, dass er sich sehr schnell aufrege und habe seine Besorgnis bewusst geschürt, um ihm zu schaden.

Dabei ging es weniger um den Hundebiss als um die Tochter selbst. Denn zu dieser Zeit stritt das Paar darum, wo die gemeinsame Tochter leben sollte: bei Mama oder Papa.

„Wäre mir das klar gewesen, hätte ich keine Anzeige erstattet“

Diese Frage ist inzwischen geklärt. Der Lebensmittelpunkt des Kindes ist beim Vater, so hat das Familiengericht entschieden. „Also spielten sachfremde Interessen eine Rolle“, formulierte der Richter die Situation auf juristische Weise.

„Wenn mir das klar gewesen wäre, hätte ich keine Anzeige erstattet“, so der Vater.

Weil die Sachlage nach seiner Aussage klar war, musste das Kind nicht angehört werden. Das Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Hund lebt jetzt bei Familie in Bottrop

Und der Hund? „Wir haben ihn abgegeben“, sagte der Angeklagte. Aus Fürsorge: Weil er Angst hatte, dass er die französische Bulldogge ins Tierheim geben oder gar einschläfern lassen müsse, suchte er dem Tier ein neues Zuhause. „Der Hund lebt nun in Bottrop in einer Familie, und es geht ihm gut“, sagte er freudig.

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