Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Castrop-Rauxel starten am Freitag mit den Abitur-Prüfungen. © Volker Engel
Abitur 2021

Castrop-Rauxeler Schulleiter im Abi-Interview: „Dieser Jahrgang hat es am schwersten“

Am Freitag startet das Abitur in NRW. Der Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums spricht über Sorgen der Schülerinnen und Schüler - und erklärt, warum sie trotz Corona gut vorbereitet seien.

Reifeprüfung nach über einem Jahr Pandemie samt Distanzunterricht und Schulausfall – unter diesen Vorzeichen stehen die Abitur-Klausuren, die in NRW an diesem Freitag (23. April) starten. Dr. Friedrich Mayer, Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Castrop-Rauxel über die Sorgen und die Prüfungsvorbereitung der Abiturienten.

Herr Dr. Mayer, wie geht es Ihren Abiturientinnen und Abiturienten nach mehr als einem Jahr Pandemie?

Wir befinden uns in einer schwierigen Situation, keine Frage. Ich denke aber, dass sich jeder nach und nach an diese Lage gewöhnt hat. Und ich weiß von meinen Kolleginnen und Kollegen, dass viele Schüler in den letzten Tagen vor dem Abitur gar nicht das Bedürfnis verspürt haben, noch einmal in die Schule zu kommen. Sie haben, so nehme ich es wahr, eine pragmatische Haltung entwickelt.

Wie hat Ihre Schule versucht, die Schülerinnen und Schüler bestmöglich, aber eben unter Corona-Bedingungen auf die Abschlussklausuren vorzubereiten?

Wir haben allen Abiturienten angeboten, weiterhin in die Schule zu kommen. Ansonsten kommt noch die Q1, die restlichen Jahrgänge sind im Distanzunterricht. Und grob gesagt ist es ja so: Anfang des Jahres sollte man mit seinem Abiturstoff durch sein, vor Ostern wird wiederholt.

Eventuell wurde mancher Stoff in den Monaten zuvor nicht so erlernt, wie er erlernt werden sollte. Dafür allerdings sind die Klausuren ja auch zu einem gewissen Teil entschärft worden. Dass eventuell Lücken entstanden sind wird dadurch kompensiert.

Im Fach Deutsch etwa haben die Schülerinnen und Schüler eine Aufgabe mehr zur Auswahl, in anderen Fächern können die Lehrkräfte eine Vorauswahl treffen. Die Abitur-Prüfungen wurden zudem um neun Tage verschoben. Sind diese Erleichterungen ausreichend?

Aus meiner Sicht schon. Das bedeutet ja, dass zur Not ein ganzer Lehrbereich, ein ganzes Kapitel weggelassen werden kann – ohne dass die Schüler in eine Falle tappen und nicht wissen, wie sie diese oder jene Frage beantworten sollen. Und das ist der richtige Weg. Wir müssen einen pragmatischen Weg wählen in dieser Pandemie-Situation, die sich ja niemand ausgesucht hat.

Also hätten Sie es nicht befürwortet, wenn noch mehr Erleichterungen beschlossen worden wären?

Dass sich manche Eltern oder Schüler das womöglich gewünscht haben, kann ich nachvollziehen. Es darf aber nicht sein, dass am Ende von einem Abitur zweiter Klasse die Rede ist. Man muss sagen können, dass es ein Abitur unter erschwerten Bedingungen war und man den Schwierigkeiten dieser Zeit Rechnung getragen hat.

Wenn man damit anfangen würde, große Teile des Curriculums herauszunehmen, hielte ich das für bedenklich. Die Forderungen gingen ja sogar so weit, ganz auf die Abitur-Prüfungen zu verzichten und allein auf Basis der Vorleistungen das Abitur zu vergeben. Das wäre aus meiner Sicht grundfalsch gewesen.

Dr. Friedrich Mayer, Schulleiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums, hat keine großen Sorgenfalten auf der Stirn, doch er warnt. © EBG © EBG

Die Vorbereitung auf die diesjährigen Abitur-Klausuren ist jetzt zu großen Teilen davon abhängig, wie gut der Distanzunterricht geklappt hat. Und wie gut das Lernen zu Hause möglich war. Ist beides gelungen?

Wir waren in der komfortablen Situation, dass wir schon vor der Corona-Pandemie den Ausbau der digitalen Infrastruktur vorangetrieben hatten. Der gesamte siebte Jahrgang wird jedes Jahr mit iPads ausgestattet, auch in den höheren Klassen haben sich viele iPads angeschafft.

Mit einer Cloud haben wir Videokonferenzen gemacht, Aufgaben eingestellt. Das war zu Beginn etwas etwas holprig, hat sich aber gut eingespielt. Wir setzen den kompletten Stundenplan um, nicht nur ein paar Stündchen – und das in allen Jahrgängen. Wichtig ist außerdem: Die Abiturienten haben die Disziplin und die Selbständigkeit. Insofern denke ich, dass sie gut vorbereitet sind.

Und wie ist das Stimmungsbild in der Schülerschaft selbst? Nehmen Sie keine Sorge oder Angst wahr, dass der aktuelle Jahrgang schlechter dastehen könnte als die vorangegangenen?

Als Schulleiter bekomme ich das mit, was direkt bei mir ankommt – und was mir zugetragen wird. Rückmeldungen, in den von Sorgen oder Ängsten berichtetet wird, halten sich in engen Grenzen. Wenn irgendetwas schief läuft, sind ganz schnell zehn, fünfzehn Mails im Postfach. Derzeit ist es recht ruhig. Natürlich sind die Abiturienten angespannt, das sind sie immer. Ich meine allerdings nicht, dass in unserer Schülerschaft Panik herrscht.

Verstünden Sie die denn?

Ja, absolut. Andere Abiturjahrgänge hatten es leichter, keine Frage. Selbst der 2020er-Jahrgang musste nicht mit solchen Widrigkeiten umgehen. Die Schüler damals konnten weitgehend ohne Probleme die Oberstufe durchlaufen. Der diesjährige Jahrgang hat es mit Abstand am schwersten.

Andererseits kann ich im Hinblick auf die Umsetzung an der Schule und die entschärften Klausuren sagen: Leute, macht euch keinen großen Kopf. Vielleicht habt ihr den einen oder anderen Inhalt nicht erlernt. Alles in allem wird das aber schon werden.

Über den Autor
Volontär
Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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Leon Elspaß