Castrop-Rauxel wird heute 90 - und diese Frau auch

Stadtjubiläum und Geburtstag

Am 1. April 1926 war die Geburtsstunde der Bindestrich-Stadt, wurde Castrop-Rauxel aus der Taufe gehoben. Am selben Tag erblickte Anneliese Gentemann das Licht der Welt. Vater Heinrich schritt stolz zum Amt und meldete sein Töchterchen an. Damit war sie die erste Neubürgerin nach dem Zusammenschluss von Castrop und Rauxel.

CASTROP-RAUXEL

, 01.04.2016, 06:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Castrop-Rauxel wird heute 90 - und diese Frau auch

Anneliese Walocha wird am 1. April 90 Jahre alt, genau wie die Stadt Castrop-Rauxel.

„Ich weiß, dass Heinrich Haverbeck am selben Tag Geburtstag hatte“, erinnert sich Anneliese Walocha an ihren Mitschüler. „Doch sein Vater war wohl nicht so flott mit der Anmeldung.“

Die Tatsache, dass sie ebenso alt beziehungsweise jung ist wie ihre Heimatstadt, war der Bürgerin, die Castrop-Rauxel nie verlassen hat, lange nicht bewusst. Darauf hat sie erst der einstige Bürgermeister Hugo Paulikat aufmerksam gemacht. Und schließlich hat die Stadt mit ihren gleichaltrigen Bürgerinnen und Bürgern vor 40 Jahren gemeinsam den 50. Geburtstag gefeiert.

Der Krieg trenne Anneliese Walocha und ihren Mann

Zu diesem Zeitpunkt blickte Anneliese Walocha, geborene Gentemann, schon auf erfüllte Jahrzehnte zurück. Geboren an der Bladenhorster Straße, besuchte sie zunächst die ehemalige Rochus-Schule in der Altstadt, später die heutige Elisabethschule. Nach dem Schulabschluss ging es für ein Jahr nach Bad Driburg ins Pflichtjahr, wo sie in einem Kaufmanns-Haushalt arbeitete.

Schon zu dieser Zeit, mit 15 Jahren, lernte sie ihren späteren Mann, Herbert Walocha, kennen. Der Krieg trennte sie, doch sie kamen wieder zusammen. Hochzeit 1949. Für seine große Liebe ging der begeisterte Kanalschiffer sogar an Land, verdingte sich im Bergbau.

Fünf Kinder an der Alleestraße in Rauxel

„Mein Mann war eine richtige Wasserratte“, blickt Anneliese Walocha zurück. „Doch ich habe gesagt, wenn wir eine Familie sind, müssen wir auch zusammen sein.“

Das blieben sie 48 Jahre lang, bis zum Tod des Ehemanns im Jahr 1997. Jahrzehnte voller Leben. Fünf Kinder erzog das Paar: Heinz-Wilhelm, Axel, Roland, Gabriele und Christian. Eine lebhafte Zeit in ihrem Haus an der Alleestraße in Rauxel.

"Ich habe mit 48 Jahren meinen Führerschein gemacht"

Abwechslungsreich blieb die Zeit auch später, als die Kinder flügge geworden waren. Da wurden Kultur und Sport groß geschrieben. Anneliese und Herbert Walocha liebten Theaterbesuche. Und den Sport. Weil der Ehemann wegen eines Unfalls Frührentner geworden war, ging Anneliese gemeinsam mit ihm zum Versehrtensport. Schwimmen und Kegeln standen auch auf dem Programm. Mittlerweile saß Anneliese Walocha auch oft am Steuer des Familienautos. „Ich habe mit 48 Jahren meinen Führerschein gemacht und sofort bestanden“, sagt sie stolz.

„Bis zu meinem 83. Lebensjahr habe ich sogar noch Faustball gespielt“, sagt Anneliese Walocha. Seniorentanz stand ebenfalls lange auf dem Trainingsprogramm. Da schmunzelt auch Ursula Sieger. Die gute Freundin, die die Seniorin regelmäßig besucht und betreut, und mit der Anneliese Walocha so manch eine Schrittfolge einstudiert hat.

Die 89-Jährige wohnt im Haus ihres Enkels

Heute, wo die Füße nicht mehr so wollen, sind Anneliese Walochas Hände umso flinker. Die Seniorin strickt, zurzeit für ein Kleinkind aus dem Bekanntenkreis. Und zeigt stolz die neuesten Werke: Hose, Pullover und Söckchen.

Die Wolle verwahrt sie in einem Köfferchen im Regal, hat sie mit einem Griff zur Hand. So wie die Seniorin alles, was ihr lieb und wertvoll ist, um sich versammelt hat. Denn sie hat sich kleiner gesetzt, hat ihren eigenen überschaubaren Bereich im Hause des Enkels Benni an der Vinckestraße in Ickern.

Drei Generationen feiern mit ihr ihren Geburtstag

Puppen, Stofftiere, Porzellan und vor allem gerahmte Fotos an den Wänden und im Regal lassen ihr Leben Revue passieren. Ein Leben mit viel Freude, aber auch mit Leid. So hat Anneliese Walocha nicht nur vor fast 20 Jahren ihren Mann verloren, auch die beiden jüngsten Kinder, Gabi und Christian, leben nicht mehr.

Kinder, Enkel und Urenkel: Anneliese Walocha blickt auf drei Generationen, wenn sie am 1. April ihren runden Geburtstag feiert. Und eine Delegation der Stadt wird es sich sicher nicht nehmen lassen, mit der Seniorin auf die gemeinsame „90“ anzustoßen. 

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