Das Handy als Zeuge - 28-Jähriger und seine Tante beleidigen sich gegenseitig

rnGerichtsverhandlung

Sprachnachrichten auf dem Handy. Damit versuchte der Richter, die angeklagte Beleidigung zu belegen. Was die Anwesenden im Saal zu hören bekamen, waren üble Beleidigungen und Bedrohungen.

Castrop-Rauxel

, 28.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 28-jährige Angeklagte steht nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Er hat nach dem Realschulabschluss keinen Beruf erlernt, auch weil die Wahl eingeschränkt war. Dem jungen Mann fehlt die linke Hand.

Stattdessen beging er einige Straftaten, zum Teil als Haftstrafe verbüßt. Und auch in der Beziehung lief es nicht immer rund. Was in irgendeiner Form mit der angeklagten Beleidigung zusammenhängt.

Am 9. Mai soll der Angeklagte seine Tante beleidigt haben. In einer Sprachnachricht, per Handy geschickt, hat er Worte gewählt, die unter die Gürtellinie zielen. Das brachte die Angerufene zur Anzeige.

Onkel hat seinen Neffen bedroht und wolle ihn „umlegen“

Gewählte Worte hatte sie indessen bei mehreren Sprachnachrichten an den Neffen ebenfalls nicht gefunden. Stattdessen wiederholte Beleidigungen, die auf sein körperliches Gebrechen zielten. Auch der Onkel hatte diesen Weg gewählt, seinen Neffen zu bedrohen und zu verkünden, dass er ihn „umlegen“ wolle.

Der Hintergrund, so der Angeklagte, sei die Tatsache, dass er und seine Freundin zwischenzeitlich einmal getrennt waren - für vier Monate. Und als sie wieder zusammengekommen waren, hätten die Verwandten dies nicht von ihnen, sondern zuerst von Dritten erfahren.

Was der Tante anscheinend gegen den Strich ging und sie zu bereits genannten Sprachnachrichten veranlasste, die der Angeklagte dem Gericht auf Aufforderung vorspielte.

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Auch die Zeugin wurde gebeten, ihr Handy zu zücken und die Beleidigung, die sie angezeigt hatte, im O-Ton vorzuspielen. Und so hörte der Angeklagte, dass er die Worte, an die er sich nicht exakt erinnern konnte, tatsächlich gesagt hat.

Dass im Verfahren nur die Beleidigung, die er gegenüber der Tante geäußert hat, aber nicht die Beleidigungen, die ihn betrafen, Thema waren, lag daran, dass er angeblich die Frist versäumt habe, diese Aussagen zur Anzeige zu bringen.

Auf den Angeklagten wartet noch eine weitere Verhandlung

“Sie haben es also mit gleicher Münze heimgezahlt“, fasste der Richter zusammen. Er konnte aber nicht ignorieren, dass der Angeklagte unter laufender Bewährung steht wegen eines gemeinschaftlichen Raubes. Und eine weitere Verhandlung wartet in Kürze in Dortmund auf den 28-Jährigen.

Darin wird er der Hehlerei beschuldigt. Das erklärte der Mann dem Richter als Versehen, der Verkauf eines von einem Dritten gestohlenen Handys sei aus Unwissenheit geschehen.

In Sachen Beleidigungsklage konnte der 28-Jährige indes aufatmen. Die Angelegenheit wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. Bleibt zu hoffen, dass der Mann seine laufende Bewährung nicht doch noch gefährdet, denn sein Betreuer sieht ihn auf einem guten Weg, den ein Job noch weiter festigen könnte.

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