An den Schulen in Castrop-Rauxel, hier das Adalbert-Stifter-Gymnasium (ASG), startete am 15.3. ein Wechselunterricht in allen Jahrgangsstufen. © Patricia Böcking
Coronavirus

Corona-Angst: Schließen die Schulen in Castrop-Rauxel doch schon wieder?

Dortmund geht voran: Die Angst vor einer dritten Corona-Welle führt dazu, dass die Stadt die Schulen wieder schließen will. Das Land lehnt das aber ab. Und dem will der Kreis Recklinghausen folgen.

Alle Schulen in NRW sind seit Montag wieder für Präsenzunterricht geöffnet. Zwar kommen die Schüler in Wechselschichten, sodass nur etwa die Hälfte der Schulgemeinde Tag für Tag zusammen kommt. Aber die dritte Corona-Welle rollt unaufhörlich. Die Inzidenzen steigen im Land, im Kreis Recklinghausen und in Castrop-Rauxel.

Die große Nachbarstadt Dortmund ging am Dienstagmittag (16.3.) in die Offensive. Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) leistete sich einen heftigen Affront gegen die schwarz-gelbe Landesregierung. Westphal gab bekannt, er habe in einem Schreiben ans Schulministerium angekündigt, ab Mittwoch die Schulen in Dortmund zu schließen.

„Wenn das Ministerium es so nicht mitmachen will, müsste es uns das mitteilen, sonst werden wir das tun“, hatte Westphal am Mittag nach einer Sitzung des Dortmunder Verwaltungsvorstands verlautbaren lassen.

Das Land gab seine klare Antwort am Nachmittag via Pressekonferenz. Landes-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erklärte, die Schulen blieben vorerst geöffnet, mindestens solange die Inzidenz unter 100 liege. Laumann meinte, eine Kommune sollte bei wachsenden Inzidenzen zum Infektionsschutz erst einmal darlegen, „was sie sonst tut – nicht direkt die Schulen schließen“.

Corona-Lage in Castrop-Rauxel und Dortmund ist vergleichbar

In Castrop-Rauxel ist die Corona-Lage zu der in Dortmund vergleichbar. Das zentrale Problem ist nicht nur der Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz insgesamt, sondern vor allem die Entwicklung in den unteren Altersgruppen.

Die ist besonders alarmierend: In keiner Altersgruppe ist die Zahl der Infektionen derzeit so hoch wie bei den 10- bis 19-Jährigen, also den Kindern und Jugendlichen im weiterführenden Schulalter. Sie liegt kreisweit Stand Dienstag bei 119, vor genau einer Woche stand sie noch bei 45. Sie liegt damit heute 40 Punkte über der Inzidenz aller Altersklassen.

Zwar gelten Menschen in den jungen Jahren generell als nicht besonders gefährdet für schwere Verläufe von Covid-19. Aber die Strategie der Bundes- und Landesregierung sowie der Kommunen und Kreise ist ja nach wie vor eigentlich, die Zahl der Ansteckungen möglichst gering zu halten. Darum hatte man erst für diese Woche Schnelltests in allen Schulen angekündigt.

Jeder Schüler sollten sich ursprünglich einmal pro Woche selbst testen können. Mittlerweile heißt es nur noch, es solle einen Selbsttest „bis zu den Osterferien“ geben. Letzter Schultag vor den Ferien ist der 26. März. Die Tests lagen allerdings in den Castrop-Rauxeler Schulen noch nicht vor, geschweige denn ein Test-Konzept oder Antworten auf andere organisatorische Fragen, zum Beispiel eine möglicherweise notwendige Einwilligung der Eltern.

Aus dem Castrop-Rauxeler Rathaus war am frühen Nachmittag nichts zu hören außer dieser eine Satz von Bürgermeister Rajko Kravanja: „Auskünfte dazu erteilt in Absprache mit uns nur der Kreis Recklinghausen.“ Die Stadt Castrop-Rauxel arbeite eng mit dem Kreis zusammen, so Sprecherin Nicole Fulgenzi. „Entscheidungen wie in Dortmund würden wir nur in Absprache mit dem Kreis treffen.“

Und der Kreis? Was sagt der? „Wir wissen und beobachten natürlich, was die Nachbarkommunen machen, aber warten hier aufs Land NRW“, sagt Sprecherin Lena Heimers am Dienstagnachmittag auf Anfrage unserer Redaktion. „Im Kreis Recklinghausen gibt es zwar einzelne Fälle an Schulen und Kitas, aber noch keine großen Ausbruchsgeschehen, die Treiber der Zahlen sind.“ Und sie sagt auch: „Wir wären sehr an einer landeseinheitlichen Regelung interessiert.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen der Medienwelt seit der Jahrtausendwende.
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Tobias Weckenbrock

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