Coronavirus: Castroper Geschäftsfrau weinte vor ihrem Laden - „Werde ich alles verlieren?“

rnExistenzsorgen

Ihr Beitrag bei Facebook bewegt: Eine Geschäftsfrau aus der Castroper Altstadt hat Donnerstag ihre Gefühle geschildert. Sie weinte vor dem Laden, weil das Coronavirus ihre Existenz bedroht.

Castrop

, 19.03.2020, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man kannte das Fachgeschäft für Kinderschuhe lange unter dem Namen „Dr. Gruber“. Dann benannte Inhaberin Vera Kopitetzki Anfang 2019 den kleinen, aber weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Laden am Biesenkamp um in „Bääähm - die Kinderschuhprofis“. Und jetzt? Jetzt steht das Geschäft wie so viele andere vor einem Corona-K.o.

In einem Facebook-Beitrag ließ die Betreiberin am Donnerstagmorgen nun ihren Gefühlen freien Lauf. „Heute bin ich noch mal im Geschäft, um alles schön aufzuräumen“, schrieb sie. „Jetzt stehe ich an der Tür und habe ein komisches Gefühl im Bauch. (...) Werde ich alles verlieren?“

Kurz vorm Zehnjährigen

Dabei hätte sie am 23. März ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Dafür hatte sie ein kleines Fest geplant. Sie schreibt: „Ich war stolz und glücklich, alle schweren Herausforderungen geschafft zu haben. Die Zukunft sah gut und stabil aus.“

Dazu gehörte der Ausstieg aus der Geschäfts-Kette Dr. Gruber. Denn sie musste stets Lizenzgebühren an dieses Unternehmen zahlen. Diese Kosten konnte sie seither einsparen - und ihre Stammkundschaft verlor sie dadurch nicht.

Seit Donnerstag dunkel: Der Kinderschuhladen Bääähm musste schweren Herzens schließen.

Seit Donnerstag dunkel: Der Kinderschuhladen Bääähm musste schweren Herzens schließen. © Tobias Larisch

Doch wie geht es nun weiter? Bürgermeister Rajko Kravanja weist derzeit immer wieder darauf hin, dass es fatal wäre, wenn die Castrop-Rauxeler noch mehr Waren übers Internet bestellen würden. „Amazon, Zalando und Co. werden sich nicht mit eigenem Engagement und finanziell an der Ausrichtung eines Stadtfestes in Castrop-Rauxel beteiligen“, sagte er in einem Interview mit unserer Redaktion. Man solle die lokalen Einzelhändler auch und gerade in dieser Krise unterstützen, so sein - wiederholt geäußerter - Appell.

„Ich stehe jetzt an der Tür, schaue mich noch mal um und beginne zu weinen“, schreibt Vera Kopitetzki bei Facebook. „Ich weiß ,dass es vielen so geht wie mir, und ich hoffe und bete, dass wir das alles irgenwie überstehen und dann angeschlagen, aber tapfer weitermachen können.“

Nachbarin in ähnlicher Not

Der Beitrag gehört am Donnerstag zu den am häufigsten geteilten und kommentierten in Castrop-Rauxel. Sie bekommt Zustimmung von ihrer Kollegin Simone Hendrich von der Strumpfvitrine nebenan: „Ich bin auch noch im Geschäft und frage mich, wie ich das durchstehe. Die Solidarität an Worten ist überwältigend... ganz lieben Dank an alle dafür! Aber ehrlich: Brot kann ich mir davon auch nicht kaufen.“

„Alles Gute!! Wir kommen wieder“, schreiben Kunden und Freundinnen der Ladeninhaberin am Biesenkamp. Vera Kopitetzki antwortet: „Das ist das einzige, was mir wirklich helfen wird: dass meine Kunden wiederkommen und die Sandalen und Schuhe bei mir kaufen. Nur so wird alles wieder gut.“

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