Mit dem Thema Fahrerflucht musste sich das Castrop-Rauxeler Amtsgericht nun gleich zweimal auseinandersetzen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Prozess

Castrop-Rauxeler Richter verhandeln gleich zwei Mal über Fahrerflucht

Fahrerflucht ist immer wieder ein Thema für das Castrop-Rauxeler Amtsgericht. Jetzt standen gleich zwei Fälle zur Verhandlung an. Freuen durfte sich ein völlig Unbeteiligter.

An diesen Tag wird sich die 63-jährige Castrop-Rauxelerin noch lange erinnern, die im März unbedingt zum Friseur wollte. Man erinnere sich – nach langen Wochen der Corona-bedingten Schließung durften die Friseure ihrem Handwerk endlich wieder nachgehen.

Doch für die Frau wurde der Vormittag richtig teuer. Beim Links-Abbiegen auf der Vinckestraße krachte es, sie hatte einem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt genommen. Doch anstatt zu halten, fuhr sie davon. „Blackout“, nannte sie ihr Verhalten rückblickend.

Neben der Spur

„Ich war völlig überfordert“, sagte die Fahrerin, die vorher auf 44 unfallfreie Jahre hinter dem Steuer zurückblicken konnte. Sie sei nach dem Unfall erst in Richtung Friseur gefahren und habe dann gewendet. Weil sie aber in der Nähe des Unfallortes keinen Parkplatz gefunden habe, sei sie wieder zurück, um den Friseurtermin abzusagen.

Weil sie bei diesen Manövern außer Sichtweite des Unfallortes war, war der Tatbestand der Unfallflucht gegeben, so die Polizei. Die vermerkte, dass der Friseurtermin das alles beherrschende Thema war. „Ich war vollkommen neben der Spur“, gab die Fahrerin nun zu. Den verursachten Schaden über 2437 Euro hat ihre Versicherung beglichen. 500 Euro an die Dortmunder Verkehrswacht zahlt sie, das Verfahren wurde eingestellt.

Ohne Verurteilung konnte auch ein 47-jähriger Österreicher den Gerichtssaal verlassen. Ihm wurde vorgehalten, im Mai mit seinem Mercedes auf der Wartburgstraße einen Blechschaden verursacht, sich aber dennoch entfernt zu haben. Obwohl er dies laut seiner Aussage nicht direkt getan hat.

„Als ich aus der Parklücke fuhr, gab es ein kleines Rucken“, sagte er. Vermutete einen Buckel im Asphalt oder eine Berührung mit dem dahinterstehenden Fahrzeug. „Deshalb bin ich ausgestiegen und habe nachgeschaut.“ Weder an seinem noch an dem anderen Fahrzeug habe er eine Spur entdecken können, sei deshalb losgefahren.

Kollision bestätigt

Zwei Tage später dann ein Anruf der Polizei, der der Vorfall gemeldet worden war. Hatten die Beamten den Schaden bei Inaugenscheinnahme auf rund 1200 Euro geschätzt, beliefen sich die Reparaturkosten letztlich auf 4800 Euro. Durch eine Partikelmessung wurde die Kollision der beiden dunklen Fahrzeuge bestätigt, so die Anklageschrift weiter.

Auch diesen Schaden hat die Versicherung des Angeklagten reguliert. Für ihn bleibt nun die Überweisung von 1000 Euro an die Verkehrswacht. Damit konnte der 47-Jährige eine Verurteilung ebenfalls abwenden.

Ein guter Tag war das Ganze also nur für die Dortmunder Verkehrswacht, bescherte ihr doch das Castrop-Rauxeler Amtsgericht Einnahmen von 1500 Euro. Unfreiwillige Spenden, sozusagen.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
Zur Autorenseite
Avatar

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.