Das WLT steht vor großen Herausforderungen

Westfälisches Landestheater

Das Westfälische Landestheater (WLT) in Castrop-Rauxel sieht sich vor einigen Herausforderungen. Zwar soll es neue Fördergelder geben, über den Verteilungsschlüssel herrscht jetzt aber Entsetzen. Hinzu kommt, dass derzeit die Finanzierung des WLT-Proben- und Logistikzentrums geprüft wird.

CASTROP-RAUXEL

, 31.01.2016, 05:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für sich genommen ist die Nachricht eigentlich ziemlich erfreulich: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) will erstmals nach 15 Jahren den jährlichen Förderbetrag für die Arbeit des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel (WLT) anheben. Die Freude über die geplante Fördersumme hält sich beim geschäftsführenden WLT-Direktor Günter Wolfarth und dem Intendanten Ralf Ebeling aber in Grenzen.

Grund dafür ist der Blick auf den Verteilungsschlüssel der Fördergelder. Fünf Kulturinstitutionen, nämlich die Neue Philharmonie Westfalen in Recklinghausen, die Nordwestdeutsche Philharmonie in Herford, das Landestheater Detmold, die Philharmonie Südwestfalen in Hilchenbach sowie das WLT, werden unterstützt.

Nur 13,8 Prozent mehr

Die Fördersumme für das WLT soll dabei laut Antrag von CDU und SPD um gerade einmal 13,8 Prozent angehoben werden. Statt der bisherigen 456.800 Euro sollen jeweils jährlich 520.000 Euro fließen. Zum Vergleich: Für die Philharmonien Herford und Recklinghausen sollen 26,5 bzw. 28,8 Prozent mehr Förderung kommen.

Auch Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja ist entsetzt. „Wir haben dem Ausschuss unsere Situation und die Bitte um eine verhältnismäßige Erhöhung der Förderung dargelegt. Uns stellte sich das so dar, als wenn im Ausschuss Diskussionen unterdrückt worden seien“, sagt Ebeling. Seiner Meinung nach wäre der jetzige Antrag völlig intransparent: „Das riecht doch arg verdächtig nach Mauscheleien!“

Noch etwas bewegen

Ende Januar soll über die Beschlussvorlage abgestimmt werden und so sieht Bürgermeister Kravanja noch Hoffnung, dass sich bis dahin noch etwas bewegen lassen könnte. Mit Detmolds und Hilchenbachs Politik wurde bereits Kontakt aufgenommen. Das Landestheater Detmold (10,2 Prozent) und die Philharmonie Südwestfalen in Hilchenbach (8,9 Prozent) sollen nämlich noch unter dem Zuwachs des WLT bleiben.

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„Man muss sich angesichts dieses Antrages ernsthaft fragen, ob da nicht ganz bewusst versucht wird, bestimmte Institutionen vor eine Wand fahren zu lassen“, sagt Rajko Kravanja. „Müssten wir in den nächsten fünf Jahren weiter einsparen, so würde sich das auch qualitativ bemerkbar machen“, erklärt Günter Wohlfarth.

Proben- und Logistikzentrum

Hinzu kommt ein ambitionierter Plan, dessen Umsetzung viel Geduld und Vorarbeit erfordert: Bis Ende 2017 soll das WLT ein Proben- und Logistikzentrum bekommen. Dort, wo jetzt noch ein Ascheplatz ist, neben dem Stadion direkt an der B 235. Bereits 2014 angestoßen, sollen Finanzierung und Bau des Projekts nun konkret werden.

Die geplanten Baukosten betragen 1,5 Millionen Euro. „Hinsichtlich der Finanzierung laufen in alle Richtungen Gespräche. Klar ist aber, dass eine aus Fördermitteln kombinierte Variante infrage kommt“, sagte Günter Wohlfarth am Donnerstag auf Anfrage. Mittel aus Töpfen der Stadterneuerung und der NRW-Bank wären eine mögliche Option.

Gespräche im Februar

Anfang Februar wird es mit dem zuständigen NRW-Ministerium und der Stadtspitze ein Treffen geben, bei dem die Möglichkeiten erörtert werden sollen. Bis Ende 2016 soll Baubeginn für das Zentrum sein, für Ende 2017 ist die Fertigstellung des Baus angedacht.

Ein Termin, auf dessen Einhaltung das WLT pochen muss, denn eine der bisherigen Probebühnen an der Lange Straße ist bereits vom Theater gekündigt worden. Am 31. Dezember 2017 müssen die Kulturschaffenden dort raus. „Die Notwendigkeit eines Neubaus für Proben und Bestand liegt auf der Hand“, so Wohlfarth. Bisher verteilt sich das WLT auf vier verschiedene Standorte (Holthausen, Stadthalle, zwei ehemalige Kinoräume an der Lange Straße).

Getrennt davon befinden sich die Lager- und Fuhrparkstandorte an der Oststraße sowie in Herne-Holthausen. „Der Neubau würde uns erheblichen logistischen Aufwand ersparen, der bis jetzt für die Proben und Vorstellungen nötig ist“, erklärte Günter Wohlfarth.

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