Friseure öffnen am 4. Mai - die Zeit skurriler Angebote ist vorbei

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Friseur-Termine für die Zeit ab dem 4. Mai werden in Castrop-Rauxel jetzt schon knapp. In den vergangenen Wochen hatten Kunden für einen Schnitt unter der Hand Mondpreise geboten.

Castrop-Rauxel

, 21.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein „Schrei der Erleichterung“ ging am vergangenen Mittwochabend (15.4.) durch die mutmaßlich verzottelte Gesellschaft: Am 4. Mai dürfen die Friseure wieder öffnen. Vorbei die Zeit offenbar nicht mehr beherrschbarer Löwenmähnen und eines umgreifenden Retro-Looks aus den 70ern.

Auch der Charme dürfte in manch gestandene Ehe und Partnerschaft zurückkehren. Hatte die eine unbedachte Äußerung in der ohnehin schon überhitzten Quarantäne urplötzlich für richtig Dampf im häuslichen Kessel gesorgt: „Schatz, ich wusste gar nicht, wie grau du doch bist.“ Hier zuvor der Farbe schöner Schein – dort das gemeinsame Versprechen: „Ehrlich währt am längsten“.

Terminbücher sind voll

Das alles soll am 4. Mai vorbei sein. Seit Donnerstag glühen in den Castrop-Rauxeler Friseur-Salons die Telefonleitungen, tickern Anfragen durch Facebook-Chats, quellen E-Mail-Postfächer über. Bei einer Stichprobe unter drei Friseuren melden sie unisono volle Terminbücher für die erste Maiwoche. Und auch danach wird‘s schon eng.

Stefan und Rita Wagener (r.) führen mit Tochter Theresa den Salon „Wagener Der Friseur“. Der Inhaber ist stellvertretender Obemeister der Friseurinnung Herne Castrop-Rauxel.

Stefan und Rita Wagener (r.) führen mit Tochter Theresa den Salon „Wagener Der Friseur“. Der Inhaber ist stellvertretender Obemeister der Friseurinnung Herne Castrop-Rauxel. © Michael Schuh

Die gute Nachricht: Alle Betriebe in der Europastadt haben den Lock-Down wohl wirtschaftlich überlebt. „Ich habe noch nichts anderes gehört“, sagt Stefan Wagener. Der Saloninhaber aus der Altstadt ist stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Herne Castrop-Rauxel. „Es gab ja zum Glück die Soforthilfe und Kurzarbeitergeld.“

„Wartet lieber auf uns!“

In den vergangenen Wochen ließen sich die Salonbetreiber einiges einfallen, um ihre Kunden zu unterstützen. Sie empfahlen Pflegeprodukte oder gaben per Facebook-Videos Anleitungen, sich selbst zu helfen. „Ein großes Thema ist Farbe“, sagt Stefan Wagener. „Bevor unsere Kundinnen etwas Unbekanntes in der Drogerie kaufen mussten, haben wir immer freitags den Bringservice eingerichtet.“ Auch Bürsten waren etwa im Angebot.

Andernorts verhalf manchmal ein lustiger Post in den sozialen Medien über die Durststrecke. Bevor die Freundin zur Schere greife, empfahl „Die Haarschneiderei“ in Ickern dringend: „Wartet lieber auf uns!“

Trotz geschlossener Läden und Kontaktverbot rückten Kunden und Saloninhaber in der Krise zusammen. Viele Grüße und Nachrichten erreichten die Inhaber – verbunden mit guten Wünschen, durchzuhalten. „Das Handwerk des Friseurs ist aufgewertet worden“, sagt Wagener.

Nina Pawlowski führt einen kleinen Salon an der Lange Straße. Sie ist ihren Kundinnen für die Solidarität in den vergangenen Wochen dankbar.

Nina Pawlowski führt einen kleinen Salon an der Lange Straße. Sie ist ihren Kundinnen für die Solidarität in den vergangenen Wochen dankbar. © Privat

„Wir haben die besten und liebsten Kunden“ schwärmt Nina Pawlowski. Sie betreibt einen kleinen Salon an der Langen Straße in Habinghorst. „Sie haben gefragt, ob wir zurecht kommen und angeboten, Gutscheine zu kaufen.“ Jetzt wartet sie wie alle Inhaber auf weitere Vorgaben der Handwerkskammer.

Arbeit in zwei Schichten

Klar ist bisher: Die Friseure dürfen nur nasse Haare schneiden, Bartpflege, das Färben von Wimpern und Augenbrauen sind nicht erlaubt. Die Friseurinnen und Friseure tragen Schutzmasken. Und zwischen den Frisierplätzen muss ein ausreichender Mindestabstand sein. Für viele Friseure heißt das, etwa auf die Hälfte der Kundenplätze verzichten zu müssen.

Judith Wedekind betreibt "Die Haarschneiderei" in Ickern. Ihr Terminbuch ist für vier Wochen voll.

Judith Wedekind betreibt "Die Haarschneiderei" in Ickern. Ihr Terminbuch ist für vier Wochen voll. © Privat

Geduld ist also gefragt. Judith Wedekind, Inhaberin von „Die Haarschneiderei“, hat schon für vier Wochen ein gefülltes Terminbuch – trotz ihres weiträumigen Salons. Ihre vier Angestellten und zwei Auszubildenden arbeiten in zwei Schichten und begegnen sich nicht. „Sollte sich jemand aus einem Team infizieren, muss ich nicht wieder schließen.“

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Das wäre wohl ein Horror für ihre Kunden. Manch einer bot „das Doppelte und mehr“ für einen Haarschnitt unter der Hand. „Diese Angebote habe ich reichlich bekommen und alle abgelehnt“, erzählt Wedekind. Eine Strafe hätte gedroht. Nina Pawlowski hatte derlei Offerten nicht.

Dass solche Angebote durchaus skurrile Züge annehmen können, erzählt Stefan Wagener. Da war die Masseurin, die ein Tauschgeschäft anbot: „Wenn Sie meinem Mann und Kind die Haare schneiden, massiere ich Sie.“

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