Demo geplant: Widerstand in Merklinde formiert sich

rnProtest am 4.9.

Bis zu 300 Lastwagenbewegungen täglich schrecken die Menschen ab: In Merklinde formiert sich gerade der Widerstand gegen die mögliche Ansiedlung eines Unternehmens kurz hinter der Stadtgrenze.

Merklinde

, 21.08.2020, 13:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wilhelm Austermühle ist seit Jahrzehnten als politisch aktiver Castrop-Rauxeler bekannt. Nicht in der Rolle als Politiker, sondern als Bürger, der seine Interessen vertritt. Er galt als Kritiker von Ex-Bürgermeister Johannes Beisenherz. Jetzt will der Anwohner der Gerther Straße in Merklinde verhindern, dass sich ein Betrieb an der Stadtgrenze zu Bochum ansiedelt.

Jetzt lesen

In der Öffentlichkeit war Austermühle damit erst allein. Jetzt gesellen sich zum Rentner Einzelpersonen und Gruppen dazu: Der Stadtteilverein „Wir sind Merklinde“ kämpft allen voran, der SPD-Ortsverein nutzt das Thema im Vorfeld der Wahl zu plakativem Widerstand. Am 4. September wird es eine Demo geben.

Wilhelm Austermühle wohnt an der Gerther Straße und befürchtet, dass durch die Neuansiedlung eines Betriebes an der Stadtgrenze viel mehr LKW an seinem Haus vorbei fahren als bisher.

Wilhelm Austermühle wohnt an der Gerther Straße und befürchtet, dass durch die Neuansiedlung eines Betriebes an der Stadtgrenze viel mehr LKW an seinem Haus vorbei fahren als bisher. © Tobias Weckenbrock

Es ging los mit einer Information aus der Stadtverwaltung an den Bau- und Stadtentwicklungsausschuss vor der Sommerpause: Philipp Röhnert setzte im Juni die Ausschussmitglieder in Kenntnis über das Ansiedlungsinteresse eines Bodenaufbereitungs-Unternehmens. Die Firma, es handelt sich offenbar um Eco Soil (auch bekannt vom Deininghauser Weg), wolle Bochum-Riemke verlassen und sich im ehemaligen Dämmstoffe-Werk von Philippine niederlassen.

„Es werden feine Teilchen fliegen“

Das sorge, so Bauamtsleiter Röhnert, für bis zu 300 Lkw-Bewegungen am Tag, von denen viele über die Gerther Straße Richtung B235 fahren würden. Auch gebe es Lärm- und Staubemissionen, obwohl hier keine Brech- oder Bauschuttanlage vorgesehen sei. „Es werden feine Teilchen bis nach Castrop-Rauxel fliegen“, fasste er die Erhebungen aus einem ersten Gutachten zusammen.

Im Ausschuss regte sich erster Widerstand. Die Verwaltung solle prüfen, ob man die Ansiedlung verhindern könne, hieß es. Sie kann allerdings nur beschränkt Einfluss ausüben: Es handelt sich um Bochumer Stadtgebiet, also eine Angelegenheit der Stadtbezirksversammlung bzw. des Stadtrates der Nachbarstadt.

Mit diesem Poster wirbt der Stadtteilverein für seine Demonstration gegen die Ansiedlung.

Mit diesem Poster wirbt der Stadtteilverein für seine Demonstration gegen die Ansiedlung. © Wir sind Merklinde

Inzwischen sind viele Briefe geschrieben worden: „Wir sind Merklinde“ hat Protest-Vordrucke online gestellt, die man an Thomas Eiskirch (Oberbürgermeister Bochums) und Straßen.NRW schicken kann, den Baulastträger der Gerther Straße. Man muss nur seine Adresse eintragen.

Jetzt lesen

Eine SPD-Entourage war kürzlich unter anderem mit Generalsekretär Lars Klingbeil in Merklinde unterwegs, um sich unter anderem diesen Sachverhalt anzuschauen. CDU-Bürgermeisterkandidat Oliver Lind besuchte Wilhelm Austermühle Ende Juli auf seiner Terrasse.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil machte kürzlich auch einen Abstecher nach Castrop-Rauxel. Er traf sich mit Bürgermeister Rajko Kravanja (l.), Landtagsabgeordneter Lisa Kapteinat und Bundestagsmitglied Frank Schwabe (r.) unter anderem auf dem Schulhof der Harkortschule in Merklinde (Foto). Man soll auch über die Ansiedlung in Gerthe gesprochen haben, gegen die sich die SPD zur Wehr setzen möchte.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil machte kürzlich auch einen Abstecher nach Castrop-Rauxel. Er traf sich mit Bürgermeister Rajko Kravanja (l.), Landtagsabgeordneter Lisa Kapteinat und Bundestagsmitglied Frank Schwabe (r.) unter anderem auf dem Schulhof der Harkortschule in Merklinde (Foto). Man soll auch über die Ansiedlung in Gerthe gesprochen haben, gegen die sich die SPD zur Wehr setzen möchte. © SPD

Am 28. August um 19 Uhr wird es bei einem Dorfabend im Vereinsheim des SuS Merklinde wieder um das Thema gehen. Das Stadtteilverein lädt ein. Die Demo am 4. September hat das Motto „Lärm macht krank“. Treffen ist um 15.30 Uhr an der Harkortstraße 14. Ab 16 Uhr führt ein Protestzug Richtung Philippine. Auf dem Parkplatz ist eine Kundgebung geplant.

Lesen Sie jetzt