Castrop-Rauxeler Ludwig K. (87) vermisst: „Unsere Welt steht still”

Die Polizei sucht weiter nach einem 87-jährigen Castrop-Rauxeler. Auch die Angehörigen des Vermissten suchen seit Wochen verzweifelt nach dem 87-Jährigen.
Die Polizei sucht weiter nach einem 87-jährigen Castrop-Rauxeler. Auch die Angehörigen des Vermissten suchen seit Wochen verzweifelt nach dem 87-Jährigen. © Polizei
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Knapp drei Wochen ist es nun her, als sich das Leben von Christina Danilow um 180 Grad gedreht hat: „Unsere Welt steht momentan still”, sagt die Castrop-Rauxelerin. Seit dem 14. Mai gilt ihr Großonkel als verschwunden.

Wie die Polizei bestätigt, ist der 87-jährige Ludwig K. an diesem Tag mit seinem Auto aufgebrochen. Das Ziel: Der Trödelmarkt an der Universität in Dortmund. „Das gehörte zu seinem festen Programm an jedem Samstag”, erzählt die Großnichte.

Auf Trödelmarkt gesehen worden

Um etwa 10 Uhr sei er hier auch zum letzten Mal gesehen worden: „Die Händler haben uns bestätigt, dass er auf jeden Fall da war”, sagt Danilow. Schließlich würden ihren Großonkel dort mittlerweile viele Menschen kennen.

Doch danach verliert sich jede Spur von ihm. Sowohl der Castrop-Rauxeler als auch sein Fahrzeug gelten als verschwunden.

„Immer gedacht, so etwas passiert uns nicht”

„Ich habe immer gedacht, so etwas passiert uns nicht”, sagt seine Großnichte. Seit ihrer Kindheit lebe sie mit ihren Eltern und Ludwig K. gemeinsam in einem Zweifamilienhaus.

Als der 87-Jährige am 14. Mai nicht nach Hause gekommen ist, sei die Familie sofort nervös geworden: „Es musste etwas passiert sein, weil mein Großonkel ein sehr zuverlässiger und sortierter Mann ist”, sagt Danilow.

Vermisster ist als zuverlässig bekannt

Samstags sei Ludwig K. demnach immer um spätestens 13 Uhr zu Hause gewesen, weil gegen 14 Uhr sein Mittagsschlaf auf dem Programm stehe. „Er hat sein gesamtes Leben von vorne bis hinten durchgeplant”, sagt Danilow.

Seinen Alltag habe der Castrop-Rauxeler sogar in einem Notizbuch festgehalten: „Egal wann und wo, er schreibt sich immer auf, was er gerade gemacht hat“, erzählt sie.

Letzte Notiz vom Tag des Verschwindens

Der letzte Eintrag stamme vom 14. Mai um 9.45 Uhr: „Losfahren zum Trödelmarkt”. Danach seien die Seiten leer. Das Notizbuch liege — wie alle anderen persönlichen Gegenstände von Ludwig K. — noch in seinem Zimmer, schildert seine Großnichte.

Seit knapp drei Wochen bestehe das Leben der Familie nun aus Suchen und Warten: „Wir fahren fast jeden Tag zur Uni in Dortmund und grasen dort jede Ecke ab”, sagt Danilow. Auch sämtliche Krankenhäuser habe die Familie schon angerufen.

„Seit Wochen schlaflose Nächte”

„Ein Mensch kann mit seinem Auto nicht einfach so verschwinden”, sagt Danilow. Zudem sei Ludwig K. gesund und nehme keine regelmäßigen Medikamente ein.

Für die Großnichte sei er „eine Art bester Freund” gewesen: „Egal bei welchem Problem, er hatte immer eine Lösung parat”, erzählt Danilow. Die ganze Familie habe einen engen Bezug zu dem Vermissten gehabt.

Besonders ihr Vater leide nun stark unter der Situation: „Er hat seit Wochen schlaflose Nächte, weil wir einfach nicht wissen, was mit meinem Großonkel passiert ist.”

„Wir drehen jeden Stein um”

Auch die Polizei habe derzeit noch keine neuen Erkenntnisse: „Die Ermittlungen laufen weiter”, erklärt Corinna Kutschke von der Pressestelle der Polizei im Kreis Recklinghausen. Dabei werde vor allem nach neuen Informationen gesucht: „Wir drehen jeden Stein um”, so Kutschke.

Ludwig K. war zuletzt mit einem grünen Skoda Fabia mit dem Recklinghäuser Kennzeichen RE-LK3435 unterwegs. Der Vermisste hat weiße Haare und eine kräftige Statur und ist etwa 1,70 bis 1,75 Meter groß. Bekleidet war er bei seinem Verschwinden wohl mit einer grauen Jeans und einem „irischen Schlägerkäppi”, so die Polizei.

Wer Angaben zum Aufenthaltsort des Vermissten machen kann, sollte sich unter Tel. 0800 2361 111 an die Polizei wenden.