Castrop-Rauxel: 8 Millionen Euro für Emscherbrücke

Freude bei der Stadt

Am Freitag war in gewisser Weise Feiertag im Rathaus Castrop-Rauxel: Die Stadt hat die Zusage für 8 Millionen Euro aus einem Förderprogramm bekommen und kann mit der Emschergenossenschaft den „Sprung über die Emscher“ - ein besonderes Brückenprojekt - verwirklichen. Wir sprachen mit Bürgermeister Rajko Kravanja.

CASTROP-RAUXEL

, 03.03.2017, 15:44 Uhr / Lesedauer: 3 min
Castrop-Rauxel: 8 Millionen Euro für Emscherbrücke

Emscherland.2020 am Wasserkreuz: Die Brücke am linken Bildrand, der ?Sprung über die Emscher?, ist ein Wunsch der Stadt Castrop-Rauxel und bislang nur rein optional gedacht.

Die Jury hat entschieden: Der „Sprung über die Emscher“ wird tatsächlich mit 8 Millionen Euro aus dem 65-Millionen-Euro-Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert. Herr Kravanja, wie ist die Gefühlslage?

Großartig! Das wird ein neues Wahrzeichen der Stadt Castrop-Rauxel. Die Stadtsilhouette mit Erin-Turm, Hammerkopfturm, der Europahalle – sie bekommt Zuwachs. Jetzt kommt auch noch der „Sprung über die Emscher“ dazu. Das ist eines der großartigsten Projekte der letzten Jahrzehnte, und wahrscheinlich auch der kommenden.

Kompliment an alle, die da mitgezogen haben. Das war tolle Arbeit! Man muss sich ja auch mal selber loben dürfen: Das haben wir toll hingekriegt.

Wie ist der Prozess nun zuletzt abgelaufen?

Es gibt ja zwei Hürden: Die formale, also die sachliche Hürde – es geht darin darum, ob die Berechnungen valide sind. Das ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn. Die bewerten das Projekt, das fachlich gut sein muss.

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Hilft es da, die „Leute zu kennen“?

Das hilft da nicht, nein. Aber für die zweite Hürde muss man Leute kennen. Da sitzt eine Jury aus verschiedenen Menschen zusammen: Florian Pronold, Michael Groß aus Marl, Christa Reichert aus Dortmund und viele andere. Da muss man wirklich Klinken putzen, die Leute einladen, denen das Projekt vorstellen. Das haben wir geschafft! Es ist das erste Mal, dass wir bei so einem Projekt dabei sind. Für ganz Deutschland waren 65 Millionen Euro im Fördertopf, und wir bekommen 8 Millionen Euro. Das ist das größte Einzelprojekt.

Wer hat diese Gespräche denn geführt?

Die Gespräche habe ich selber geführt. Wir haben zwei, drei der Protagonisten eingeladen. Die Emschergenossenschaft war dann auch mit dabei, klar, denn sie übernimmt ja den Eigenanteil von 10 Prozent.

Was zahlt die Stadt?

Das läuft ohne Zutun der Stadtkasse.

Die Gesamtkosten für die Brücke inklusive Planungsleistungen und Ideenwettbewerb belaufen sich auf etwa 11,7 Millionen Euro. Den verbleibenden Eigenanteil trägt die Emschergenossenschaft.

Warum ist das denn so ein wichtiges Projekt?

Das Ganze ist eingebettet ins Emscherland 2020. Das Projekt, das unsere Region, also von Holzwickede bis zum Rhein, nachhaltig geprägt hat und prägen wird. 4,5 Milliarden Euro, am Ende wahrscheinlich 5 Milliarden Euro kostet der Emscherumbau. Der Fluss wird sich stark verändern, von einer Kloake zum blauen Fluss. Die Brücke an der Stelle in Henrichenburg ist dafür ein zentrales Symbol.

Wie weit sind wir denn auf der Wegstrecke in Sachen Emscherumbau nach Ihrer Einschätzung?

Beim Emscherumbau sind wir jetzt bei 70 bis 80 Prozent. Das meiste Geld geht ja unter die Erde, um den Abwasserkanal, also den Stauraumkanal, zu bauen.

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Die letzten Meter des großen Projektes ist dabei die Oberflächen-Umgestaltung. Sie liegt ja „nur“ bei 700 Millionen Euro. Das nehmen die Menschen am Ende am meisten wahr. Das fehlt aber noch. Erst muss der Kanal fertig sein, damit das Schmutzwasser durch den Kanal läuft.

Im Moment stinkt die Emscher ja in Abschnitten schon noch. Wann ist das vorbei?

Der letzte Abschnitt in den Aapwiesen, wo ja noch Schmutzwasser eingeleitet wird, wird nächstes Jahr abgekoppelt. Der Stauraumkanal wird dann 2018/19 voll in Betrieb genommen.

Das Projekt Emscherland 2020 wird von der Landesregierung unterstützt. Die sagen: Das muss an einigen Stellen dann auch „gefeiert“ werden, dass sich dieser Kulturraum verändert. Die Brücke selbst wird eingebettet in einen Raum mit dem Besucherschacht „Schwatte Emscher“. Das ist der Schacht, von wo aus zurzeit das Rohr durch die Erde gepresst wird. Er soll offen bleiben, mit einer Glasblatte darüber.

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Dort sollen die Menschen auf der „Schwatten Emscher“ stehen – nur: Es stinkt nicht. Wir bauen einen Platz der Schichten direkt am Wasserkreuz: Da gibt es den Abwasserkanal, die blaue Emscher und den Rhein-Herne-Kanal. Alle drei zusammen sind unser Kernstück für das Emscherland 2020. Dann zieht sich der Park über Recklinghausen und Herten weiter. Das alles wird dann auch Kernbestandteil der IGA 2027.

Ist das alles also auch erst dann fertig?

Nein. Grundbedingung ist, dass alle Projekte, die wir anmelden, 2020 fertig sein. Dann wird es eine Riesen-Eröffnung geben, vergleichbar mit der Emscherkunst im vergangenen Jahr. Dann wollen wir über die Brücke gehen.

Immer stellt man sich bei einem Bauwerk die Frage: Geht Pragmatik oder Aussehen vor?

Das war kein Thema, auch nicht in den politischen Beratungen in den Ausschüssen. Dieser Entwurf hat ja eben wegen seiner Architektur gewonnen. Es geht darum, „Projekte von nationaler und internationaler Wahrnehmung“ zu schaffen. Das zitiere ich aus den Förderbedingungen. Genau um das Besondere geht es ja.

Dann noch mal zurück zur Zeitplan-Frage: Wie geht es konkret weiter?

Wir setzen uns jetzt mit der Emschergenossenschaft zusammen. Die haben haben die Planer, die führen die Feder. Nach den ersten Gesprächen geht es dann los.

Was macht das mit der Stadt, mit der Region insgesamt, aus Ihrer Sicht?

Kennen Sie die Studie „Abgehängte Städte im Ruhrgebiet“ aus den letzten Tagen? Da wurden Herne, Oberhausen und Gelsenkirchen genannt. Daraufhin gab es die Debatte: Ist das Ruhrgebiet die graue, die abgehängte Region? Ich sage: Nein! Sind wir nicht! Diese Zusage ist ein Zeichen des Aufbruchs, und dafür steht die Brücke.

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