Castrop-Rauxeler (53) wegen Mordversuchs vor Gericht: „Zur Katastrophe fehlte nicht viel“

Feuer-Prozess

Im Feuer-Prozess gegen einen 53-jährigen Castrop-Rauxeler sagte am Mittwoch ein Brandsachverständiger aus. Am Tatort in Hagen hätte es zur Katastrophe kommen können.

Castrop-Rauxel, Hagen

, 11.12.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Angeklagte wird von zwei Anwälten verteidigt.

Der Angeklagte wird von zwei Anwälten verteidigt. © Jörn Hartwich

Bei dem Brand in der Hagener Innenstadt waren am Morgen des 25. Mai zum Glück keine Hausbewohner verletzt worden. Doch nach Ansicht des Sachverständigen fehlte zur Katastrophe nicht viel. „Wäre das Feuer später entdeckt worden, hätte Lebensgefahr für alle Personen im Haus bestanden“, sagte der Feuerexperte.

Augenzeugin rief Feuerwehr

So konnten sich am Ende offenbar alle bei einer 42-jährigen Werbekauffrau bedanken, die als erste die Feuerwehr alarmiert hatte. Die Zeugin war an diesem Morgen damit beschäftigt gewesen, auf der anderen Straßenseite Umzugskartons in die neue Wohnung ihres Bruders zu schleppen.

Urplötzlich hatte sie dabei bemerkt, dass aus einer der Mülltonnen vor dem Brandhaus Rauch aufstieg. „Ich bin dann sofort nach oben gerannt, um mein Handy zu holen“, erinnerte sich die Frau am Mittwoch im Hagener Landgericht.

Passant filmte das Feuer

Wieder unten angekommen, machte die Zeugin sogleich Bekanntschaft mit einem anderen Passanten. Der aber nutzte sein Telefon nicht, um damit Hilfe zu alarmieren. Stattdessen hatte er die Kamera eingeschaltet und nahm die ganze Feuer-Szenerie auf. „Den habe ich natürlich sofort angemeckert“, sagte die Zeugin. Noch bevor die Feuerwehr kam, sei der Mann dann wieder verschwunden.

Der Angeklagte nahm von der ganzen Vernehmung nur wenig Notiz. Fast teilnahmslos saß der 50-jährige Castrop-Rauxeler da und würdigte kaum einen Zeugen eines Blickes. Seine Verteidiger haben bereits am ersten Verhandlungstag erklärt, dass sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen äußern wolle.

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Bei der Festnahme am Abend des Tattages hatte der Verdächtige dagegen etwas gesagt. Nachdem Bilder aus einem Überwachungsvideo öffentlich gemacht worden waren, die einen Mann mit zwei Hunden und auffälliger Kleidung in der Nähe der Müllcontainer zeigten, hatten Zeugen am Hauptbahnhof einen Mann ausfindig gemacht, auf den diese Beschreibung zutraf.

„Ich habe ihn dann mit dem Vorwurf konfrontiert“, erinnerte sich die damals eingesetzte Polizistin am Mittwoch (11.12.) vor Gericht. „Er behauptete allerdings sofort, er wäre doch gar nicht in der Innenstadt gewesen.“

Verdächtiger am Bahnhof festgenommen

Bei nochmaligem Nachfragen habe der Castrop-Rauxeler dann aber doch noch eingeräumt, an dem Brandhaus gewesen zu sein. In dem „Tunnel“ zum Hauseingang habe er jedoch keineswegs einen Müllcontainer angezündet. „Er sagte, er habe da hingepinkelt, weil er nicht wusste, wohin er sonst hätte gehen sollen“, so die Polizistin.

Bei dem Brand war ein Sachschaden von rund 70.000 Euro entstanden – vor allem an der Hauselektrik. Die Wohnungen und eine am Haus befindliche Moschee waren zeitweise unbenutzbar gewesen.

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