Corona-Krise: Altenpfleger aus Castrop-Rauxel schreibt Mutmacher-Song

rnMarkus Malchow

Mit seinem improvisierten Song will Markus Malchow Mut machen. Er ist mehr als eine stumpfe Durchhalteparole. Dem Musiker und ausgebildeten Altenpfleger ist der Ernst der Lage völlig klar.

Castrop-Rauxel

, 02.04.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Musiker Markus „Marlow“ Malchow aus Castrop-Rauxel hat spontan einen Mutmacher-Song zur Coronakrise geschrieben und veröffentlicht. Normalerweise musiziert er in Altersheimen, Seniorenresidenzen sowie in Krankenhäusern mit Bewohnern und Patienten. Doch solche Auftritte sind inzwischen nicht mehr wie gewohnt möglich. Mit viel Abstand zum Publikum spielt er nun wieder – draußen, vor den Gebäuden.

In der Zwischenzeit war Malchow einige Tage zur Untätigkeit verdammt. Sein Mutmacher-Song zur Coronakrise mit dem Titel „Auf ein Wiedersehen“ entstand unterdessen in den heimischen vier Wänden.

„Eigentlich wollte ich nur ein wenig am Keyboard üben“, sagt Malchow, „am Sonntag ist dann aber spontan ein Song daraus entstanden.“ Das Keyboard ist für ihn nur ein Nebeninstrument. In Seniorenresidenzen und Krankenhäusern ist er stets mit seiner Gitarre unterwegs und verdient damit seinen Lebensunterhalt.

Markus Malchow ruft zur Eigenverantwortung auf

In seinem Song beschwört er nun die gesellschaftliche Solidarität, ruft zur Eigenverantwortung auf. Und hat auch die Menschen im Blick, die sich nicht zurückziehen können, weil sie beispielsweise in der Pflege oder im Supermarkt gebraucht werden:

„Wir sitzen alle im gleichen Boot,

doch der eine rudert, der andere ruht,

bitte zieht alle an einem Strang,

dann wird die Zeit auch nicht so lang“

Dass „Auf ein Wiedersehen“ ein wenig improvisiert wirkt, gibt Malchow unumwunden zu. „Den Song habe ich ohne Metronom eingespielt, manchmal sind die spontanen Sachen besser. Ich konnte mir auch gar nicht viel Zeit nehmen, da das Thema so aktuell ist.“ Vor Publikum hat er den Song noch nicht gespielt. Wie lange die Coronakrise anhält, vermag er natürlich auch nicht zu sagen.

Und so singt er im Video von Einsamkeit und Sehnsucht. Aber auch davon, dass die Coronakrise wieder vorbei geht. Malchow beginnt gefühlvoll, lässt den Refrain dafür trotzig klingen:

„Wenn du wieder mal allein zu Hause bist,

und dich fragst, wann du wieder Deine Freunde siehst,

Die Sehnsucht nach Zusammensein,

Familie und auch Sportverein.

Dann wird dir klar, wie es einst mal war,

wär es heute, wär es wunderbar,

jetzt denk’ ich nach und sitze hier,

hab’ ich genügend Klopapier?

„Im Grunde ist das ein Hoffnungssong“, erklärt Malchow. Im Refrain gehe es um Dinge, die vor der Coronakrise eigentlich selbstverständlich und alltäglich waren: Kneipe, Kino, Theater. Und Schulbildung für Kinder und Jugendliche.


„Doch ich weiß, dass wir uns wieder sehen,

zusammen durch die Straßen gehen,

alle Bars geöffnet, Restaurants.

Disco und Theatertanz,

mit den Kumpels einen Trinken gehen,

im Kino einen Film ansehen,

dass die Kinder in die Schule gehen,

die Läden wieder offen stehen.“

Zeilen mit Empathie für isolierte Menschen

Nach dem wohl unvermeidlichen Klopapier-Gag am Ende der ersten Strophe, widmet er sich ganz den Menschen, die besonders unter der aktuellen Situation zu leiden haben. Einsamen Senioren und Krankenhauspatienten, die ihre Angehörigen derzeit nicht treffen dürfen:

„Doch jetzt sind all die Kranken,

alten Menschen ganz allein,

in Quarantäne, Krankenhaus und im Altenheim,

Die Familie hält zusammen,

sie ist nah und doch so fern.“

Derzeit muss Markus Malchow große Distanz zum Publikum wahren. Dennoch bekam er Applaus von den Balkonen und musste mehrere Zugaben spielen.

Derzeit muss Markus Malchow große Distanz zum Publikum wahren. Dennoch bekam er Applaus von den Balkonen und musste mehrere Zugaben spielen. © privat

Bevor sich Malchow mit seinem Unternehmen „Musicare“ selbstständig machte, absolvierte er eine Altenpflegerausbildung. Er weiß also um die Sorgen und Nöte seines Stammpublikums. Daher ist Malchow froh, zumindest im Außenbereich mancher Einrichtungen wieder spielen zu dürfen. „Jetzt bin ich wieder ganz gut gebucht, aber ich bin auch vom Wetter abhängig. Wenn es nun den kompletten April regnet, habe ich nichts.“

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Markus Malchow hat zwei sehr unterschiedliche musikalische Linien. Als Markus spielt er für Patienten und Heimbewohner. Unter dem Pseudonym Marlow hat er ganz andere Titel im Repertoire. Wir haben ihn Von Christian Püls

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