Die Castrop-Rauxeler reagieren auf die Ausbreitung des Coronavirus. Viele Privatleute decken sich mit Desinfektionsmitteln ein. Auch bei Lebensmitteln legen sie Vorräte an.

von Joel Kunz, Christian Püls

Castrop-Rauxel

, 03.03.2020, 09:09 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Region erreicht. Viele Bürger wollen sich schützen und ergreifen daher verschiedene Maßnahmen. Wir haben uns in Castrop-Rauxel umgehört:

Drogerien, Supermärkte und die Desinfektionsmittel

Beinahe alle Arten von Desinfektionsmitteln sind in vielen Drogerie- und Supermärkten ausverkauft. Bereits am Freitag meldeten Castrop-Rauxeler Facebooknutzer leere Regale in verschiedenen Filialen. Dazu zählen Händedesinfektionsmittel, Desinfektionstücher und Desinfektionswaschmittel. Desinfektions- und Arztseifen waren am Montag vereinzelt noch erhältlich. Es ist unklar, wann neue Großlieferungen eintreffen.

Desinfektionsmittel werden laut Drogeriemarkt DM derzeit als Engpassware behandelt. Das bedeutet, dass jede Filiale bei Verfügbarkeit nur eine kleine Menge erhält, damit möglichst viele Geschäfte beliefert werden können. So wurde am frühen Montagmorgen eine Kiste Desinfektionsmittel an die Filiale in der Castroper Altstadt geliefert, bestätigt eine Verkäuferin. Aufgrund der sehr hohen Nachfrage war es sofort nach Eintreffen vergriffen.

Ab welchem Zeitpunkt wieder normale Lieferungen den Laden erreichen werden, ist unklar. Mit einem Hinweisschild weist der Laden darauf hin, dass keine Desinfektionsmittel mehr verfügbar seien, man aber daran arbeite, die Verfügbarkeit wiederherzustellen.

Am Samstag war beim DM in Ickern kein Desinfektionsmittel mehr zu ergattern. Die einfache Handwaschseife im Halbliter-Nachfüllpack war Samstag* gegen 13 Uhr komplett ausverkauft. Ein ähnliches Bild drei Stunden später im Real an der Siemensstraße: die preiswerte Flüssigseife nahezu restlos vergriffen. Nur wer sich tief bückt und seinen Arm lang ausstreckt, kommt noch an ein, zwei Päckchen ran. Desinfektionsmittel? Fehlanzeige.

Supermärkte und die Konserven-Regale

Zwischenzeitlich waren am Samstag einige Lebensmittel in den Castrop-Rauxeler Supermärkten knapp. Im Gang mit den Fertiggericht-Konserven bei Ral sah man am Samstagnachmittag lange, leere Regalmeter; nur noch vereinzelt standen ein paar Dosen rum.

Auch beliebte Standard-Konserven wie Erbsen mit Möhren fehlten in den untersten Regalen. Selbst Salz war nahezu ausverkauft; allein grobkörniges, für die Salzmühle, war noch zu haben.

Bei den Nudeln fiel am deutlichsten auf, dass die Menschen in Castrop-Rauxel Vorräte anlegen: Die untersten beiden Regalreihen, mit der preiswerten Hausmarke waren komplett leer gefegt. Auch Gnocchi und Tortellini waren nur noch vereinzelt zu finden. Bei den teureren Sorten hatten sich die Reihen sichtbar gelichtet.

„Tatsächlich hatten wir einige Produkte nicht mehr in den Regalen, beispielsweise unsere TiP-Nudeln“, sagt Real-Pessesprecher Markus Jablonski am Montagnachmittag auf Nachfrage unserer Redaktion, „aber es kam nicht zu einer Unterversorgung.“ Inzwischen habe man die Regale wieder nachgefüllt, wenn auch nicht alle. „Backwaren, Obst und Gemüse kommen täglich frisch in die Märkte“, so Jablonski, „aber bei anderen Produkten werden die Filialen nicht täglich beliefert.“

Schon am Mittwoch, 26. Februar, habe sich Real in ganz Deutschland auf einen Ansturm vorbereitet. „Wir haben das ganz gut gemeistert“, findet Jablonski.

Desinfektionsmittel allerdings, wird man auch an der Siemensstraße vermutlich noch länger nur zeitweise finden. „Die sind auch bei uns knapp, aber sie sind ja auch ein absolutes Randsortiment bei uns“, so Jablonski.

Dasselbe gelte für Atem-Masken, die bei Real nicht für hygienische Zwecke verkauft werden, sondern im Heimwerkersortiment zu finden sind - normalerweise. „Die trägt man, wenn man beispielsweise eine Tür abschleifen will, um den entstehenden Staub nicht einzuatmen“, so Jablonski.

Nicht nur bei Real lichteten sich die Lebensmittelregale am Samstagnachmittag. Ausverkauft war die preiswerteste Nudelvariante ebenso bei Edeka in Henrichenburg und Rewe in Habinghorst. Bei Rewe war zudem das preiswerte Sortiment an getrocknetem Gemüse (Linsen, Erbsen) vergriffen. „Man will ja nicht in Panik verfallen“, sagte dort eine ältere Dame, „aber man kann es auch nicht ganz von sich wegschieben.“

Pflegeheime und Pflegedienste

Besonders bei älteren Menschen kann das Virus schwerwiegende Folgen haben. In Pflegeeinrichtungen und -diensten sind zudem viele Menschen beschäftigt, wodurch eine Verbreitung des Virus begünstigt wird. Deshalb haben viele Einrichtungen in Castrop-Rauxel Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Zunächst sei wichtig, keine Panik zu haben und Ruhe zu bewahren. Das wird immer wieder betont, so auch von Jasmin Körner, Einrichtungsleiterin des AWO-Seniorenzentrums in Ickern. „Wir gehen nüchtern an die Sache ran. Da wir viel Erfahrung im Umgang mit Grippewellen und Norovirenhaben, stellt das Coronavirus so gesehen keine außergewöhnliche Herausforderung für uns dar.“

Es seien genug Desinfektionsmittel vorhanden. Sie sind an den Eingängen aufgestellt. Mitarbeiter achten darauf, dass Besucher ihre Hände desinfizieren. Denn die Einhaltung einer Grundhygiene sei das wichtigste Mittel, um Viren aller Art einzudämmen, so Körner. „Dennoch sind wir momentan in einer Habachtstellung. Auch wenn noch keine aktiven Maßnahmen ergriffen wurden, sind alle Mitarbeiter über das Virus informiert. Wir sind bereit, falls die Bedrohung größer wird wenn Fälle im Kreis Recklinghausen gemeldet werden.“

Auch Natalia Dambon vom Altenheim „Haus am Ginsterweg“ ist zuversichtlich, was die Vorbereitung betrifft. „Keine Panik“ ist auch ihr Motto. „Wir haben genügend Desinfektionsmittel und Schutzmasken für mindestens zwei Monate vorrätig“, sagt sie. „Zusätzlich haben wir zentrale Desinfektionspläne entwickelt und Hinweisschilder zu korrekten Hygienemaßnahmen in jedem Wohnbereich ausgehängt. So wird jeder in diesem Haus darüber informiert, wie man sich selbst und andere vor der Ausbreitung des Virus durch korrekte Hygienemaßnahmen schützen kann.“

In der nächsten Woche findet dort eine außerordentliche Hygieneschulung für alle Mitarbeiter statt. Alle Mitarbeiter, so Dambon, haben außerdem die Pflicht, sich bei möglichen Symptomen sofort zu melden.

Auch im ambulanten Pflegedienst seien noch keine drastischen Maßnahmen notwendig, sagt Susanne Rosenberger-Horst, Geschäftsführerin des Pflegedienstes Rosenberger. „Wir verlassen uns hier auf die Vorgaben der Gesundheitsämter. Sobald die Behörden stärkere Maßnahmen vorschreiben, werden wir darauf reagieren.“

------------------------

* In einer ersten Fassung des Textes war die Rede davon, dass die Handwaschseife im Halbliter-Nachfüllpack erst am Montag ausverkauft gewesen sei.

Lesen Sie jetzt