Christopher Barfuß hat eine Leidenschaft: Rum. Den trinkt er nicht, er sammelt ihn. Und weil seine Sammlung so umfangreich und wertvoll ist, hat er ihr ein eigenes Zimmer gewidmet.

Castrop-Rauxel

, 27.07.2018, 16:24 Uhr / Lesedauer: 5 min

Havana Club ist eine Marke für kubanischen Rum und wurde 1934 auf den Markt gebracht. Nachdem das französische Unternehmen Pernod Ricard ab 1993 den internationalen Vertrieb übernommen hat (Joint Venture), ist der Absatz des Rums weltweit stark gestiegen. Bacardi hat daraufhin die Markenrechte der im Exil lebenden Familie Arechabala in den USA erlangen können und verkauft dort einen Rum unter gleichem Namen. In Europa und vor allem Deutschland sind der Añejo 3 Años und der Añejo 7 Años die meistverkauften Produkte von Havana Club.

Eigenes Zimmer für die Sammlung

Und Havana Club Rum ist es, der es Christopher Barfuß angetan hat. Der 31-jährige Rauxeler hat in seinem Haus sogar ein eigenes Zimmer für seine Rumsammlung. „Früher war Rum ja das typische Seefahrergesöff, sagt Barfuß. „Die Engländer haben damit sogar bis nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Soldaten ruhiggestellt. Rum war verpönt.“ Heute ist das anders. Spirituosen wie Whisky und Gin sind schon seit Jahren wieder beliebt und bei den Preisen gibt es kaum Grenzen nach oben. Beim Rum ist es ähnlich. Doch Christopher Barfuß sammelt nur eine Marke: Havana Club.

Christopher Barfuß hat für seine Havana-Club-Sammlung ein eigenes Zimmer

Ein eigenes Zimmer hat Christopher Barfuß für seine Rumsammlung. Die Regale an den Wänden hat er selbst aus Paletten hergestellt. © Ann-Kathrin Gumpert

Nach zwei Reisen nach Kuba, in denen er nach eigener Angabe gar keine wirkliche Berührung mit Rum hatte, interessierte er sich zunächst für kubanische Geschichte. Dabei spielt natürlich auch die Rumproduktion eine wichtige Rolle. So stieß er auf die Firmengeschichte von Bacardi und Havana Club. „Doch die von Havana Club war unvollständig und in Teilen widersprüchlich“, sagt Barfuß. Das faszinierte ihn. Vor allem die Zeit vor der Revolution sei nur lückenhaft dargestellt – also die Zeit vor 1959.

Der Ursprung von Havana Club ist eng mit dem Namen José Arechabala verbunden. Der gebürtige Baske kam 1862 im Alter von 15 Jahren von Spanien nach Kuba. 1878 gründete er die Rumdestillerie La Vizcaya in Cárdenas, in der später der Havana Club gebrannt werden sollte. In den Folgejahren wuchs der Absatz der Destillerie stetig an. 1921 schloss sie sich mit anderen Destillerien aus dem Ort zu einer Gesellschaft namens José Arechabala S.A. zusammen.

Besuch beim Enkel des Firmengründers

Doch als der erste Havana Club gebrannt wurde, war Firmengründer José Arechabala schon tot. Christopher Barfuß fängt 2014 an, Rum von Havana Club zu sammeln. Durch Kontakte im Netz lernt er den Urenkel von José Arechabala kennen – Pepo Arechabala. Der lebt mit seiner deutschen Frau auf Mallorca. 2017 besucht Christopher Barfuß ihn und verbringt zwei Tage mit ihm. „Da haben wir beschlossen, gemeinsam eine Firmenbiografie zu schreiben“, sagt Barfuß stolz. Kontakte im Netz sind es auch, die seine Sammlung schnell und stetig wachsen lassen – auf heute etwa 200 Flaschen.

Die große Wende in der Unternehmensgeschichte kam 1960, als das Unternehmen José Arechabala S.A. infolge der marxistischen Prinzipien der Revolutionäre um Fidel Castro verstaatlicht und dem Staatsunternehmen Cubaexport einverleibt wurde. Die bisherige Eigentümerfamilie Arechabala emigrierte nach ihrer entschädigungslosen Enteignung nach Spanien und Florida.

Homepage als Showroom

Christopher Barfuß beginnt, die komplette Sammlung auf einer Homepage vorzustellen. „Das war, bevor ich dafür ein eigenes Zimmer hatte“, sagt Barfuß. „Die Homepage war sozusagen mein Showroom.“ Denn die Flaschen lagerten in Kisten. Durch die Homepage ändert sich einiges. „Ich musste nicht mehr andere Sammler anschreiben, die haben jetzt mich angeschrieben“, sagt Barfuß. Auch so wächst die Sammlung weiter. Denn die meisten Menschen, die ihn kontaktieren, wollen wissen, wie viel ihre Flasche Rum wert ist – und sie dann verkaufen. So wie eine Frau aus Schweden. Im Keller ihres Vaters, der Seefahrer war, fand sie eine Flasche Havana Club von 1947. Jetzt ist sie im Besitz von Christopher Barfuß.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die Havana Club Rumsammlung

10.07.2018
/
Christopher Barfuß hat die passende Flasche zur Werbeanzeige aus den 70er-Jahren im Regal.© Ann-Kathrin Gumpert
Der Inhalt dieser "Havanna Club"-Flasche ist besonders wertvoll. Nur ein halber Liter Rum befindet sich in der Vier-Kilo-Flasche.© Ann-Kathrin Gumpert
In der Sammlung von Christopher Barfuß finden sich auch Barschecks der Firma Jose Arechabala SA, die später Havanna Club hergestellt hat.© Ann-Kathrin Gumpert
In der Sammlung von Christopher Barfuß befindet sich auch ein privates Fotoalbum der Familie von Jose Arechabala.© Ann-Kathrin Gumpert
Die Firma Jose Arechabala SA hat zunächst ihr Geld mit Zuckerrohrplantagen verdient. Christopher Barfuß hat Original-Säcke, in die früher der Zucker abgefüllt wurde.© Ann-Kathrin Gumpert
In seinen Regalen versteckt sich so manche Rum-Rarität.© Ann-Kathrin Gumpert
Die Rumsammlung von Christopher Barfuß umfasst mittlerweile etwa 200 Flaschen.© Ann-Kathrin Gumpert
"Es gibt Rumflaschen, die sind wegen ihres Inhalts besonders wertvoll und es gibt Rumflaschen, die wegen ihrer historischen Bedeutung einen hohen Wert haben", sagt Rumsammler Christopher Barfuß.© Ann-Kathrin Gumpert
Ein eigenes Zimmer hat Christopher Barfuß für seine Rumsammlung. Die Regal an den Wänden hat er selbst aus Paletten hergestellt.© Ann-Kathrin Gumpert
In der Sammlung von Christopher Barfuß befindet sich auch ein privates Fotoalbum der Familie von Jose Arechabala.© Ann-Kathrin Gumpert
In der Sammlung von Christopher Barfuß befindet sich auch ein privates Fotoalbum der Familie von Jose Arechabala.© Ann-Kathrin Gumpert
Was aussieht wie eine Bar, ist der Hobbyraum von Rumsammler Christopher Barfuß.© Ann-Kathrin Gumpert

Ein Hobby, in das Christopher Barfuß viel Zeit investiert. „In der Woche kostet mich das etwa 10 bis 15 Stunden“, sagt Barfuß. Zeitaufwand, der sich lohnt. Denn ohne die Homepage wäre die Sammlung heute nicht so umfangreich.

Das Geburtsjahr der Marke Havana Club ist 1934. In diesem Jahr verkaufte die Destillerie erstmals Rum unter diesem Namen. Gleichzeitig begann der Export in die USA. Im selben Jahr wurde an der Plaza de la Catedral im Zentrum Havannas die Havana Club Bar eröffnet, die ein internationales Publikum anzog.

Doch jetzt wird es immer schwieriger, die Sammlung zu erweitern. „Ich dachte irgendwann, ich habe alle Flaschen, aber es tauchen immer wieder neue auf“, sagt Barfuß. Seltener als früher, aber ab und an schon. „Von der offiziellen Serie, die auf Kuba hergestellt wurde, kenne ich alle, aber mir fehlen noch zwei oder drei.“ Auch Flaschen aus der Sowjetunion.

1973 lief der Markenschutz von Havana Club, die sich im Besitz der Familie Arechabala befand, aus. Da diese die Markenrechte nicht verlängerten, meldete Cubaexport die Marke in 70 Ländern neu an. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Rum hauptsächlich in die Warschauer Pakt-Staaten exportiert, davon allein 70 Prozent in die UdSSR. Ein Verkauf in den USA ist seit der Revolution wegen des US-Embargos gegen Kuba ausgeschlossen.

Rum in Wodkaflaschen

Als ihn jemand aus Russland kontaktiert und ihm eine Flasche Havana Club Rum anbietet, glaubt er zunächst an eine Fälschung. „Der Rum wurde in eine Wodkaflasche gefüllt, das sah unecht aus“, sagt Barfuß. Auch dieses Original ist heute Teil der Sammlung von Christopher Barfuß. Doch woran erkannt der Sammler eigentlich, ob die Flasche echt ist? „Wenn mir jemand eine Flasche von 1935 anbietet und die ist noch genauso voll wie nach der Abfüllung, kann das schon nicht sein“, sagt Barfuß. Denn eine Flasche verliert im Laufe der Jahre an Inhalt – auch, wenn sie nie geöffnet wurde.

Denn auf Kuba gibt es keine Keller und die Luftfeuchtigkeit ist dort bekanntermaßen sehr hoch. „Flaschen aus den Zeiten, in denen noch nicht exportiert wurde, sind sehr rar. Die Kubaner haben den Rum nicht lange gelagert, sondern getrunken“, sagt Barfuß. Rum sei schließlich ein Massenprodukt gewesen, das nicht teuer war. Es gab also keinen Grund für Kubaner, die Flaschen zu behalten.

Flasche gehörte dem deutschen Konsul

Auch die Banderole an der Flasche ist ein Indiz für die Echtheit der Flasche. Die gibt es aber nicht immer. Ein weiteres Indiz: In den meisten Flaschen ist am Boden die Jahreszahl eingearbeitet. Christopher Barfuß helfen zunächst Fotos der Flasche, am besten auch Detailaufnahmen. „Daran kann ich schon einiges ablesen“, sagt der Sammler. Ihn interessiert aber auch die Geschichte hinter der Flasche. So wie die Flasche „Havana Club Extra Aged Dry 7 years old Extra Sec Vieilli“ aus den frühen 70er-Jahren, die von 1969 bis 1978 dem deutschen Konsul auf Kuba gehörte.

Deutschland hat sich mittlerweile zum Hauptabsatzmarkt von Havana Club entwickelt. Mittlerweile wird Havana Club in 125 Ländern vertrieben. 2000 wurde mit der Fundación Havana Club in der Altstadt von Havanna ein Museum eröffnet, das sich dem Unternehmen und seinen Produkten widmet

Hausbar ohne Havana Club

Neben der großen Sammlung hat Christopher Barfuß in seinem Rum-Zimmer noch eine Hausbar. In der stehen die Rum-Sorten, die der Sammler gerne trinkt. „Der dreijährige Havana Club ist ja eher ein guter Gebrauchsrum für Cocktails“, sagt Barfuß. „Zwei Drittel der Flaschen trinken aber eher meine Gäste. Ich trinke Rum lieber gemischt und dafür wären die teuren Flaschen pure Verschwendung. Mir schmeckt Rum einfach nicht so gut, dass ich dafür 250 Euro pro Flasche zum Trinken ausgeben würde.“ Und die Flaschen aus seiner Sammlung rührt der 31-Jährige sowieso nicht an, auch wenn die meisten Flaschen eher historischen Wert haben.

In San José wurde 2007 eine weitere Destillerie eröffnet, die laut Firmenangaben 66 Mio. US-Dollar gekostet hat. Sie ist mit einer Kapazität von 12.000 Flaschen pro Stunde eine der größten Destillerien der Welt. In ihr wird ausschließlich brauner Rum hergestellt. Der Verkauf in den USA ist auch weiterhin ausgeschlossen.

Das sind die nächsten Tastings im Schiffshebewerk Henrichenburg: 20. Juli: Gin-Tasting ab 19.30 Uhr dreht sich alles um verschiedene Gin-Sorten, von Old Tom bis fassgereiftem Gin, Kosten: 25 Euro 26. Oktober: Whisky Tasting ab 19.30 Uhr stellt Sebastian Büssing rauchige und vom Torffeuer geprägte Whiskys vor. Kosten: 29,90 Euro 14. Dezember: Die große Welt der Spirituosen Ob Rum, Gin, Whisky oder Brandy, Sebastian Büssing präsentiert die gesamte Bandbreite an Spirituosen. Kosten: 25 Euro Für alle Tastings ist eine Anmeldung erforderlich: Unter Tel. (02363) 9707-0 oder per E-Mail an schiffshebewerk@lwl.org
Lesen Sie jetzt