Kurzzeitig hieß der Europaplatz plötzlich anders. © privat
Straßenschilder

Debatte um Frauennamen: Der Europaplatz hieß plötzlich anders

Mitten in die hitzige Debatte um mehr Frauennamen für Castrop-Rauxeler Straßen hat jemand Fakten geschaffen und eine Straße kurzerhand nach einer Frau „benannt“. Nach einer besonderen.

Bei der Ratssitzung Ende Juni kochte das Thema hoch: Sollen mehr Straßen in Castrop-Rauxel nach Frauen benannt werden? SPD und Grüne stellten einen Antrag, dem alle anderen Parteien zustimmten. Dennoch folgte kommunalpolitisches Hickhack.

Denn: Die Opposition reagierte verstimmt. Nicht, weil man nicht mehr Straßen nach Frauen benennen möchte, versicherten CDU und FDP. Vielmehr habe man sich darauf in Ausschusssitzungen bereits informell geeinigt, so FDP-Fraktionsvorsitzender Nils Bettinger. Daher sei ein Antrag „überflüssig“. Auch die CDU kritisierte diesen als reine „Anbiederung an den Zeitgeist“. Wie gesagt: Letztlich stimmten CDU und FDP aber doch zu. Trotz Kritik am rot-grünen Vorgehen.

Noch keine neue Straße nach einer Frau benannt

Seitdem ist aber noch keine neue Straße in Castrop-Rauxel nach einer Frau benannt worden. Ende August stand dies zur Diskussion: Ein Wendehammer in Henrichenburg sollte einen Namen bekommen. Die CDU schlug den Namen einer US-Biologin vor. Das war der SPD zu wenig lokal. Letztlich ging der Vorschlag der Verwaltung knapp durch: Das Stückchen Straße heißt jetzt „Zum Wasserkreuz“.

Noch erarbeite man eine Richtlinie, wie mehr Straßen nach Frauen benannt werden können, heißt es aus der Verwaltung. Darauf wollte jemand anscheinend nicht mehr warten und benannte eine Straße kurzerhand um. Genauer: Die Straße, die aus dem Kreisverkehr an der Bahnhofstraße nahe der Willy-Brandt-Gesamtschule Richtung Covid-Testcenter führt, bekam am Wochenende einen neuen, weiblichen Namen verpasst, in dem ein entsprechendes Schild übergestülpt wurde.

Statt „Europaplatz“ hieß sie plötzlich „Moni-Lewinsky-Str.“ Wohl in Anspielung auf Monica Lewinsky, die in den 1990er-Jahren als Praktikantin im Weißen Haus für einen politischen Skandal sorgte, weil sie eine Affäre mit dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton hatte.

Schild ist schnell wieder verschwunden

Warum ausgerechnet Lewinsky ausgewählt wurde, bleibt das Geheimnis desjenigen oder derjenigen, der das Schild angebracht hat. Vielleicht hat die Aktion auch gar nichts mit der politischen Frauennamen-Diskussion zu tun. Fest steht: Das Schild ist schnell wieder verschwunden. Bereits Dienstagmittag hing es nicht mehr.

Das Schild „Moni-Lewinsky-Str.“ wurde aber schnell wieder entfernt. Von wem, ist unklar.
Das Schild „Moni-Lewinsky-Str.“ wurde aber schnell wieder entfernt. Von wem, ist unklar. © Natascha Jaschinski © Natascha Jaschinski

Wer es abgenommen hat, bleibt offen. Die Stadt verweist auf Anfrage zwar darauf, dass es sich laut Paragraph 33 der Straßenverkehrsordnung generell um eine Ordnungswidrigkeit handeln kann, wenn ein Straßenschild verdeckt werde. Tätig geworden sei man aber nicht. Denn: Die Bahnhofstraße ist eine Kreisstraße.

Dort weiß man nichts von der Spontan-Umbenennung: „Wir haben das Schild weder aufhängen lassen, noch veranlasst, dass es wieder abgenommen wird“, sagt Sprecherin Lena Heimers. Sie vermutet: Vielleicht habe jemand ein Zeichen setzen wollen.

Nun heißt der Europaplatz wieder Europaplatz.
Nun heißt der Europaplatz wieder Europaplatz. © Natascha Jaschinski © Natascha Jaschinski
Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Ist fürs Journalistik-Studium vor 20 Jahren nach Dortmund gezogen und hat danach jahrelang in der Nachrichtenredaktion gearbeitet. Lebt schon lange im Dortmunder Westen und freut sich, hier und in Castrop-Rauxel auch journalistisch unterwegs zu sein.
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Natascha Jaschinski