An frischer Luft bei wenigen Grad über 0 traf sich die Bürgerinitiative mit Dorfbewohnern am Center, um die Frage nach den Strommasten und -leitungen zu besprechen. © BI Nicht über unseren Köpfen
Bürgerinitiative

Castrop-Rauxeler Dorf hofft: „Wir könnten alle Strommasten loswerden“

Ein Abend, der Hoffnung macht: 90 Minuten informierte und diskutierte am Dienstagabend die Bürgerinitiative „Nicht über unseren Köpfen“. Unterm Strich stand ein angriffslustiger Plan.

Es waren „nur“ 35 Menschen da. Oder angesichts der aktuellen pandemischen Lage „sogar“ 35, das ist Auslegungssache. Aber am Ende des Informations- und Diskussionsabends der Bürgerinitiative „Nicht über unseren Köpfen“ stand ein angriffslustiger Plan gegen Amprion, ein Unternehmen, das sich bislang überhaupt nicht kompromissbereit zeigte.

Viele Castrop-Rauxeler werden denken: Es juckt mich nicht, was in Pöppinghausen passiert. Die fast 1000 Bewohner des Dorfes am nordwestlichen Stadtrand zu Herne betrifft es dagegen sehr stark in ihrem eigenen Lebensumfeld: Sie sind umgeben von Strommasten, einige Leitungen führen durch das Dorf zum Umspannwerk, das sich ebenfalls direkt am Dorfrand befindet.

In Zukunft sollen hier wegen der Energiewende neue Höchstspannungsleitungen verlaufen, die das Bundes-Stromnetz braucht. Doch wo lang es genau gehen soll, darüber streiten die Bewohner seit Jahren mit dem Bauherrn Amprion.

Neuer Angriff ab Anfang 2022

Beim Treffen vereinbarte man laut Gabriele Winkelkotte, einer Pöppinghauserin aus dem Leitungsteam der BI, man wolle das Planfeststellungsverfahren nutzen, um weiter auf Angriff zu gehen. Man werde unterstützt vom Bundestagsabgeordneten Frank Schwabe (SPD), von Bürgermeister Rajko Kravanja, vom BUND und der Stadtbaurätin Bettina Lenort, berichtete der BI-Vorstand den 35 Gästen am Center.

Dann stellte man die BI-eigene Alternativplanung vor: „Es würden keine neuen Betroffenheiten entstehen, keine Leitungen über Wohnhäuser gehen, die neue 380-kV-Leitung würde über bestehende Trassen ums Dorf herum geführt, ebenso die 220-kV-Leitung – nicht wie im Amprion-Plan mitten durch das Dorf“, so Winkelkotte. „Das bedeutet eine erhebliche Entlastung für die Menschen.“

Amprion beantworte die Vorstöße der BI immer mit denselben Sprüchen. „Wir erkennen gar nicht, dass sie darauf eingehen. Aber letztendlich werden sie das irgendwann müssen“, meint Winkelkotte am Tag nach dem Treffen. „Denn wenn das Planfeststellungsverfahren im ersten Quartal 2022 läuft, können die Bürger Einwände äußern. Da wird von uns eine Menge kommen.“

Pöppinghausen auf einem Bild aus 2020 aus der Luft: Die Stromleitungen und -masten sind im Dorf und ums Dorf herum, das Umspannwerk nimmt eine große Fläche ein.
Pöppinghausen auf einem Bild aus 2020 aus der Luft: Die Stromleitungen und -masten sind im Dorf und ums Dorf herum, das Umspannwerk nimmt eine große Fläche ein. © RVR 2020 Aerowest © RVR 2020 Aerowest

Man werde von einem Fach-Juristen aus Berlin, Rechtsanwalt Philipp Heinz, beraten. „Er hat Ahnung und meint: Unser Vorschlag ist plausibel, zukunftsfähig und ohne viel großen Aufwand machbar“, so Winkelkotte.

Ein Mast mehr und viele Halter und Leiterseile

Die Bürger seien angetan gewesen vom Vorschlag der BI. Entsetzt seien sie hingegen gewesen, als deutlich wurde, „dass es einen Mast mehr geben würde und dass sie einen Blick auf 47 Halter und Leiterseile aus dem Dorf haben werden. Keiner versteht, warum Amprion bei unserem Plan nicht anbeißt. Aber wir haben die Stadtverwaltung hinter uns und kämpfen.“

Ihr Plan sehe vor, dass nur noch die 110-kV-Leitungen im Dorf verblieben, alles andere drumherum laufen würde. Und die 110 kV „könnte man sogar als Erdleitungen verlegen, dann wären alle sieben Masten raus aus unserem Dorf“. Einem, das in der Tat optisch geprägt ist von den Strommasten und -leitungen. „Aber Amprion macht dicht“, so Winkelkotte. „Sie sagen, dass sie mit uns positiv zusammenarbeiten wollen, aber es sieht so aus, als wollten sie immer nur eine lästige Fliege zur Seite schlagen.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen der Medienwelt seit der Jahrtausendwende.
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Tobias Weckenbrock

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