„Unglaubliche Provokation“: Demo gegen Kohlekraftwerk in Datteln verlief friedlich

Datteln 4

Gegen die Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln 4 haben am Freitag mehrere Hundert Menschen demonstriert. Eine Castrop-Rauxelerin hatte die Demo für „Fridays for future“ angemeldet.

Castrop-Rauxel

, 25.01.2020, 11:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Unglaubliche Provokation“: Demo gegen Kohlekraftwerk in Datteln verlief friedlich

Teilnehmer der Demonstration stehen mit Schildern und Transparenten am Neumarkt in Datteln. © dpa

Die Demonstranten forderten die Bundesregierung auf, das Kraftwerk nicht ans Netz gehen zu lassen. Nach Angaben der Polizei waren bis zu 430 Demonstranten von der Dattelner Innenstadt zum Kraftwerksgelände am Dortmund-Ems-Kanal gezogen.

Zum Protestmarsch hatten mehrere Fridays-for-Future-Gruppen und andere Umweltschützer aufgerufen. Die Demo war am frühen Mittag im Dattelner Stadtzentrum auf dem Neumarkt los gegangen. Von dort aus marschierten die Demo-Teilnehmer zum Standort des Kraftwerks.

Versammlung verlief störungsfrei

Gegen 15 Uhr, so Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber, „war die Demo von der Leiterin als beendet erklärt worden. Bis auf die unvermeidbaren Verkehrsbeeinträchtigen verlief die Versammlung aus polizeilicher Sicht störungsfrei, friedlich und unproblematisch.“

Bereits zu Beginn des Demozuges hatte eine Sprecherin alle Demonstranten dazu aufgefordert, dass es sich um eine unpolitische Veranstaltung handele. Wie 24vest.de in einem Live-Ticker von der Demo berichtete, hätten die Organisatoren bei der Eröffnung darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich von der AfD distanzierten und dass Parteiwerbung bei der Demo verboten sei - Vertreter der MLPD mussten ihre Fahne herunter nehmen.

Aufgerufen zu der Demonstration unter dem Motto „Datteln 4? Nicht mit mir!“ hatten die Klimabewegung „Fridays for Future“ aus Castrop-Rauxel sowie andere Organisationen. Sprüche wie „Klimakrise tötet“ und „Kohle ist giftig für Mensch und Klima“ waren auf Transparenten und Plakaten zu lesen.

Kraftwerk soll im Sommer ans Netz gehen

Das Kraftwerk soll entgegen der Empfehlung der Kohlekommission ans Netz gehen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) sind der Ansicht, dass es sinnvoller sei, ältere und schmutzigere Steinkohlekraftwerke früher abzuschalten.

Der Energiekonzern Uniper will das Kraftwerk im Sommer endgültig ans Netz bringen. Derzeit läuft es zeitweise im Probebetrieb. Der NRW-Sprecher der Umweltorganisation BUND, Dirk Jansen, nannte es eine „unglaubliche Provokation“, den Kohleausstieg mit dem Anschalten eines neuen Steinkohlekraftwerks zu beginnen. Datteln werde zum neuen Symbol der Klimabewegung.

Der BUND hat wiederholt gegen das Kraftwerk geklagt. Einige Verfahren sind noch nicht entschieden. Das Kraftwerk soll neben Strom für das allgemeine Netz auch erhebliche Mengen Bahnstrom liefern. Zudem kann es nach Angaben von Uniper auch viele Haushalte in der Region mit Fernwärme versorgen.

Kritiker argumentieren, wegen der umfangreichen Lieferverträge werde das Kraftwerk stark ausgelastet und deshalb viel CO2 produzieren. Das Bundeswirtschaftsministerium hat erklärt, die Mehremissionen sollten „in vollem Umfang“ ausgeglichen werden.

Mit Material von dpa

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