Coronakrise: Förderschul-Leiterin aus Deininghausen in Sorge

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Die Schulen sind seit mehr als zwei Wochen geschlossen. Muss man sich um das Wohl der Kinder sorgen? Die Befürchtungen einer Castrop-Rauxeler Schulleiterin gehen eher in eine andere Richtung.

Castrop-Rauxel

, 30.03.2020, 16:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Hans-Christian-Andersen-Schule in Deininghausen ist seit zwei Wochen geschlossen. Fünf Wochen frei im Frühjahr, nur die Schulleiterin, die Stellvertreterin und die Sekretärin sind überhaupt da. Sind Probleme zu befürchten durch die lange Schul-Auszeit?

Alle Kinder, die in Deininghausen zur Schule gehen, werden im Schwerpunkt Sprache speziell gefördert. Einige andere Kinder haben Lernschwierigkeiten. Es gehen Schüler aus allen gesellschaftlichen Schichten in die Schule.

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Leiterin Rosie Uysal ist nicht sonderlich beunruhigt, dass das Lernen wegen der Corona-Krise lange unterbrochen sein könnte. Trotzdem wünscht sie sich, dass es nach den Osterferien wieder losgehen kann. Das sagt sie am Montag in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Wird Kinder geben, wo die Eltern überfordert sind

„Es gibt Kinder, die zu Hause sehr gut gefördert werden und das abarbeiten, was wir ihnen an Materialien zum Selbstlernen schicken“, sagt Uysal. „Aber es wird auch Kinder geben, wo die Eltern mit der Situation überfordert sind.

Hier ist die Stadt Castrop-Rauxel mit ihren Hilfen gefordert: „Die Kolleginnen und Kollegen des Bereichs Jugend und Familie sind größtenteils ganz normal im Einsatz“, erklärt auf Anfrage Michael Zemsky, Bereichsleiter Jugend und Familie.

Die telefonische Beratung und der Kontakt mit hilfsbedürftigen Familien werde gehalten. Die Arbeit sei auch ohne die Bedingungen des Coronavirus immer individuell.

Jugendamt: Persönliche Treffen bleiben möglich

In dringend nötigen Fällen treffe man sich weiterhin persönlich. Im Abwägungsprozess um die Sicherstellung des Kindeswohls gebe es in letzter Konsequenz keine Alternative: „Wenn es sein muss, werden Kinder in einer Pflegefamilie oder einer Einrichtung untergebracht“, so Zemsky.

Im Bereich Jugend und Familie steige der Beratungsbedarf nicht, erklärt die Stadt. Für „drängende Fragen, Sorgen und Nöte sind wir in solch dringenden Fällen da“, sagt Regina Kleff, Beigeordnete für Soziales.

Allerdings beziehen sich Rosie Uysals Befürchtungen weniger auf eine Gefährdung des Kindswohls. Sie fürchtet eher, dass Kinder Gelerntes vergessen: Unterrichtsstoff, aber auch Sozialverhalten. „Es geht sicher nicht von ganz vorne wieder los, aber vielleicht müssen wir da tatsächlich einen Schritt zurück gehen“, sagt Uysal.

„Sie brauchen ihre Zeit“

Das gelte gerade für Erstklässler: „Sie brauchen ihre Zeit, um von einem Kindergartenkind zu einem Schulkind zu werden.“ Sie müssten Verhaltensweisen lernen, verstehen, wie sie mit Lehrern und den schulischen Anforderungen umgehen oder Konzentrationsvermögen aufbauen. „Das hat stattgefunden, wir haben Klassenzusammenhalt aufgebaut“, sagt Rosie Uysal.

Für Rosie Uysal, Rektorin der Hans-Christian-Andersen-Schule in Deininghausen, sind besondere Veranstaltungen, vor allem außerschulisch, bis Schuljahresende gestrichen.

Für Rosie Uysal, Rektorin der Hans-Christian-Andersen-Schule in Deininghausen, sind besondere Veranstaltungen, vor allem außerschulisch, bis Schuljahresende gestrichen. Mindestens. © Tobias Weckenbrock

Kontakt halte man über mehrere Kanäle: Kleine Bücher und Arbeitsblätter haben die Lehrer noch vor der Schulschließung per Post verschickt. Und auf der Homepage veröffentlicht Uysal Informationen, was Eltern mit ihren Kindern machen können. Links zu Seiten, wo Kinder etwas üben können. „Das stelle ich als Ideen bereit, wobei ich das auch etwas kritisch sehe: Eltern sollen die Kinder im Internet unbedingt begleiten.“

„Wir machen Angebote“

Einen Hebel zur Verpflichtung von Eltern habe man nicht. „Wir machen Angebote, aber Eltern können nicht wie Lehrer einen Unterricht zu Hause machen“, sagt Uysal.

Sie gehe gerade davon aus, dass sich 90 Prozent der Eltern vernünftig um den Lernstoff der Kinder kümmern. „Viele Eltern legen Wert darauf, dass die Kinder nicht viel vergessen“, sagt Uysal. Die Notbetreuung an der Schule habe bisher noch niemand wahrgenommen. Dennoch müsse man sie gewährleisten. Dafür gibt es einen Bereitschaftsplan.

Seit Montag holt die Schule per E-Mail ein Feedback von den Eltern ein, wie sie die Kommunikation in den vergangenen Wochen empfunden haben. Waren die Informationen ausreichend? Sind die Kinder damit zurecht gekommen? Was würden Eltern sich noch wünschen? „Wir wollen lernen“, sagt Rosie Uysal.

Wandertage, Klassenfahrten Theaterbesuch sind gestrichen

Klar ist schon einmal, dass alle Veranstaltungen bis zu den Sommerferien durch einen Erlass des Ministeriums gestrichen werden: Wandertage, Geschichtsrallye, Theaterbesuch, Klassenfahrten finden in diesem Schuljahr nicht mehr statt.

Und ob es nach den Osterferien normal wieder losgeht, steht ja auch noch in den Sternen. „Ministerin Gebauer war ja aber am Freitag noch ziemlich sicher, dass es dann weiter geht – das würden wir uns auch alle wünschen.“

Im Schulalltag sei aber beispielsweise die Einhaltung der Sicherheitsabstände nicht zu gewährleisten. „Das sind Kinder“, so Uysal. „Wir können nicht in zwei Metern Abstand kommunizieren und alle in eine andere Ecke des Klassenraums setzen.“

Hinweise zu Coronavirus gab es schon vor Schulschließung

Auf vermehrtes Händewaschen und einen Umgang mit der Krankheit habe man schon vor der Schulschließung intensiv hingewiesen: nicht aus einem Becher trinken, oft und gründlich die Hände wachen, ein bisschen mehr Abstand halten, Taschentücher benutzen und sofort wegwerfen.

Aber Hände der Schüler desinfizieren dürfe ein Lehrer zum Beispiel nicht. Wege in der Schule trennen? Verschiedene Schul-Anfangszeiten? Für Uysal gerade schwer vorstellbar. „Aber man weiß ja nie in diesen Zeiten“, sagt sie.

„Selbst wenn Lockerungen kämen“, sagt Uysal: „Das Virus ist ja immer noch da. Wir können es noch nicht ausrotten. Man muss damit sachlich umgehen. Emotionen sind kein guter Ratgeber.“

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