Ab 1. Februar sollen die über 80-Jährigen geimpft werden - allerdings nur im Impfzentrum in Recklinghausen. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Corona-Impfung: So schnell sind wir, so schnell müssten wir sein

Über 6000 Menschen im Kreis Recklinghausen sind bisher gegen das Coronavirus geimpft. Der Kreis hat 615.000 Einwohner. Sind wir schnell genug im Kampf gegen die Pandemie? Eine Modellrechnung.

Der 27.12.2020 war ein historischer Tag im Kreis Recklinghausen: Damals wurde in Marl die erste Person gegen das Coronavirus geimpft. Am 14.1.2021 war die erste Marke erreicht: Seit Donnerstag ist 1 Prozent der Bürger des Kreises geimpft.

Zwar nur „erstgeimpft“, eine hohe Immunisierungswahrscheinlichkeit von um die 95 Prozent erreicht man laut Hersteller Biontech/Pfizer erst mit der Auffrischungsimpfung gut drei Wochen nach der ersten Spritze. Aber immerhin: Die Immunisierung unserer Gesellschaft nimmt Fahrt auf. Aber wie schnell ist sie? Wie schnell müsste sie eigentlich sein? Fragen und Antworten.

Wie schnell sind wir aktuell?

Innerhalb der ersten 20 Tage der Impfzeit wurde 1 Prozent der Bürger im Kreis Recklinghausen erstmals geimpft. Wollte man auf 60 Prozent Impfquote kommen, müsste man in diesem Tempo 60 mal 20 Tage impfen, also 1200 Tage. Wenn man bedenkt, dass es zu der Erstimpfung noch eine Zweitimpfung braucht, um den Immunschutz zu verfestigen, wäre man in einer Modellrechnung in diesem Impftempo bei 2400 Tagen. Das entspräche sechseinhalb Jahren. Bis zum 1. Oktober hätten wir bei diesem Tempo 13 Prozent Impfquote erreicht.

Was ist, wenn das Impfzentrum und Impfstoffe weiterer Unternehmen hinzu kommen?

Geht man in einer zweiten Modellrechnung davon aus, dass ab dem 1. Februar das Impfzentrum in Recklinghausen seine Arbeit aufnimmt und direkt auf Voll-Auslastung geht, und dass mobile Impfteams und Ärzte weiterhin in Pflegeheimen unterwegs sind, kommt man auf 2000 Impfungen im Impfzentrum und die bisher etwa 300 Impfungen in den Heimen, also 2300 Impfungen im Kreis Recklinghausen pro Tag.

Im Februar (28 Tage mit je 2300 Impfungen) könnten also weitere 64.400 Menschen geimpft werden. Gehen wir davon aus, dass am 1. Februar etwa 10.000 Impfungen schon verabreicht sein werden, lägen wir Ende Februar bei 75.000 Impfungen, einer Impfquote von 12,2 Prozent.
Nimmt man nach Abschluss der Impfungen durch mobile Teams (These: Ende Februar könnte die Arbeit in Pflegeheimen abgeschlossen sein) nur noch die 2000 täglichen Impfungen im Impfzentrum vor, schafft man ab dem 1. Februar bis zum 1. Oktober 490.000 Impf-Vorgänge. Da man auch hier von zwei Impfungen pro Person ausgehen muss, kann man so neben den rund 10.000 Heimbewohnern und Altenpflegern 245.000 Menschen versorgen, etwa 40 Prozent der Kreisbevölkerung.

Wie viele Impfungen bräuchten wir, um im Oktober 2021 weitgehende Herdenimmunität durch Impfen erreicht zu haben?

Wenn wir bis zum 1. Oktober, also in knapp 260 Tagen, 60 Prozent der Kreisbevölkerung, also 370.000 Menschen, zweimal geimpft haben wollen (also 740.000 Impfvorgänge), dann müssten wir ab sofort täglich, auch am Wochenende und an Feiertagen, 2900 Impfungen vornehmen.
Bleibt die Hoffnung auf die Impfung aller, die sich impfen lassen wollen, zu einem späterem Zeitpunkt über das Hausärzte-Netzwerk. Ein Plan, der vor allem mit dem leichter zu handelnden Impfstoff von Astrazeneca wahrscheinlich wird: Sie könnten ihre Patienten, die zu Hause gepflegt werden, beim Hausbesuch und alle Menschen ohne höhere Impf-Priorität in der eigenen Praxis impfen. Es gibt keine Kühlketten- oder Behandlungsprobleme.
So werden Jahr für Jahr auch rund 10 Millionen Menschen gegen Influenza geimpft, ein Virus, das jedes Jahr soweit verändert ist, dass es jedes Jahr einen neuen Impfstoff dagegen gibt.
Fazit:Wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, ist die Immunisierung zu bewältigen, allerdings nur mit einer extremen Kraftanstrengung.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock