Castrop-Rauxeler wegen Kinderpornos vor Gericht

Fast 5000 Fotos auf dem Computer

Er war ganz wild auf Skorpione, Erdnattern und Co sowie auf die dazu gehörigen neun Terrarien. Die holte sich der heute 37-Jährige vor rund acht Jahren aus der Wohnung eines Verstorbenen. Und dazu holte er sich aus der Wohnung noch etwas ins Haus, das noch heute das Strafgericht beschäftigt.

CASTROP-RAUXEL

, 11.08.2015, 17:23 Uhr / Lesedauer: 1 min

Auf dem Computer, den der 37-jährige Angeklagte nach eigenen Angaben nur zum Musikhören genutzt hat, waren, wie Jahre später festgestellt wurde, insgesamt fast 5000 kinderpornografische Fotos gespeichert. Von der übelsten Sorte. Zur Anzeige gebracht hatte das vor vier Jahren die ehemalige und heute wieder aktuelle Lebenspartnerin.

"Davon habe ich nichts gewusst. Ich habe zwar mal herumgeklickt, solche Bilder sind mir aber nie begegnet", erklärte der Angeklagte. Als der gebrauchte Computer Mucken machte, auf Anraten eines Freundes eine externe Festplatte gekauft, um die Daten von diesem kopieren und so sichern zu lassen.

Viele Fragen noch offen

Eine Anzeige gegen ihn und ein erstes Verfahren vor Gericht hatten weitreichende Folgen. Der Mann verlor aufgrund der Vorwürfe sogar seine Arbeitsstelle, wurde Hartz IV-Empfänger. Jetzt hat er einen neuen Job, doch das alte Verfahren lastet ihm immer noch an. Und wirft viele Fragen auf, vor allem technischer Natur. Waren die verbotenen Fotos versteckt, und wenn, dann wo? Das mutmaßt der Verteidiger des Angeklagten.

Ein umfangreiches Gutachten eines Experten soll in dem neuen Hauptverfahren Aufschluss geben. Dazu will sich das Gericht eine 1:1-Spiegelung der fraglichen Festplatte im Gerichtssaal ansehen - erklärt von dem Experten. Dazu soll auch der Kollege angehört werden, der damals für den Angeklagten den PC-Inhalt auf die externe Festplatte kopiert hatte.

Zeugen tauchten nicht auf

Ein weiterer Grund, die Hauptverhandlung in zwei Wochen fortzusetzen: Keiner der geladenen Zeugen ist am Dienstag erschienen. Und weil zwei von ihnen, der Kollege, der den Verstorbenen kannte und die Wohnung mit entrümpelte, sowie die Anzeigenerstatterin wohl nicht freiwillig kommen, sollen sie von der Polizei vorgeführt werden. 

Lesen Sie jetzt