Corona-Lockerungen unverantwortlich oder richtig? Castrop-Rauxeler sind uneins

rnCorona-Umfrage

Masken, Hygieneregeln und Abstände verändern unser Leben seit März. Heute ist wieder viel erlaubt. Darüber, wie sinnvoll die Lockerungen sind, haben die Castrop-Rauxeler verschiedene Ansichten.

Castrop-Rauxel

, 05.07.2020, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf einmal spielt das Coronavirus offenbar gar nicht mehr so eine große Rolle. Mehrere Personen dürfen sich wieder treffen, Gastronomien und Geschäfte sind wieder geöffnet. Zwar gibt es überall noch Regeln. Viele wurden aber im Vergleich zum Beginn der Corona-Pandemie deutlich gelockert.

In einer großen Umfrage unserer Zeitung zeigen sich die Castrop-Rauxeler gespalten, wenn es um die Lockerungen geht. 38 Prozent der 347 Umfrage-Teilnehmer halten die Maßnahmen für unverantwortlich. Ähnlich viele denken, sie sind genau richtig (37 Prozent). 16 Prozent der Befragten denken, die Lockerungen kommen zu spät.

Auch in den freien Antworten spiegelt sich das Abwägen zwischen Lockerungen und Folgen von Maßnahmen wider. So äußert sich ein Teilnehmer der Umfrage:

„Es war/ist schwierig, die sinnvollen Maßnahmen und den Schutz von Kindern (bspw. bei häuslicher Gewalt), die Wahrung der Chancengleichheit (bspw. in Bezug auf Bildung) und das Überleben von kleinen Händlern und Gastronomien unter einen Hut zu kriegen.“

Maßnahmen weitgehend angenommen

Auch wenn die Castrop-Rauxeler sich beim Tempo der Lockerungen nicht einig sind: Die Maßnahmen, die ergriffen wurden, sind für einen Großteil der Befragten angemessen. Masken, Abstand und Desinfektionsmittel werden also grundsätzlich akzeptiert.

Kritik am „Wettbewerb um die Lockerungen“

Für die Geschwindigkeit, in der Beschränkungen wieder aufgehoben worden sind, wurden verschiedene Ministerpräsidenten kritisiert. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wird vorgeworfen, die Lockerungen zu nutzen, um sich politisch zu profilieren. In Castrop-Rauxel stieß das zum Teil übel auf: „Der dumme Wettbewerb um die Lockerungen" wird von einigen Teilnehmern kritisiert.

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Diejenigen, die die Lockerungen für leichtsinnig halten, fürchten sich häufig vor einer zweiten Welle. Wie dieser Leser: „Ich kann die Beschwerden und das Gejammer über die Einschränkungen nicht verstehen. Ich habe aber Angst vor einer zweiten Welle. Die Öffnungen – insbesondere der Schulen und der Grenzen – geht zu schnell [...].“

Lockerungen zur Rettung der Wirtschaft

Geschäfte waren lange geschlossen, Produktionen haben unter den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gelitten. Die Lockerungen werden oft mit den wirtschaftlichen Folgen begründet, die ein zu langer Lockdown haben kann.

Auch in Castrop-Rauxel waren einige Menschen durch die Corona-Krise getroffen. 12 Prozent der Teilnehmer gaben an, in Kurzarbeit zu sein. Was auf den ersten Blick nach wenig aussehen mag, betrifft aber die Existenzgrundlage von etlichen Menschen und Haushalten.

Ein Leser sagt, er habe sein Geschäft acht Wochen schließen müssen und habe keine Einnahmen gehabt. Ein anderer schreibt: „Ich habe meinen Job verloren. Seit drei Monaten kein Geld verdient. Ich habe keine Hilfe bekommen, weil es nur ein 450-Euro-Job war. Das ist nicht richtig.“

Wir sind noch nicht über den Berg

Auch wenn überall gelockert wird, glauben die Castrop-Rauxeler nicht, dass die Krise schon überstanden ist. Weit mehr als die Hälfte der Befragten fürchtet einen Rückfall oder hält einen zweite Welle nicht für unwahrscheinlich.

Angesichts zumindest leicht und regional steigender Infiziertenzahlen könnte diese Sorge nicht ganz unbegründet sein.

Das ist die Corona-Umfrage

In einer Umfrage, die wir am 15. Juni starteten und die über eine Woche lief, befragten wir die Castrop-Rauxel zu ihrer Wahrnehmung und ihrem Verhalten in der Corona-Krise. 347 Castrop-Rauxeler nahmen an der Umfrage teil, die kostenfrei zugänglich war. In einer Serie berichten wir nun Anfang Juli über die Ergebnisse.
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Wir haben die Castrop-Rauxeler gefragt, wie ihr Leben mit dem Coronavirus ist. 347 Menschen haben geantwortet. Hier und im Laufe der Woche analysieren wir die Ergebnisse unserer Umfrage.

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