Den City-Trees geht offenbar schnell die Luft aus

Moosstele für Castrop-Rauxel

Ein City-Tree soll künftig am Berliner Platz vor dem Castrop-Rauxeler Hauptbahnhof für bessere Luft sorgen. Das verspricht zumindest der Hersteller. Wir sind noch einmal nach Essen gefahren, wo bereits solche Stadtbäume stehen, und haben sie uns angeschaut. Fazit: Die Moosstelen schwächeln bereits nach kurzer Zeit ganz gewaltig.

CASTROP-RAUXEL

, 04.07.2017, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei City-Trees handelt es sich um Wände aus Moos, die nicht auf dem Boden liegen, sondern rund vier Meter hoch aufragen und etwa drei Meter breit sind. So eine Stele soll pro Jahr 70 Kilogramm Schadstoffe aus der Umgebungsluft filtern, wie der Hersteller Green City Solutions angibt. 

In Castrop-Rauxel soll so eine Moos-Konstruktion demnächst am Berliner Platz vor dem Hauptbahnhof errichtet werden - gesponsert von den Stadtwerken. Um einen Eindruck zu gewinnen, hatten wir uns Ende Juni Exemplare in Essen angeschaut.

Nun haben wir den Essener Stelen einen erneuten Besuch abgestattet. Sie stehen seit Anfang April am beziehungsweise im Hauptbahnhof - also seit drei Monaten. Doch die City-Trees sehen schon nicht mehr so frisch und grün aus wie zu Beginn. Der „Stadtbaum“ in der Bahnhofshalle hat besonders klar gelitten und viele Pflanzen sind bereits durch andere ersetzt worden.

Die Lichtverhältnisse in der relativ niedrigen Bahnhofshalle scheinen nicht die besten für Pflanzen. „Bei der Indoor-Variante soll künstliches Licht das Wachstum der Pflanzen gewährleisten“, so hatte der Deutsche Bahn-Sprecher für den Bereich Umwelt, Hans Georg Zimmermann, jüngst bereits der WAZ in Essen erzählt.

Pflanzen werden braun

Das scheint bislang aber nicht wirklich zu funktionieren. Auf der einen Seite der Installation sieht man entweder schon wieder oder immer noch einige braune Pflanzen. Die andere Seite wurde komplett mit neuen Moosen bepflanzt, sie erstrahlt entsprechend wieder in sattem Grün.

Die Moosstele auf dem Vorplatz des Bahnhofs blühte bei unserem ersten Besuch vor rund zwei Wochen in einem schönen Weiß: 

 

 

Dieser Anblick weicht mittlerweile ebenfalls einem unschönen Braun, da die Pflanzen offenbar verblüht sind: 

 

Auf der dem Bahnhofsgebäude zugewandten Seite sieht es so aus, als ob ein Feld bereits mit neuen Pflanzen bestückt wurde oder die braunen Blüten entfernt worden sind. Dazu konnte unsere Redaktion in Essen keine Auskünfte bekommen.

Optische Wirkung ebenfalls wichtig

Und auch Jens Langensiepen, der Geschäftsführer der Stadtwerke Castrop-Rauxel, die den City-Tree in der Europastadt sponsern, wurde von der Nachricht auf Anfrage der Redaktion überrascht. „Uns liegen dazu keine Erkenntnisse vor, es ist aber natürlich auch eine Frage, wie die City-Trees in Essen eingesetzt und gepflegt werden“, so Langensiepen.

Man werde die Situation aber zum Anlass nehmen und sich noch einmal beim Hersteller Green City Solutions erkundigen, wie die City-Tree-Situation dort beurteilt werde. Denn abseits der reinen Funktion könne es natürlich auch nicht gleichgültig sein, wie die optische Wirkung des City-Trees in der Stadt ist, bestätigte Langensiepen gegenüber unserer Redaktion.

Hintergrund: Das ist ein City-Tree
Ein City-Tree oder Stadtbaum ist eine Wand (Stele), die mit Moss-Pflanzen versehen wird. So soll so eine Konstruktion die Funktion von 250 Bäumen erfüllen - also pro Jahr 70 Kilogramm Schadstoffe aus der Umgebungsluft filtern.
City-Trees stehen schon in einigen Großstädten an zentralen Plätzen wie zum Beispiel vor Bahnhöfen. Sie sollen ein natürliches Flair in urbane Umgebungen bringen und als Aufenthaltsort dienen. Hersteller versehen ihre Stelen deshalb oftmals mit Sitzgelegenheiten, WLAN-Spots oder Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.
Die Kosten variieren je nach Ausführung. So kann ein City-Tree 25.000 Euro kosten, ein anderer 83.000 Euro. Meist übernehmen Sponsoren zumindest einen Teil der Kosten.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt