Der Betrug lauert immer öfter an der eigenen Wohnungstür

rnTrickbetrüger

Sie kommen mit Ausweisen, in Uniform, im Blaumann, im Anzug. Sie wollen nur eins: In die Wohnung ihrer Opfer gelangen, um dort schnelle Beute zu machen. Die Trickbetrüger sind unterwegs.

Castrop-Rauxel

, 21.10.2018, 18:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Umgebung sind wieder verstärkt Betrüger unterwegs, die es gerade auf Senioren abgesehen haben. Die Maschen variieren leicht, zumeist aber geht es darum, dass sich die Betrüger als Vertreter von Firmen und Dienstleistern ausgeben, um in der Wohnung Leitungen, Zähler oder Kabel überprüfen zu wollen. Wir listen hier einige der Maschen der letzten Zeit auf:

Unter dem Vorwand, als Telekom-Mitarbeiter Arbeiten ausführen zu müssen, gelangten Betrüger jetzt in eine Wohnung in Haltern am See. Ein Mann gab sich als Telekom-Monteur aus und wollte die Internetverbindung prüfen zu wollen. Da die Seniorin, wie so viele Menschen immer wieder, zufällig auch Internetprobleme hatte, ließ sie den Mann in ihre Wohnung. Kurze Zeit später bemerkte sie einen weiteren Mann in ihrer Wohnung, der sich ebenfalls als Telekom-Mitarbeiter ausgab. Einer führte dann auch Messungen mit einem Handgerät in der Wohnung durch. Diese Situation nutzte der andere aus, um unbemerkt von der Seniorin Schmuck und Bargeld zu stehlen.

Angebliche Telekom-Mitarbeiter sind mehrfach aufgetreten

Der Polizei sind nun weitere Fälle bekannt geworden. In Dorsten-Hervest waren zwei Männer unterwegs, die eine Seniorin mit derselben Ausrede (sie seien Mitarbeiter der Telekom) überredeten, sie ins Haus zu lassen. Als einer der Männer alleine in eine andere Etage gehen wollte, fiel einem Angehörigen auf, dass etwas nicht stimmte. Die Männer flüchteten daraufhin. Auch aus dem Bereich Feldmark und wieder Hervest in Dorsten wurden vergleichbare Versuche gemeldet, die aber scheiterten.

Es ist gut möglich, dass sich die Betrüger nun ein anderes Betätigungsfeld im Kreis ausgesucht haben, etwa Castrop-Rauxel. Ganz besonders häufig haben es Betrüger an der Haustür auf Senioren abgesehen, die sich in ihren vier Wänden vermeintlich sicher fühlen. Ziel dieser unliebsamen Besucher ist es laut Polizei immer, in die Wohnung gebeten zu werden; denn dort sind in aller Regel weder Zeugen noch andere Personen zu erwarten, die die eigenen Pläne durchkreuzen könnten.

Falsche Polizisten in Castrop-Rauxel

Im August waren in Castrop-Rauxel Betrüger sogar als vermeintliche Polizisten aufgetreten. Bei einem älteren Ehepaar an der Bergstraße klingelten damals gegen 8.30 Uhr morgens drei angebliche Polizeibeamte. Die Männer gaben vor, die Wohnung durchsuchen zu müssen, weil dort illegale Pistolen vermutet würden. Um ihrer Autorität Nachdruck zu verleihen, legten sie dem Ehepaar ein echt aussehendes Schreiben des Amtsgerichts vor, auf dem die realen Personendaten des 92-Jährigen standen. „Die hatten sie möglicherweise aus dem Telefonbuch“, sagt Polizeisprecher Michael Franz.

Während einer der Männer bei dem Ehepaar blieb, durchsuchten die beiden anderen Männer die übrigen Räume. Als das Trio wieder abgerückt war – natürlich ohne Pistolen gefunden zu haben – bemerkte das Ehepaar, dass Bargeld und Schmuck gestohlen wurde.

Frauen wollten angeblich helfen

Am gleichen Tag wurde damals eine 92-jährige Frau auf der Pfälzer Straße Opfer eines anderen Trickdiebstahls. Die Seniorin wollte seinerzeit gerade ihre Wohnungstür aufschließen. In diesem Moment nahm ihr eine Frau den Schlüssel aus der Hand und schloss auf. „Sie hat wohl vorgegeben, der Frau helfen zu wollen“, sagte Polizeisprecher Michael Franz damals. In der Wohnung verwickelte sie die 92-Jährige dann in ein Gespräch. Währenddessen hörte die Seniorin, wie Türen auf- und zugemacht wurden, dachte sich aber nichts weiter dabei.

Der Betrug lauert immer öfter an der eigenen Wohnungstür

Polizeisprecherin Ramona Hörst: „Um ans Ziel zu gelangen, überraschen Täter immer wieder durch außerordentlichen Ideenreichtum.“ © Foto Fritsch

Wenig später sah eine Nachbarin drei Frauen, die fluchtartig das Haus verließen und mit einem silbernen Auto wegfuhren. Als sich die beiden Nachbarinnen unterhielten, schöpften sie Verdacht. Die 92-Jährige schaute daraufhin in ihrer Wohnung nach und stellte fest, dass Gold- und Perlenschmuck fehlte.

Enkeltrick kommt immer wieder vor

Und immer wieder wird, auch in Castrop-Rauxel, der sogenannte Enkeltrick versucht. Immer noch und immer wieder leider auch mit Erfolg. So ist vor einigen Wochen eine ältere Frau aus dem Stadtteil Bladenhorst auf einen solchen Trick hereingefallen. Eine Frau rief bei der Seniorin an und gab vor, ihre Enkelin zu sein. Sie bat die Frau um Geld, da sie sich etwas „Großes“ gekauft habe und selbst erst am nächsten Tag an ihr Erspartes kommen würde. Die Anruferin wirkte so überzeugend, dass die Seniorin der angeblichen Enkelin glaubte und noch für den gleichen Tag einen Termin zur Geldübergabe ausmachte.

Dazu sollte eine Bankmitarbeiterin zu der älteren Frau kommen. Die angekündigte Frau erschien auch an der Haustür der Seniorin und nahm eine größere Bargeldsumme an sich. Erst danach schöpfte die Seniorin dann doch Verdacht und meldete sich bei der Polizei.

Lange Telefongespräche werden geführt

Dass die eigentlich bekannte Betrugsmasche immer wieder funktioniert, ist für Polizeisprecherin Ramona Hörst nicht neu. „Die Betrüger halten das Opfer möglichst lange im Telefongespräch“, erklärte sie unserer Redaktion auf Nachfrage. Damit werde nicht nur versucht, Vertrauen aufzubauen, sondern auch das Opfer abzulenken. „Die Betrüger wollen auf jeden Fall verhindern, dass das Opfer Zweifel bekommt, bevor sie das Geld erbeutet haben“, so Hörst weiter. Sobald die Übergabe gelaufen sei, werde der Kontakt dann abgebrochen. Einmal alleingelassen kämen den Opfern dann erste Zweifel.

Einem Betrüger sind seine finsteren Absichten leider in den seltensten Fällen anzusehen. Zudem treten die Täter in ganz unterschiedlichen Rollen auf: Mal geben sie sich als seriös gekleideter Geschäftsmann aus, mal werden sie als Handwerker in Arbeitskleidung, als Hilfsbedürftiger oder sogar als angebliche Amtsperson vorstellig.

„Um ans Ziel zu gelangen, überraschen die Täter immer wieder durch außerordentlichen Ideenreichtum“, so Polizeisprecherin Ramona Hörst. Der durch sie verursachte finanzielle Schaden ist oft nicht wieder auszugleichen.

Die Ratschläge der Polizei
  • Warnen Sie Angehörige, insbesondere ältere Verwandte, vor dieser Masche.
  • Melden Sie verdächtige Personen sofort der Polizei.
  • Weitere Infos auf der Seite der Polizei Recklinghausen.
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