Deniz Demirci vor seinem Haus in Castrop-Rauxel. Seit fast zwei Jahren ist es nicht mehr bewohnbar. © Carlotta Vogelpohl
Hausrenovierung

Castrop-Rauxeler verliert Verständnis: Keine Baugenehmigung seit 16 Monaten

Den Traum vom eigenen Haus kann sich Deniz Demirci nicht erfüllen. Seit knapp anderthalb Jahren wartet der Castrop-Rauxeler auf eine Baugenehmigung der Stadt. Jetzt reicht es ihm.

Als Deniz Demirci im November 2019 entscheidet, in das Haus an der Nordstraße zu ziehen, erahnt er die Probleme der nächsten Jahre noch nicht. In der Euphorie des anstehenden Neuanfangs verkauft er damals schon seine bisherige Bleibe. Doch die hätte er eigentlich noch gebraucht: bis heute.

Die Mieter seines Hauses an der Nordstraße ziehen damals aus. Damit ist alles bereit für die Renovierung der Immobilie. Eine Garage, ein Windfang sowie der Ausbau des Wohnzimmers sollen dem Haus einen neuen Glanz verleihen.

Im Zuge der Renovierung sucht sich Demirci eine Mietwohnung. Auf Zeit. Zumindest war das der Plan. Denn fast zwei Jahre und fünf abgelehnte Baugenehmigungen später verweilt er weiter auf seinen angemieteten 40 Quadratmetern. Ungewollt und wütend.

„Mir werden immer wieder neue Steine in den Weg gelegt“

Seinen ersten Bauantrag reicht Demirci im Mai 2020 beim Bauamt in Castrop-Rauxel ein. Das ist Pflicht und typische Praxis ab einem gewissen Umfang der Umbauten. Die erste Absage erhält der Heizungsbaumeister mit eigener Firma einen Monat später: Sieben Mängel werden darin aufgeführt, die Demirci in seiner Bauplanung ausbessern soll.

Deniz Demirci tut, wie ihm aufgetragen wird. Meint er. Doch Ende September kommt ein weiteres Schreiben mit neuen Mängeln. Auch diese behebt er, sagt Demirci, jedoch ohne Erfolg.

Ein Jahr später hat er jetzt bereits seinen sechsten Bauantrag gestellt. Fehlende Unterlagen habe er jedes Mal nachgeschickt und angeführte Mängel behoben, sagt der Installateur gegenüber unserer Redaktion.

In jeder neuen Ablehnung seien jedes Mal neue Begründungen angeführt worden, die das Bauamt ihm vorher nicht genannt habe, behauptet der Heizungsbaumeister. Und klagt: „Warum schickt man mir keine komplette Mängelliste?“

Personalmangel als Begründung

Um Antworten zu bekommen, wendet sich der Heizungsbaumeister direkt an die zuständige Sachbearbeiterin im Rathaus sowie an den Bereichsleiter von Stadtplanung und Bauordnung. Mehrfach, denn auf einige Anrufe und E-Mails habe er keine Antworten erhalten.

In einer E-Mail erklärt ihm die Behörde, dass „aufgrund von langen Personalengpässen (…) die Bearbeitung von Bauvorhaben derzeit leider nicht so zügig“ erfolge. In einer anderen E-Mail erklärt seine Sachbearbeiterin weiter, dass seine Bauanträge umgeplant werden müssten. Dafür müsse der Antrag verschiedene Stationen durchlaufen – und das brauche nun mal Zeit.

Seine Unzufriedenheit könne man verstehen, gleichwohl würde man um Verständnis bitten. Das versucht Deniz Demirci dem Bauamt auch lange entgegenzubringen. Als Selbstständiger wisse er, wie schwer es ist, wenn das benötigte Personal fehlt, sagt er unserer Redaktion.

Inzwischen ist so viel Zeit vergangen, da falle es ihm jedoch zunehmend schwer, Verständnis aufzubringen. Denn die Wartezeit hat einen Haken: Sie belastet ihn doppelt.

Finanziell und seelisch belastend

Als im November 2019 die Mieter aus dem Haus an der Nordstraße ausziehen, fällt Deniz Demirci eine Einkommensquelle weg. Seither ist das Haus nicht mehr bewohnbar. Durch die Miete in der Übergangswohnung fallen weitere Kosten an. „Das ist unheimlich ärgerlich. Ich habe doppelte Kosten und komme dabei noch nicht mal vorwärts.“

Auch seelisch sei es eine Belastung. „Natürlich geht mir das an die Substanz. Eigentlich würde ich ja schon längst in meinem Haus leben“, sagt er.

Hilferuf an Bürgermeister

In seiner Verzweiflung suchte Demirci vor mehr als einem Monat Kontakt zu Bürgermeister Kravanja. Mit Erfolg. In einem persönlichen Telefonat drückt dieser sein Verständnis aus, berichtet Demirci. Die Corona-Situation und Personalmangel seien der Grund. Kravanja verspricht ihm, mit dem Bauamt zu sprechen.

Das tat er wohl auch, aber Demirci wartet immer noch. Jetzt wandte er sich in seiner Verzweiflung an unsere Redaktion. Weil er vermutet, nicht der einzige zu sein, dem es so geht.

Die Pressestelle der Stadt, die wir mit dem Sachverhalt konfrontieren, begründet die lange Bearbeitungsdauer von Bauanträgen grundsätzlich auch mit dem Mangel an Fachpersonal. Auf den konkreten Fall könne man nicht näher eingehen. Aber, so Sprecherin Maresa Hilleringmann: Jeder Bürger habe die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen.

Aufgeben will Deniz Demirci nicht, sagt er. Wie er weiter vorgehen will, weiß er noch nicht genau. Aber: „Jede Woche schreibe ich meiner Sachbearbeiterin eine E-Mail.“ Aktueller Stand: Antwort ausstehend.