Im Sportforum in Castrop-Rauxel trainieren die Sportler weiterhin - trotz der Kosten für Coronatests. © Marcel Witte
Corona-Regeln

Castrop-Rauxeler Fitnessstudio kritisiert teures Testen: „Das Leben fehlt“

Der Staat bezahlt Coronatests nicht mehr. Castrop-Rauxeler Fitnessstudios verlieren Kunden wegen der 3G-Regel. Während ein Betreiber sich eine Aufhebung wünscht, sind andere sogar froh.

Die 3G-Regel ist für viele zum Alltag geworden. Fast nichts geht mehr ohne den Nachweis einer Impfung, einer überstandenen Infektion oder eines negativen Coronatests. Wer geimpft oder genesen ist, hat im Normalfall damit kein Problem. Doch für nicht immunisierte Personen ist das Testen nicht nur aufwendig, sondern seit einiger Zeit auch teuer. Seit dem 11. Oktober 2021 sind Coronatests für alle, die sich auch impfen lassen könnten, kostenpflichtig.

Für den gelegentlichen Besuch im Restaurant mag sich die Investition noch lohnen. Doch bei regelmäßigem Training im Fitnessstudio wird das Testen schnell zur finanziellen Belastung. In einigen Castrop-Rauxeler Studios macht sich das auch stark bemerkbar.

Besucherrückgang seit Oktober

Etwa im Frauen-Fitnessstudio „In Shape“ (Münsterstraße 3) in der Castroper Altstadt. Seit Oktober werde es deutlich weniger besucht, sagen die Betreiber. Der vermutete Grund: Viele Sportlerinnen wollen sich weder impfen lassen noch mehrfach pro Woche Geld für Corona-Tests bezahlen.

Eine ähnliche Entwicklung nimmt auch Timo Schermuly, Inhaber des No Limit Gym in Ickern (Recklinghauser Straße 110), wahr. Die Anzahl der Besucher sei „die letzten Monate definitiv zurückgegangen“, berichtet er. Erklären lasse sich das zwar zum Teil mit einem für diese Jahreszeit üblichen Nachlassen der Motivation bei einigen Sportlern. Doch Schermuly hält auch die kostenpflichtigen Tests für eine Ursache des Besucherschwundes. „Manche können sich das wahrscheinlich nicht mehr leisten“, vermutet er.

„Leben im Studio fehlt“

Finanzielle Folgen für ihn als Betreiber gebe es hingegen bislang noch nicht. Niemand habe sich aufgrund der 3G-Regel abgemeldet. Die Leute zahlen weiter, sie kommen nur nicht mehr.

Je nachdem wie lange die aktuelle Situation noch anhält, könnte sich das ändern. Doch auch so vermisst Schermuly die Besucher. „Das Leben im Studio fehlt einfach“, sagt der Inhaber. Er sei deswegen dafür, die 3G-Regel wieder abzuschaffen.

Testkosten nicht zwingend ein Hindernis

Der Blick in andere Castrop-Rauxeler Fitnessstudios zeigt aber auch: 3G und kostenpflichtige Tests müssen nicht zwangsläufig zu einem Besucherrückgang führen.

Im Fitnessplace in Henrichenburg (Industriestraße 19-21) etwa seien zwar auch einige Leute weggeblieben. Andere hätten sich hingegen impfen lassen, um den Testkosten zu entgehen. Auch das Studio von All Inclusive Fitness (Herner Straße 95) ist dank Impfungen weiterhin gut besucht. „Über 90 Prozent der Mitglieder sind durchgeimpft“, verrät Mitarbeiterin Andrea Patzer.

Michael Hülsmann, Inhaber von Body Street auf dem Biesenkamp in der Castroper Altstadt, sei ebenfalls komplett vom Besucherrückgang verschont worden. Bei ihm gebe es fast nur noch Geimpfte. Und „die wenigen, die sich testen lassen müssen, testen sich, egal wie teuer das ist“, so Hülsmann.

Trotz zusätzlicher Kosten: Gesundheitstraining hat Priorität

Sich mit den Regeln arrangieren und trotzdem Training zu ermöglichen, das ist auch die Devise von Johannes Langer, Leiter des Sportforums Castrop-Rauxel an der Bahnhofstraße. „An zusätzlichen Kosten soll es nicht scheitern, dass man an seinem Körper arbeitet“, findet er. Gerade in Zeiten der Pandemie müsse doch die „Wichtigkeit und Priorität des Gesundheitstrainings“ hervorgehoben werden. Deshalb rufe man im Sportforum gezielt die Leute an, um sie zum Training zu holen.

An den gesetzlichen Maßnahmen wie der 3G-Regelung, so Langer, könne man sowieso nichts ändern. Viel mehr sei er froh, unter bestimmten Bedingungen überhaupt ein Training anbieten zu können. In seinem Fitnessstudio, sagt er, sei allerdings auch kein Rückgang der Besucherzahlen wahrzunehmen.

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.