Denkmalschutz dominiert Marktumbau in Castrop

Archäologische Funde

Was die Archäologen auf der Ausgrabungsstätte am Castroper Markt entdeckt haben, ist durchaus sensationell — Funde, die auf das 13. Jahrhundert datiert werden können. Doch die Umbaumaßnahmen des Marktplatzes ruhen, so lange die Archäologen weitere Ausgrabungen vornehmen. Wie geht es jetzt weiter?

CASTROP-RAUXEL

, 29.07.2016, 05:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die bei den Erdarbeiten im Bereich des Reiterbrunnens entdeckten historischen Funde können offensichtlich erhebliche Auswirkungen auf den Zeitplan der Sanierung sowie auf die Kosten haben. Die Stadtverwaltung hat am Donnerstag kurzfristig zu einem Pressegespräch mit Vertretern des Stadtbetriebs EUV sowie der Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen- Lippe, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, eingeladen.

Zuvor hatte bereits der stellvertretende EUV-Vorsitzende Thorsten Werth-von Kampen in einem Telefonat mit unserer Redaktion erklärt, dass ab sofort der Denkmalschutz auf dem Markt den Hut aufhabe. „Da kann ich bitten und betteln wie ich will, da sind wir als Stadt jetzt ausgeliefert“, sagte er. Berücksichtigt werden müssten jetzt „die siedlungsgeschichtlich relevanten Bereiche“ auf dem gesamten Areal. Lagenweise sollen nun Ausbau und Prüfungen vonstatten gehen.

Baumaßnahmen ruhen zugunsten des Denkmalschutzes 

Wörtlich sagte Werth-von Kampen: „Die Archäologen sagen, wir müssen die Fläche putzen. Dann erfolgt entweder eine Freigabe oder eine Mitteilung, dass die Bereiche so wertvoll sind, dass wir sie nicht weiter angreifen dürfen.“ Da man auch in dem bereits fertig gestellten Untergundaufbau-Areal mit Pflanzgruben und Sinkkästen noch in die Tiefe gehe, könne man dort jetzt auch nicht einfach weitermachen.

Dasselbe gelte für den südlichen Teil. Obwohl man dort keine siedlungsgeschichtlichen Nachweise in Form von Urkunden oder Plänen habe, stehe auch diese Fläche jetzt unter Vorbehalt. „Wir können also auch dort nicht einfach weitermachen“, sagte der EUV-Experte.

Zeitliche und finanzielle Auswirkungen noch unklar

Heiko Dobrindt, Technischer Beigeordneter, sagte in der Presseveranstaltung, dass frühestens in 14 Tagen mehr zur Kostenfrage gesagt werden könne. Derzeitige Pläne müssten überarbeitet und neu aufgestellt werden. Dobrindt machte allerdings auch klar, dass die archäologischen Grabungen zur Stadtgeschichte eine höhere Priorität hätten als der Baufortschritt der Marktneugestaltung.

 

Dr. Christoph Grünewald, von der LWL - Archälogie für Westfalen, unterstrich, dass man eine vergleichbare Quelle für bisher unerforschte Geschichte Castrops innerhalb der eigenen Lebensspanne wohl kaum nochmals zu Gesicht bekommen werde. Deswegen wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt ein Konzept besprochen, um das Interesse an den Grabungen und den Marktumbau unter einen Hut zu bekommen.

Erst gestern hatten die Mitarbeiter um die Archäologin Kerstin Lehmann eine mehrere Hundert Jahre alte Abwasserleitung aus Holz freigelegt. Auch der Boden eines Fasses sowie Balken historischer Fachwerkhäuser wurden entdeckt. Insgesamt erstrecken sich die Ursprünge der vielfältigen Funde vom Mittelalter bis ins Jahr 1900. Bei den Archäologen herrscht Zuversicht darüber, dass noch Älteres vorgefunden wird.

Funde sorgen für Änderungen in den Bauplänen 

In den nächsten Wochen soll also weiter gegraben werden. Der Bau ruht daher aktuell erstmal. Thorsten Wert-von Kampen vom EUV erläuterte, dass es aufgrund der Funde auch Änderungen bei der Baumaßnahme geben wird. Für den Einbau von Leitungen für Sinkkästen soll im Bereich der Baugruben tiefer geschachtet werden. Ebenfalls wird es beim Aufbau des Straßenunterbaus Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Planung geben.

Je nachdem, was das Abschichten der Archäologen noch zu Tage bringt, kann aber auch mit weiteren Anpassungen des Umbaus gerechnet werden. Dass nicht schon 1985, bei der letztmaligen Neupflasterung des Marktes die archäologische Bedeutung des Platzes entdeckt wurde, erklärte sich Heiko Dobrindt damit, dass damals einfach nicht tief genug gearbeitet worden sein.

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