Die Abitur-Klausuren in NRW starten am Freitag. Eine Schülerin aus Castrop berichtet. © Privat
Abitur 2021

Castroper Abiturientin: „Wir haben kein schönes, gemeinsames Ende gefunden“

Am Freitag starten die Abitur-Prüfungen. Eine Castroper Abiturientin berichtet, wie die Vorbereitung in der Corona-Zeit lief, was ihr Sorgen bereitet - und sie persönlich schmerzt.

Lucia Meier (17) vom Castroper Adalbert-Stifter-Gymnasium ist dabei, wenn am Freitag (23.4.) die Abitur-Prüfungen in NRW beginnen. Hier berichtet sie, welche Herausforderungen ihre Stufe im vergangenen Jahr wegen des Coronavirus bewältigen musste, warum sich viele ihrer Freundinnen und Freunde Sorgen machen – und was sie richtiggehend schmerzt:

Wenn ich an die bald anstehenden Abitur-Prüfungen denke, habe ich gemischte Gefühle. Einerseits fühle ich mich ganz gut vorbereitet, andererseits bin ich mir sicher, dass einiges zusammenkommen muss, damit alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. Die Zeit, die wir im vergangenen Jahr verloren haben, die bekommen wir schließlich nicht zurück. Einige Inhalte haben wir schlicht und ergreifend nicht erlernt – wir Abiturientinnen und Abiturienten gehen zwangsläufig mit Lücken ins Abi.

Zu Beginn der Corona-Zeit waren die Schulen für mehrere Wochen geschlossen. Für uns alle war es damals eine neue Situation, wir mussten uns erst mal zurechtfinden, wussten nicht genau, wann und wie die Schulen wieder öffnen. Und dass uns Stoff, den wir in diesen Wochen vor rund einem Jahr nicht erlernt haben, jetzt so stark fehlen könnte, daran habe ich – um ganz ehrlich zu sein – nicht gedacht.

Ich war in diesen Monaten oft draußen, hatte auch nicht die Motivation, mich jeden Tag aufs Neue an den Laptop zu setzen, um selbstorganisiert vor mich hin zu lernen. Wie groß die Lücke, die sich da auftat, mal werden könnte, war mir nicht klar. Erst kürzlich, als ich mir genau vor Augen führte, was ich fürs Abi können muss, ist mir das bewusst geworden. So geht es vielen meiner Freundinnen und Freunde. Manche haben durchaus die Sorge, dass sie es nicht schaffen könnten.

Die Politik hat uns in manchen Fächern als Ausgleich eine Themen-Auswahlmöglichkeit mehr zugestanden, und trotzdem ist eine gewisse Unsicherheit in der Stufe bemerkbar. Auch ich hoffe natürlich sehr, dass ich zumindest ein Thema auf meinem Aufgabenzettel wiederfinden werde, mit dem ich mich gut und sicher fühle. Dabei ist mir das Lernen nie so richtig schwergefallen. Ich bin recht fleißig, ehrgeizig, will so viel aus mir herausholen, wie es geht. Und trotzdem ist da diese Lücke.

Diese Wissenslücke, die nicht gestopft werden kann. Denn dass das Abitur in diesem Jahr um neun Tage verschoben wurde, bringt uns in diesem Punkt rein gar nichts. Ja, die neun Tage konnten wir gut nutzen, um den Stoff zu wiederholen. Allerdings war das auch dringend notwendig. Bis kurz vor den Osterferien wurden wir schließlich noch mit neuen Lehrinhalten beladen, konnten erst in den Osterferien damit beginnen, all das Erlernte noch einmal aufzufrischen.

Ganz klar: Die Zeit ist für Abiturienten in diesem Jahr knapp. Knapper als sonst. Ich hoffe, dass das alles gut geht. Zumal wir das vergangene Schuljahr – mal abgesehen von diesen Unterrichtsthemen, die wir nicht beziehungsweise nicht ausreichend behandeln konnten – sehr gut hinter uns bekommen haben. Der Distanzunterricht war zunächst eine sehr große Umstellung, zu Beginn gab es auch häufig technische Probleme. Nach und nach allerdings wurde es immer besser.

Abitur 2021: Keine Mottowoche, kein Abi-Ball

Selbst der Hybrid-Unterricht hat ganz am Ende ohne Probleme funktioniert. Einige Schülerinnen und Schüler saßen also in der Schule, die anderen schalteten sich von zu Hause dazu. Und so lernten wir, diskutierten – weitgehend problemlos. Unsere Lehrer haben sich dabei immer viel Mühe gegeben. Als zu Anfang der gesamte Unterricht ins Digitale verfrachtet werden musste, drehten sie Erklärvideos für uns. Über mangelndes Engagement der Schule kann ich mich also ganz und gar nicht beklagen.

Die Arbeitsatmosphäre war darüber hinaus sehr angenehm. Sie hat nicht nur zwischen den Schülerinnen und Schülern gepasst, sondern auch zwischen uns und den Lehrerinnen und Lehrern. Gerade deshalb schmerzt es vielleicht so sehr, dass wir kein schönes, gemeinsames Ende gefunden haben. Ich hatte kürzlich meine letzte Englisch-Stunde – und konnte es gar nicht richtig begreifen, weil nach Unterrichtsschluss einfach der Laptop zugeklappt wurde. Und ich zu Hause saß.

Sowohl die Mottowoche als auch den Abi-Ball werden wir nicht erleben dürfen. Es ist schlicht nicht möglich – und das ist natürlich sehr, sehr schade. Diese Zeit wird nicht wiederkommen. Und auf all die Feiern oder auf die Zeit während der Mottowoche haben wir uns natürlich von Anfang an gefreut. Es sollte der krönende Abschluss werde. Der wird uns fehlen. Genauso wie vielen Abiturientinnen und Abiturienten im vergangenen Jahr.

Jetzt aber konzentriere ich mich erst einmal auf die Prüfungen. Danach will ich Medizin studieren. Und vielleicht, ganz vielleicht treffen wir als Stufe ja noch einmal zusammen. Der eine oder andere Lehrer kam schon auf uns zu und schlug vor, dass wir ein großes, gemeinsames Grillfest veranstalten könnten, wenn es die Zeit und das Coronavirus erlaubt. Darüber würde ich mich sehr freuen. Es wäre doch ein ganz würdiger Abschluss der Schulzeit, wenn auch mit etwas Verspätung.

Über den Autor
Volontär
Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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Leon Elspaß