Bürgermeister Kravanja hält „kleinen“ Corona-Lockdown für möglich

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In seiner Facebook-Sprechstunde am Montag hat Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja vor einer unkontrollierten Corona-Verbreitung gewarnt. Alle müssten sich am Riemen reißen.

Castrop-Rauxel

, 27.10.2020, 09:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Stunden stand Bürgermeister Rajko Kravanja am Montagabend den Bürgern von Castrop-Rauxel bei Facebook zur Verfügung. Etwa zwei Drittel der Facebook-Sprechstunde, die per Livestream ins Internet übertragen wurde, drehten sich um das Coronavirus und die Maßnahmen zur Eindämmung desselben. Wir fassen die zentralen Corona-Aussagen des Bürgermeisters hier zusammen:

„Wir haben im Moment eine 150er-Inzidenz. Wir sind das dreifache Risikogebiet, wenn man so will. Schon bei der 50er-Marke, die wir vor etwa 14 Tagen geknackt haben, gibt es strengere Maßnahmen. Die Maßnahmen haben aber immer zwei, drei Wochen Verzögerung. Wenn wir uns jetzt nicht wirklich alle am Riemen reißen, wird es noch schlimmer werden. Das ist der Grund, warum die Kanzlerin Mittwoch (28.10., d. Red.) wieder mit den Ministerpräsidenten zusammensitzt.

Es sind nach wie vor die privaten Feiern. Im Frühjahr war der Wert die Zahl der Betten in den Krankenhäusern unser Nadelöhr. Jetzt sind es die Gesundheitsämter, die die Infektionsketten nachvollziehen sollen. Es ist zum Teil so, dass wir die nicht mehr nachvollziehen können. Dann haben wir aber ein weiteres Problem.“

Das sagt der Bürgermeister zu...

  • der Frage nach einem zweiten echten Lockdown: „Dort, wo Masken getragen und Abstand gehalten wird, überträgt sich das Virus weniger. Dort, wo die AHA-Regeln nicht eingehalten werden, passiert das Gros an Infektionen. In Kirchen, in Restaurants, im Theater ist es bisher ruhig.“ Er persönlich schließe zwar einen „Riesen-Lockdown“ aus, einen „kleinen Lockdown“ aber nicht: Kontakte in der Öffentlichkeit oder Kontaktsportarten zu reduzieren. Wenn der Wert zehn Tage lang über 50 liege, seien die Städte angehalten, weitere Maßnahmen zu treffen.
  • der Frage nach Sonntagsöffnungen der Läden im Advent: „Am Ende ist es eine Frage der Händlerschaft. Die in Castrop hat sich früh positioniert und würde das eher weniger gern machen.“ In etwa zwei bis drei Wochen werde man noch Gespräche führen.“
  • Hamsterkäufen: „Das ist doch wirklich absurd. Wir haben aus der ersten Krise gelernt, dass keiner verhungert oder sich den Popo anders abputzen muss. Da bitte ich einfach, den gesunden Menschenverstand einzuschalten.“
  • Einführung der Corona-Schnelltests: Die ersten Schnelltests seien in Pflegheimen angekommen. Allerdings könnten sie zwar Besuche in den Heimen erleichtern, „sie ersetzen aber keinen vernünftigen Test“.
  • Schließung von Sportstätten wie in Bochum: Kravanja sagte zwar, man habe das „nicht auf der To-Do-Liste diese Woche“. Aber am Mittwoch träfen sich die Bürgermeister im Kreis „und müssen dann weitere Maßnahmen beschließen“. Er gehe davon aus, dass „sicher im Laufe der Woche noch ein Zeichen von uns oder von Kanzlerin und Ministerpräsidenten zu Regelungen im Freizeitsport“ kommt. Dabei gehe es aber um „zielgerichtete Maßnahmen: „Auf dem Sportplatz selbst, wo nur kurzer Kontakt besteht und an der frischen Luft, ist das Ansteckungs-Risiko geringer. Aber in der Umkleide ist es hoch.“ Deshalb: „Da wird es Maßnahmen geben, aber eben kein komplettes Verbot von Kontaktsport.“
  • Corona und die Schulen: Stadtweit funktioniere in jedem Klassenraum das Lüften, „nur an der Martin-Luther-King-Schule gab es eine unterschiedliche Deutung“. Die Kombination von Maskenpflicht mit regelmäßigem Lüften könne man in der kalten Jahreszeit „nicht schönreden, das ist Mist“. Aber wenn man beispielsweise stattdessen die Klassen verkleinere, „dann müssen Schüler zu Hause bleiben, dann haben wir wieder das Betreuungs- und Technikproblem.“ Deshalb: Wenn das Ziel sei, den Regelbetrieb zu erhalten, sei die Regel, 20 Minuten zu unterrichten und 5 Minuten zu lüften, die Lösung. „Das oberste Ziel ist: Schulen und Kitas sollen nicht dicht machen.“
  • möglichen Versäumnissen der Entscheider im Sommer: „Jeder wusste, dass die 2. Welle kommt. Alle wurden überrascht, dass sie so früh kommt. Gedanken haben sich alle gemacht, aber es ist schwer, Lösungen zu finden.“ Man könne nicht auf jemanden mit dem Finger zeigen. „Alle tun ihr Bestes, auch über Partei-Couleur hinweg.“
  • Maskenpflicht-Kontrollen und privatem Verhalten: „Wir haben eine Vielzahl an Kontrollen, auf Sportplätzen am Wochenende, abends die Hotspots, die Fußgängerzonen. Wir machen Schwerpunktkontrollen, haben zum Beispiel die Schließzeiten 23 Uhr kontrolliert. Wir tun das Beste, aber können nicht überall sein.“ Er selbst habe die Feier eines 40. Geburtstags nicht besucht: „Es ist die falsche Zeit, feiern zu gehen. Die privaten Feten, die machen’s.“
  • Sperrstunde: „Im Restaurant sitzt weniger die Zielgruppe, die die Sperrstunde treffen soll. Es geht eher um die Leute, die am Tresen sitzen. In der Altstadt geht es erst abends los, und dann ist Heidewitzka. (...) Man kann aber nicht trennen, was Kneipe und was Restaurant ist. Die Sperrstunde 23 Uhr hat man bewusst gewählt, um Restaurants das Geschäft zu ermöglichen. Man schafft es, bis 23 Uhr ein Abendessen im Restaurant zu sich genommen zu haben. Man will eher die Kneipen treffen als die Restaurants.“
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